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25. 07. 2011

Testbericht: Call of Juarez - The Cartel

Wenn ein Videospiel eine Fortsetzung erhält, spricht dies meist für einen gewissen Erfolg der Vorgänger. Dieser Fall trifft auch bei Call of Juarez: The Cartel zu. Die beiden ersten Teile konnten eine beachtliche Anzahl von Spielern begeistern, weshalb der dritte Ableger der Reihe entsprechend herbeigesehnt wurde. Es war aber schon im Vorhinein klar, dass Veränderungen eintreffen. Ist das Erlebnis trotz dieser Umgestaltungen aber immer noch im Rahmen dessen, was die Vorgänger ausgemacht hat?

Screenshot: Call of Juarez: The CartelDiese zu Eingangs gestellte Frage kann und muss gleichermaßen mit einem Nein beantwortet werden. Vom Western wegzugehen, war möglicherweise ein großer Fehler der Entwickler, wenn auch nicht der einzige. Das Setting war eigentlich kaum ausgereizt und erfreut sich zum Beispiel auch im filmischen Bereich wieder sehr großer Beliebtheit. Was haben sich die Macher also gedacht, die Wüstenumgebungen durch triste Highways zu tauschen? War es der Reiz des Neuen oder einfach nur eine simple Eingebung? Nicht, dass man aus den engen Gassen von Los Angeles nichts hätte herausholen können, doch Call of Juarez hat seine Wurzeln einfach im Western. Sicherlich kann man zwischen den wilden Schießereien von früher und dem Drogenkrieg der amerikanischen Megametropole einige Parallelen ziehen – die Atmosphäre ist jedoch eine gänzlich Andere.

Aber gut, genug über den Umbruch gemeckert – Zeit sich dem Neuen zu widmen. So spielt Call of Juarez: The Cartel  wie bereits angemerkt nun in der Gegenwart. Dabei wurde ein fiktives Storykonstrukt erschaffen, dass sich um Geld und vor allem Drogen dreht. Drei Beamte unterschiedlicher Behörden (DEA, LAPD und FBI) werden zu einer Sonderkommission zusammengerufen. Die Behörden haben wenig füreinander übrig, weshalb auch zwischen den Charakteren selbst Zweifel entstehen. Zusammen machen sie sich auf, um gegen den Drogenkrieg vorzugehen und das Kartell, das von einem bekannten Bösewicht geführt wird, zu zerschlagen.

Screenshot: Call of Juarez: The CartelAlle Figuren führen auch persönliche Absichten und Machenschaften mit, was innerhalb der Geschichte für die ein oder andere nette Situation sorgt. Letztlich kommt der Plot aber nicht über Actionfilm-Ausmaße hinaus und bleibt mitsamt seiner Charaktere eher blass. Die harten Cops verkommen leider viel zu schnell zu Stereotypen, was der Szenerie einen Teil der Ernsthaftigkeit nimmt. Zudem kann auch die deutsche Synchronisation wenig zur Atmosphäre beitragen. Die Sprecher wirken zwar nicht immer übel, aber besonders die asynchronen Lippenbewegungen und die dumpfe Tonabmischung fallen störend ins Gewicht.

Drei Figuren bedeuten für den Spieler auch drei unterschiedliche Wege, um Call of Juarez: The Cartel zu bewältigen. So muss man sich nach dem Eingangslevel entscheiden, welcher Charakter gewählt wird. Einer davon ist übrigens ein direkter Nachfahre der McCalls aus dem Vorgänger. Alle Figuren verfügen über spezielle Eigenschafften, die sich zum Beispiel bei Fernangriffen oder dem Nahkampf niederschlagen. Eine weitere Besonderheit besteht bei den Änderungen an der Geschichte, die je nach gewählter Spielfigur eintreffen. Sie bekommen nämlich immer mal wieder Anrufe mit Nebenaufträgen, welche sich allesamt unterscheiden. Zwar bewegt sich dieser Aspekt in einem kleinen Rahmen, aber immerhin wurde etwas für den Wiederspielwert getan.

Screenshot: Call of Juarez: The CartelMeist mit einem Schießeisen bewaffnet, bewegt sich der Spieler vor allem ballernd durch Los Angeles und Mexiko. Dabei wird man stets von den beiden anderen Beamten begleitet. Hier besteht die Möglichkeit, ein kooperatives Spiel zu beginnen, wobei die anderen Figuren dann von menschlichen Mitstreitern übernommen werden. Dabei wird das Spielgeschehen merklich interessanter, taktischer und spaßiger zugleich, da die Absprache logischerweise besser klappt. Die geschieht übrigens nur online, eine lokale Koop-Variante gibt es nicht. Sofern einem keine realen Gefährten zur Seite stehen, werden die beiden Slots von der künstlichen Intelligenz übernommen. An bestimmten Stationen im Spiel gibt es dann zum Beispiel Punkte, die automatisch für Deckungsfeuer der Kameraden sorgen. Das mag sicher hilfreich sein, ansonsten gestaltet sich die KI nur im geringen Maße brauchbar. Die Kollegen stehen im Weg herum, liefern halbgare Sprüche ab und können mit ihrer mageren Treffergenauigkeit wenig Effizienz erzielen. Alles in allem sollte man daher eher auf die Koop-Möglichkeiten ausweichen, da das Spiel mit der KI nur für wenig Ermunterung sorgt.

Screenshot: Call of Juarez: The CartelCall of Juarez: The Cartel ist ein Ego-Shooter und als ein solcher spielt er sich auch. Trotzdem haben die Macher versucht, ein wenig Abwechslung mit ins Geschehen zu bringen. Der Spieler verbringt nämlich auch einen Großteil der Spielzeit im Auto. Ob nun als Fahrer inmitten einer Verfolgungsjagd oder als schießwütiger Beifahrer, ist je nach Level unterschiedlich. Zudem kommt es auch zu der einen oder anderen handfesten Schlägerei, die ganz ohne Waffengewalt geführt werden muss. Diese Elemente hören sich zwar nett an, wirken aber recht unausgereift. Die Fahrten fühlen sich geschwindigkeitsarm an und die Prügeleien sind unübersichtlich. Nette Ideen, denen es an der Umsetzung mangelt. Zwar kommen auch wieder einige gewohnte Elemente wie die Zeitlupe zum Einsatz, aber auch sie kann hier nicht zur Rettung heraneilen. Die Zeitlupenmomente gestalten sich nämlich viel zu kurz, als das man wirklich etwas ausrichten könnte gegen die die Ganoven mit ihren Maschinengewehren. Lediglich für die Erholung der Lebensenergie in brenzligen Situationen eignet sich dieses Feature.

Neben dem eigentlichen roten Faden haben alle Figuren wie bereits erwähnt auch Hintergedanken mit im Spiel. Dazu können optionale Zusatzaufgaben erfüllt werden. Leider bleiben sie in einem kleinen Rahmen. Der Spieler muss in den meisten Fällen ein bestimmtes Objekt suchen und darf sich beim Stehlen nicht von seinen Kollegen erwischen lassen. Da die KI aber ohnehin kaum zu gebrauchen ist, stellen diese Aufgaben keine große Herausforderung dar. Wer sich aber noch abseits des tristen Einzelspielerparts vergnügen möchte, kann sein Glück im Mehrspielerpart versuchen. Hier fällt vor allem die einfallsreiche Lobby positiv auf. Solange man auf weitere Mitstreiter wartet, können die Schießstände benutzt und die persönlichen Fähigkeiten damit verbessert werden. Die Mehrspielergefechte, die mit bis zu acht Personen absolviert werden, zeigen sich solide und ausgewogen. Die Idee, dass sich der Spieler einen Partner suchen kann, der dann beim Kampf in der Nähe zu einer Steigerung der Attribute führt, ist ausgeklügelt. Letztlich führt dieser Modus aber nur zu einer kleinen Verbesserung des Gesamtprodukts.

Screenshot: Call of Juarez: The CartelDas Genick bricht sich Call of Juarez: The Cartel besonders im Bereich der Technik. Dieser Titel wirkt nämlich äußerst unfertig und weist ungewöhnlich viele Fehler auf. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass die Kollegen plötzlich vor einem auftauchen oder dass Soundeffekte vollkommen aussetzen. Dies soll aber nur eine kleine Auswahl sein – fast in jedem Bereich erspäht man neue Ungereimtheiten. Auch die Ruckler, die einen ständig stören, wirken sich negativ auf die Wertung aus. Die Entwickler hatten bei diesem Titel wohl einfach kein Händchen für die Technik, was sich auch bei der Optik fortsetzt. Die Umgebungen laden nach und die Texturen zeigen sich verwaschen. Wie ein Spiel der aktuellen Generation wirkt Call of Juarez: The Cartel definitiv nicht. Effekte, das Design der Figuren und die Animationen zeugen ebenfalls nicht von gestalterischer Vielfalt und tun hier abermals ihr Übriges.

Fazit:
Schade. Wirklich schade was Call of Juarez: The Cartel hier vorgibt zu sein. Als potenzieller Top-Titel vermarktet, bekommt man als Spieler lediglich durchschnittliche Shooter-Kost vorgesetzt. Die Vorgänger wussten hier weitaus besser zu unterhalten, weshalb es mir mehr als schleierhaft ist, wieso diese Qualitätsschlappe in dem Ausmaße auf den Markt gebracht werden konnte. Sicher ist es nicht das Gameplay oder die Ideen dahinter, die Call of Juarez: The Cartel  so alt aussehen lassen. Nein, es ist vor allem die fragwürdige Technik, die vor Fehlern nur so strotzt. Da kann man nur hoffen, dass sich die Mannen von Techland bei Dead Island ein wenig mehr Mühe gegeben haben. – Daniel Dyba

Wertung: 5 / 10

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