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18. 05. 2011

Testbericht: Brink

Der Publisher und Entwickler Bethesda hat sich durch qualitative Titel in den vergangenen Jahren einen guten Namen gemacht. Nun wollen sie mit Brink das Shooter-Segment für sich erobern und die Fans mit einem teambasierten Gameplay überzeugen. Können die Macher mit diesem Vorhaben aber auch in der Praxis eine anschauliche Leistung abgeben?

Screenshot: BrinkBrink handelt in einem futuristischen Setting. Wieder einmal steht die Welt kurz vor ihrem Ende – die Meerespegel sind so hoch wie nie und das Leid der Menschen unvorstellbar groß. Zum Glück gibt es die Ark. Diese gigantische Insel war eigentlich als ein Umweltprojekt zu Forschungszwecken gedacht. Die Ark kann sich völlig allein versorgen und ist damit unabhängig von der Außenwelt. Als die Welt langsam aber sicher den Bach hinunterging, wurde die schwimmende Stadt an einen versteckten Ort gebracht. Viele Menschen suchten und fanden die Ark aber und den Forschern blieb nichts anderes übrig, als die Flüchtlinge aufzunehmen. Der Ort war allerdings nicht auf solch einen großen Andrang vorbereitet. Viel zu wenig Platz war vorhanden, weshalb Ghettos aus dem Boden gestampft wurden.

Bei solch harten Bedingungen war es nur eine Frage der Zeit, bis erste Machtkämpfe entfachten. Hier kommt der Spieler ins Geschehen. Insgesamt gibt es zwei Fraktionen in Brink. Zum Einen sind da die Menschen aus den Slums, die endlich einen Weg von der Insel finden wollen und zum Anderen kämpfen die hochrangigen Leute von der Sicherheit für das Weiterbestehen der Ark. Die acht Missionen sind daher so aufgebaut, dass man sie aus beiden Perspektiven spielen kann. Es war schließlich der große Ansatz von Bethesda, die Kampagne möglichst dicht in den Mehrspielerpart einzubauen. Daher spielt man in Brink die Story im 8 vs. 8 Modus und kämpft dabei für die jeweils gewählte Fraktion. Die Einbindung der Geschichte klappt leider nicht ganz so gut wie erhofft. Einerseits ist der Plot kaum interessant und die Erzählweise kommt mit nur wenig Atmosphäre daher. Ebenfalls hat man während der Gefechte selten den Eindruck, eine Kampagne nachzuspielen. Nur die Zwischensequenzen am Anfang und am Ende der Auseinandersetzungen weisen darauf hin.

Screenshot: BrinkBrink ist vor allem für Anfänger nicht gerade leicht verständlich, weshalb Quereinsteiger mit den Lernvideos gut bedient sind. Zudem bieten die Herausforderungen eine nette Übungsmethode, um die Spieleigenschaften von Brink zu erlernen. Der erste Blick ins Spiel verrät einem gleich einige Neuerungen, die man so vermutlich nicht von anderen Shootern gewohnt ist. Zuerst sticht einem die ungewöhnliche Optik ins Auge. Bunt und farbenfroh – so lässt sich die Grafik von Brink am besten beschreiben. Dieser Aspekt ist jedoch nicht negativ zu bewerten - der Stil passt nämlich gut zu dem Titel. Vor allem die Level selbst sind sehr schön ausgefallen und bieten einige äußerst ansehnliche Passagen. Die Konsolenfassungen haben aber das Problem, dass die Texturen in Bewegung erst nach einigen Sekunden scharf werden. Auf dem PC sind solche Angelegenheiten dagegen kaum zu erkennen.

Was hat man in Brink aber eigentlich zu tun? Das ist von Mission zu Mission unterschiedlich und ebenso von der Auswahl der Klasse abhängig. So gibt es immer ein oder mehrere Primärziele und ebenso einige Sekundäraufgaben, die es zu erfüllen gilt. Je nach Auftrag sollte dann entweder der Spion, Sanitäter, Soldat oder Techniker gewählt werden. Der Spion ist zum Beispiel dafür verantwortlich, Terminals zu hacken und damit neue Wege zu öffnen. Der Soldat bringt dagegen Sprengladungen an Türen an, die für das Weiterkommen wichtig sind. Ist eine Aufgabe erfüllt, kann es zum Beispiel sein, dass eine andere Klasse nun vorteilhafter ist für das Erledigen des Ziels. Dabei kann man während eines laufenden Gefechts problemlos an den Kommandoposten zwischen den Klassen wechseln, sodass man sich nicht auf eine einzelne festlegen muss. Dies eröffnet dem Spieler zahllose Alternativen. So ist es beispielsweise sehr hilfreich, dem Techniker, der gerade ein Geschütz aufbaut, als Sanitäter Gesundheit zu spenden. Wie man den Titel nun spielt, bleibt einem selbst überlassen.

Screenshot: BrinkDas wichtigste Element von Brink ist das Teamplay. Wenn eine Mannschaft gewinnen will, muss sie gemeinsam vorangehen und sich mit Hilfe der erwähnten Klassen gegenseitig unterstützen. Einzelgänger dagegen können sicherlich mit Kills Punkte sammeln, doch auf lange Sicht gesehen führt dies nicht zum Erfolg. Wer fleißig ist und seine Kameraden unterstützt, sammelt so zahlreiche Erfahrungspunkte. Zu Beginn hat die Spielfigur noch relativ wenige Fähigkeiten. Das ändert sich mit höheren Rangstufen jedoch, denn dann lassen sich neue Attribute hinzukaufen, die das Können des Charakters merklich aufwerten. Brink ist also eher etwas für Langzeitspieler. Zwar geht die Motivation durch die geringe Anzahl der Level ein wenig verloren, doch die Fähigkeiten ziehen den Karren an dieser Stelle noch einmal aus dem Dreck. Im Menü stehen nach und nach also mehrere Neuerungen bereit. So kann zum Beispiel erkauft werden, dass der Spieler von Feinden nicht so schnell entdeckt wird. Außerdem lassen sich die Möglichkeiten der einzelnen Klassen ebenfalls ausbauen, sodass man nach einiger Zeit nachhaltige Vorteile in einer Partie erlangen kann. Die Waffen, die im Laufe des Spiels freigeschaltet werden können, lassen sich übrigens auch mit neuen Teilen versehen.

Wer aber nicht immer nur schießend durch die Gegend laufen will, bekommt mit dem Smart-System eine nette Alternative. Das Feature sorgt dafür, dass schnelle Bewegungen wesentlich flüssiger und unkomplizierter daherkommen. So springt man auf Knopfdruck locker über ein Geländer oder klettert mit etwas Schwung eine Steilwand hinauf – Mirror's Edge lässt grüßen. Das Smart-System leidet jedoch unter einigen Problemen, denn nicht alle Aktionen glücken beim ersten Versuch. An dieser Stelle besteht noch etwas Nachholbedarf, was das Feintuning angeht.

Screenshot: BrinkBrink ist ein Titel, der nur im Team funktioniert. Es gibt aber wie erwähnt genug Möglichkeiten, um ein individuelles Erlebnis zu erhalten. Das wird auch durch die Charaktergestaltung gewährleistet, die mit einem zufriedenstellenden Umfang daherkommt. Es kommen mit der Zeit viele Kleidungsstücke zur Auswahl hinzu, sodass es stets einen Grund gibt, die Spielfigur zu verändern. So trifft man im Onlinepart viele schön ausgefallene Charaktere. Sind übrigens nicht genügend menschliche Mitspieler am Start, werden die Plätze durch die KI übernommen. Die Bots agieren sicherlich nicht ganz so, wie ihre lebenden Vorbilder, aber trotzdem präsentiert sich die KI als brauchbar und gelungen zugleich. Störend sind jedoch die sich immer wiederholenden Sprüche der Bots, die außerdem auch noch schlecht synchronisiert worden sind. Sobald das Spiel mit realen Kontrahenten gefüllt ist, kommt es leider immer mal wieder zu Ruckelpartien, die mehr als störend auffallen. Hier müssen die Entwickler definitiv nochmal die Updatekeule schwingen, damit das Onlineerlebnis auf Dauer nicht zu sehr beeinträchtigt wird.

Fazit:
Brink strotzt nicht vor Innovationen, die Mischung aus On- und Offlinepart geht auch nicht unbedingt auf und die Technik sorgt für die ein oder andere frustige Minute – und doch funktioniert der Titel irgendwie. Brink ist halt kein gewöhnlicher Shooter. Was das Spiel besonders macht, ist vor allem der Fokus auf das Teamplay und genau dieser Aspekt bringt auch die meiste Freude. Wenn das Team gut zusammenarbeitet, steht dem Sieg kaum etwas im Wege und jeder Mitstreiter wird zudem mit Erfahrung belohnt. Dadurch entsteht trotz der Macken ein motivierendes Umfeld, das – Nachbesserungen in Form von Updates vorausgesetzt – auch auf lange Sicht funktionieren könnte. – Daniel Dyba

Wertung: 8 / 10

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