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09. 02. 2010

Testbericht: Darksiders

In der jüngeren Vergangenheit gab es einige hervorragende Spiele, die vor allem dadurch glänzten, verschiedene Gameplay-Tugenden anderer, älterer Spiele zu übernehmen und sie zu perfektionieren. Dead Space, Batman: Arkham Asylum und Uncharted 2 sind nur eine kleine Auswahl dieser Titel - und alle standen bei nicht wenigen Spielern in ihrem Erscheinungsjahr auf der berühmt-berüchtigten Game of the Year-Liste. Ist Darksiders nur ein weiterer schlechter God Of War/The Legend of Zelda-Ripoff oder hat es das Zeug, sich dieser Liste von Spieleperlen anzuschließen?

Screenshot: DarksidersKrieg („War“), der erste der vier apokalyptischen Reiter, wurde gelinkt: Die Apokalypse wurde (scheinbar) ausgelöst, auf der Erde ist ein erbitterter Kampf zwischen Himmelreich und Hölle ausgebrochen und die Menschheit wurde vernichtet. Als Krieg jedoch auf der Erde ankommt, um seiner Aufgabe gemäß ein Gleichgewicht in die Schlacht zu bringen, muss er feststellen, dass etwas schief gelaufen ist. Seine Kollegen, die anderen drei Reiter sind nicht vor Ort und die sieben Siegel der Apokalypse wurden nicht gebrochen. Bevor er sich versieht, werden ihm seine Kräfte geraubt und er selbst von einem mächtigen Dämonen niedergestreckt. Nun muss er sich vor dem Feurigen Rat verantworten, denn ungünstiger Weise wird die ganze Katastrophe ihm höchst selbst angelastet. Er bekommt die Chance, alles aufzuklären und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Als post-apokalyptischen Bewährungshelfer bekommt er den Wächter zur Seite gestellt. Sollte er von seiner Aufgabe abweichen, wird dieser in töten. Also macht Krieg sich auf, seine Weste reinzuwaschen. Zugegeben: Die Story ist in Darksiders nicht superoriginell, kann aber immerhin frischen Wind in das ebenfalls nicht gerade brandneue Szenario „Apokalypse“ bringen.



Screenshot: Darksiders

Darksiders ist ein Action Adventure mit einer guten Portion Hack’n’Slay und gesunden Erkundungs- und Rätselanteilen. Es  spielt sich vor allem während der Kampfszenen herrlich wuchtig – eben so, wie man das von einem apokalyptischen Reiter erwarten würde. Das Kampfsystem erinnert stark an God Of War: Wer will, kann sich auf den unteren Schwierigkeitsgraden per Buttonmashing durchwurschteln – wer sich aber die Feinheiten aneignet, kommt angenehmer, eleganter und cooler voran. Für getötete Gegner bekommt Krieg Lebensenergie, Zorn und Seelen, die er beim Dämonenhändler Vulgrim gegen Ausrüstung tauschen kann. Hinzu kommen Dungeon- und Rätsel-Abschnitte, bei denen man sofort an die The Legend of Zelda-Serie denkt: Finde den Gegenstand A im Dungeon B um an Ort C weiter voranzukommen. So erkämpft Krieg sich schrittweise neue Waffen, Fähigkeiten und sogar sein gefürchtetes Streitross Ruin – ein Highlight des gesamten Spiels.

Screenshot: DarksidersMan muss dabei festhalten, dass Darksiders in keinem dieser Bereiche seinen Vorbildern das Wasser reichen oder sie gar übertreffen kann. Bitte nicht falsch verstehen: Was Darksiders macht, macht es wirklich gut – aber eben nicht überragend. Löblich immerhin: Das Spiel versucht gar nicht erst, zu vertuschen, wo die Einflüsse für das Gameplay herkommen. Hier wurde sich so offensichtlich bei God Of War, Zelda (und sogar Portal bedient), dass man dem Entwickler-Team Vigil Games schon gar nicht mehr böse sein kann. Vielmehr könnte man ihnen dafür danken, dass sie aus Spielen, die zur Crème de la Crème ihres jeweiligen Genres gehören, ein neues Spiel mit einer interessanten Gameplay-Mixtur hergestellt haben. Und mal ehrlich: Die Zelda-Serie versteht es zwar, die jeweilige Story und das Gameplay auf herzerwärmende Art und Weise zu präsentieren, sonderlich innovativ sind der ewig gleiche Plot à la „Junger Held rettet hübsche Prinzessin aus den Fängen des Bösen“ und die Dungeon-Abgraserei allerdings auch nicht mehr wirklich. Und dort beschwert sich schließlich auch niemand.

Das Art Design in Darksiders ist sehr stimmig und weiß vor allem Comicfans zu begeistern. Das Spiel setzt dabei auf einen einzigartigen Look, der maßgeblich von Joe Madureira, dem berühmten amerikanischen Comic-Zeichner (u. a. verantwortlich für Uncanny X-Men), geprägt wurde. Das erkennt man vor allem am bulligen Charakterdesign der Figuren wie dem Protagonisten Krieg. Vor allem die zahlreich vorkommenden Dämonen wie der mächtige Samael sind toll gestaltet. Sicherlich werden einige Leute sagen, das Art Design sei pubertär und in den Superhelden-Comics der 1990er Jahre hängen geblieben, aber das ist schließlich Geschmackssache. Das Spiel ist in jedem Fall erfrischend bunt und hebt sich von der graubraunen Matschgrafik anderer Titel wohltuend ab.

Screenshot: DarksidersLeider kann die Grafikengine nicht gleichermaßen überzeugen: Das Spiel macht zwar insgesamt einen guten Eindruck, vor allem in den Innenarealen können die mitunter wenig abwechslungsreichen Texturen aber nicht immer mit anderen aktuellen Spielen mithalten. Das Leveldesign ist einfalls- und vor allem abwechslungsreich: Jedes Gebiet sieht vollkommen anders aus und hat ein bestimmtes Thema inne: von der Großstadt bis zum Friedhof finden wir hier so ziemlich alles. Der Zusammenhang all dieser verschiedenen Gebiete ist ein bisschen arg gewollt, dafür bekommt der Spieler aber nicht immer nur Betonwüste zu sehen. Auf der Soundebene ist Darksiders dafür ganz ausgezeichnet. Die Sprecher – allen voran Mark Hamill als der Wächter– sind durch die Bank hervorragend. Die Kämpfe scheppern ordentlich in den Lautsprechern und lassen den Spielern die Zerstörungskraft von Kriegs riesenhaftem Schwert „Chaosfresser“ herrlich nachspüren.

Darksiders ist keineswegs frei von Makeln. Hin und wieder passiert es, dass Krieg einfach einen Abgrund hinunterläuft, statt abzuspringen und zur nächsten Plattform zu gleiten. Warum Kriegs Inventar und der Kartenmodus getrennt voneinander sind und warum – wenn es schon so sein muss – der Kartenmodus sich nicht aus dem Inventar aufrufen lässt und umgekehrt, bleibt unverständlich. In größeren Umgebungen (z. B. der Überschwemmte Pass) sind hin und wieder leichte Frameraten-Einbußen zu spüren und ganz selten muss sogar mitten im Spiel kurz "nachgeladen" werden.

Fazit:

Darksiders ist ein durch und durch gelungenes Action-Adventure und einer der ersten Spielehits dieses noch jungen Jahres 2010. Zugegeben: Viele Spielelemente sind dreist aus anderen Spielen kopiert, sodass Darksiders in manchen Belangen wenig eigenständig ist. Aber manchmal ist gut geklaut eben doch besser als schlecht selbst gemacht. Felix Maliers

Wertung: 8/10

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