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19. 07. 2008

Testbericht: Battlefield: Bad Company

Mit Bad Company erscheint erstmals ein Titel der Battlefield-Reihe nicht mehr für den PC, sondern ausschließlich für die aktuelle Konsolengeneration. Können sich Battlefield-Fans der ersten Generation dennoch mit Bad Company anfreunden?

Screenshot: Battlefield: Bad CompanyAnders als bei den bisherigen Titeln der Serie steht bei Battlefield: Bad Company der Einzelspielermodus zwar nicht im Vordergrund, aber zumindest auf einer Ebene mit dem Mehrspielermodus. Eure Spielfigur stößt als Neuling zur namensgebenden B Company, bei der es sich quasi um die Fremdenlegionäre der US Army handelt - so zumindest die Erklärung im gut inszenierten Ingame-Intro. Doch anders als zunächst suggeriert wird ist die B Company keinesfalls ein Auffangbecken für Taugenichtse, die allenfalls als menschliches Schutzschild herhalten müssen: Sie lässt sich eher als Team aus Spezialisten bezeichnen, die überall dort eingesetzt werden, wo mit herkömmlichen Truppen kein Weiterkommen mehr ist. Dass dies spaßiger ist, als als menschliches Schutzschild herhalten zu müssen, dürfte einleuchten.

Screenshot: Battlefield: Bad CompanyDie Handlung des Spiels wirkt auf den ersten Blick etwas abgedroschen, denn mal wieder kämpfen Amerikaner gegen Russen in einem mehr oder weniger aktuellen Krisenszenario. Diesmal sind es allerdings zumindest teilweise Söldner-Armeen, die sich auf den fiktiven Schlachtfeldern im fernen Russland gegenüber stehen. Dass beim Spielen von Battlefield: Bad Company trotz der nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzenden Handlung dennoch eine fast filmreife Atmosphäre aufkommt, liegt eher an den überzeugenden Spielfiguren und den damit einhergehenden humorvollen Dialogen, die die Entwickler dem Spiel verpasst haben. Die Einheit, der ihr zu Beginn des Spiels zugeteilt werdet, besteht aus insgesamt vier Charakteren, von denen drei ausschließlich von der künstlichen Intelligenz gesteuert werden. Jede Spielfigur besitzt nicht nur besondere Fähigkeiten, beispielsweise im Umgang mit bestimmten Waffen, sondern auch ein eigenes Gemüt. Die Interaktion zwischen den einzelnen Charakteren ist zwar größtenteils geskriptet, macht aber dennoch den Reiz in der Singleplayer-Kampagne aus. Die Dialoge der Teamkameraden sorgen nicht nur in den kampflosen Szenen, sondern gerade auch in den heftigen Feuergefechten immer wieder für zusätzliche Unterhaltung. Beispielsweise, wenn eine charmante Frauenstimme über Funk wichtige Informationen durchgibt und den Charakteren nichts besseres einfällt, als von der Frau hinter der Stimme zu schwärmen.

Screenshot: Battlefield: Bad CompanyDennoch wird natürlich auch bei Battlefield: Bad Company gekämpft und zwar nicht zu knapp: Die Feuergefechte sind wesentlich intensiver als in den bisherigen Battlefield-Teilen und lassen sich eher mit Call of Duty 4 oder Crysis vergleichen. Umso erfreulicher ist es, dass Battlefield-Veteranen dennoch auf einen ähnlich großen Fuhrpark wie in den Vorgängern treffen: Ob per Panzer, Schnellboot oder Hubschrauber, die Bad Company ist extrem mobil, was vor allen Dingen die weitläufigen Passagen zwischen den einzelnen Kampfeinsätzen erleichtert. Denn anstatt einzelner Missionen erwartet euch in der Singleplayer-Kampagne eine Anreihung einzelner Scharmützel, die allenfalls durch die bereits erwähnten Dialoge oder Ingame-Sequenzen, in denen die Story vorangetrieben wird, unterbrochen werden. Auch dies trägt wie die Dialoge und die Feuergefechte zur intensiven Atmosphäre bei, denn wenn man einen umkämpften Kriegsschauplatz zunächst nur aus der Ferne erspäht und sich einige Feuergefechte später an eben selbigem wieder findet, wirkt die Spielwelt einfach lebendiger, als wenn man von Ladebildschirm zu Ladebildschirm eilt. Verstärkt wird der hervorragende Eindruck, den die Spielwelt von Bad Company hinterlässt, durch die Physik-Engine des Spiels: In nahezu jede Wand lässt sich mit einem Raketenwerfer ein Loch sprengen. Gelangt man erst einmal die Kontrolle einer Fernbedienung, über die sich Artillerie-Unterstützung anfordern lässt, lassen sich gleich ganze Häuser per Knopfdruck von der Karte tilgen. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hat natürlich auch Einfluss auf eure Taktik und die eurer Gegner.

Konsolenspieler dürften mit der Steuerung übrigens keine Probleme haben, da sich Bad Company größtenteils an den Ego-Shootern der jüngsten Vergangenheit orientiert. PC-Spielern, die den Sprung zur Konsole wagen, wird zwar etwas Einarbeitungszeit abverlangt, anschließend steht dem Spielspaß jedoch ebenfalls nichts mehr im Weg. Das Fahrverhalten der Fahrzeuge wurde im Vergleich zu den Vorgängern kaum verändert, Kenner finden sich daher auch hier schnell zurecht. Lediglich der Einführung zur Bedienung des Hubschraubers sollten auch sie nicht fernbleiben.

Ganze Arbeit haben die Entwickler bei der Grafik geleistet: Battlefield: Bad Company präsentiert sich optisch einwandfrei, Charaktere, Umgebung und Spezialeffekte lassen keine Wünsche offen. Die vorzügliche Darstellung von Wasseroberflächen und die hohe Sichtweite tun ihr übriges, um das positive Gesamtbild, das die Spielwelt hinterlässt, abzurunden. Beim Sound sorgen vor allen Dingen Explosions- und Gefechtsgeräusche für eine tolle Atmosphäre: Anders als die eher durchschnittliche musikalische Untermalung gehören die Soundeffekte zu den besonders erwähnenswerten Elementen des Spiels. Aber auch die deutsche Sprachausgabe der Dialoge ist letztendlich nicht so schlecht, wie man im ersten Moment erwarten könnte.

Screenshot: Battlefield: Bad CompanyTrotz der größtenteils gelungenen Einzelspielerkampagne liegt der Schwerpunkt auch bei Bad Company natürlich im Mehrspielerbereich, in dem die Battlefield-Reihe ja quasi heimisch ist. Zwar gibt es bisher nur einen Spielmodus, aber dieser hat es in sich: Während das eine Team bei "Gold Rush" mit der Verteidigung eines Goldvorrates beauftragt ist, versucht das andere Team den Verteidigern eben jenes Gold zu stehlen. Im Grunde handelt es sich also um altbewährte, aber nicht gerade häufig verwendete Szenarien im Stile eines "Dustbowl", die bei Battlefield aber schon seit Road to Rome Verwendung fanden. Dadurch, dass es auch innerhalb der Karten die unterschiedlichsten Spielabschnitte gibt, von Panzerschlachten bis hin zu Infanteriegefechten, ist zudem für Abwechslung gesorgt. Ein Wermutstropfen ist höchstens die Zahl der Spieler, die auf 24 beschränkt ist. Im Gegenzug wartet Battlefield: Bad Company aber immerhin mit einem motivierenden Erfahrungspunkte-System, über das Waffen und Items freigeschaltet werden.

Fazit

Battlefield: Bad Company macht insgesamt eine gute Figur: Die ausgewogene Mischung aus unterhaltsamem Single- und Multiplayer-Part überzeugt nicht zuletzt dank eines großen Fuhrparks, schmucker Optik und hervorragender Soundeffekte. Auch was die Steuerung und die Komplexität betrifft, bleibt das Spiel der eher simpel gestrickten Linie der Battlefield-Reihe treu. In der Einzelspielerkampagne kommen zudem die humorvollen Dialoge sowie die hitzigen Gefechte zur Geltung. Der Mehrspielermodus macht zwar Spaß, Hardcore-Spieler dürften aber dennoch nicht zuletzt aufgrund des größeren Umfangs in diesem Bereich nicht von Call of Duty 4: Modern Warfare weg zu locken sein. Wer aber nur ab und zu ein Internet-Gefecht wagt und sich ansonsten die Zeit mit der Einzelspielerkampagne vertreiben möchte, für den dürfte Battlefield: Bad Company eine gute, wenn auch nicht die zur Zeit beste Wahl sein. Mario Siewert

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