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17. 08. 2010

Testbericht: Dementium II

Horror auf Handhelds ist ein umstrittenes Thema: Ist es überhaupt möglich, mit derart eingeschränkten technischen Mitteln Atmosphäre zu erzeugen? Ja, sagte Entwickler Renegade Kid, als das texanische Studio seinen Horror-Shooter Dementium letztes Jahr auf den Markt brachte. Das Spiel nutzte die begrenzten technischen Möglichkeiten des Nintendo DS voll aus und fand berechtigterweise viel Zuspruch. Führt der Nachfolger den ersten Teil würdig fort oder ist Dementium II nicht mehr als ein lauer Aufguss?

Als William Redmoor zu sich kommt, liegt er ohne Erinnerungen in der Nervenheilanstalt Bright Dawn. Eine Schwester erzählt ihm, dass er vor fünf Wochen am Hirn operiert wurde. Als er in seine Zelle gebracht wird, beginnen die Alpträume: Er befindet sich in einer Art Höllendimension, in der ihn Monster angreifen und er Fallbeilen ausweichen muss. Nachdem er sich durch diese Dimension gekämpft hat, merkt er, dass er nicht geträumt hat: Er ist plötzlich nicht mehr in seiner Zelle, sondern steht völlig alleine in einem Gang des Irrenhauses.

Dementium IISo beginnt der zweite Teil der Dementium-Reihe. Von nun an kämpft ihr euch in der Rolle von William in der Ego-Perspektive durch die dunklen Korridore der Heilanstalt. Zunächst habt ihr dazu nur ein Messer und eine Taschenlampe zur Verfügung, nach nicht allzu langer Zeit findet ihr jedoch ein ganzes Arsenal an verschiedenen Waffen. Das Waffenarsenal beinhaltet mehrere Schusswaffen, darunter Klassiker wie die Schrotflinte oder den Revolver. Gezielt wird per Touchscreen, den Befehl zum Laufen gebt ihr William mit dem Digitalkreuz. Die Steuerung funktioniert insgesamt sehr gut und mit ein wenig Übung wird keiner der Kämpfe ein großes Problem darstellen, solange darauf geachtet wird, mit der Munition sparsam umzugehen. Dementium II ist in dieser Hinsicht nämlich wie einer der früheren Resident Evil-Teile: Wer nicht gut zielt und die Schwachpunkte der Gegner nicht kennt, wird schnell an Munitionsmangel leiden. Ein Mittel dagegen ist der Einsatz der Nahkampfwaffen, denn nur wer viel mit Vorschlaghammer oder Messer hantiert, hat bei den opulenten Bosskämpfen noch genug Munition übrig.

Dementium IIDie Bossgegner sind die einzigen Gegner, die etwas schwerer zu bezwingen sind: Müsst ihr gegen einen der unter anderem riesigen und grafisch äußerst opulenten Bosse antreten, kann es leicht passieren, dass ihr mehrmals sterbt. Dies passiert besonders leicht, wenn ihr die Steuerung noch nicht richtig verinnerlicht habt. In Zeiten der automatischen Speicherfunktion und Checkpoints sollte so etwas normalerweise kein Problem darstellen, Dementium II bietet in dieser Hinsicht aber leider keinen Komfort. Stirbt man, muss man am letzten Speicherpunkt anfangen. Diese sind sehr spärlich verteilt und so kann es passieren, dass ihr ganze Passagen erneut spielen müsst, wenn ihr sterbt. Auch die automatische Heilfunktion, die in vielen modernen Spielen verwendet wird, findet in Dementium II keine Anwendung: Wird die Energie knapp, müsst ihr euch darauf verlassen, genügend Medipacks in eurem Rucksack zu haben. Hierfür solltet ihr die Umgebung immer gut durchsuchen.

Dementium II ist kein reines Action-Spiel. Es gibt euch auch häufig Rätsel auf, die leider meistens nach dem Prinzip „Finde Gegenstand A und bringe ihn zu Punkt B“ verlaufen. Manchmal gibt es aber auch Aufgaben, die euren Hirnschmalz etwas mehr fordern. So müsst ihr etwa verschlüsselte Dokumente richtig lesen, um einen Code herauszufinden. Außerdem solltet ihr euch in der Spielwelt von Dementium II orientieren können. Diese besteht sowohl aus Innen– als auch aus Außenlevels und kann beinahe frei erkundet werden. Hierfür steht euch eine Karte zur Verfügung, die jederzeit auf dem unteren Bildschirm angezeigt wird. Diese ist sehr übersichtlich und wird euch sicher durch die Areale leiten.

Technisch ist Dementium II eines der besten Spiele, die zur Zeit für Nintendos Handheld zu haben sind: Die 3D-Grafik ist sehr detailliert; nur in manchen Abschnitten fallen triste Texturen auf. Ansonsten beeindrucken vor allem die sehr schönen Lichteffekte wie der Lichtkegel eurer Taschenlampe. Der Sound ist auch sehr atmosphärisch, könnte aber einigen Spielern nicht gefallen, weil er die Kämpfe mit einer dramatischen Melodie ankündigt. So werdet ihr an kaum einer Stelle überrascht sein, auf einen Gegner zu treffen.

Fazit

Dementium II ist eine konsequente Fortsetzung seines exzellenten Vorgängers. Beinahe alle Fehler des Erstlings wurden behoben, sowohl auf technischer als auch spielerischer Seite. Etwas mehr Gegnertypen und eine längere Spielzeit hätten dem Spiel gut getan, denn innerhalb von 5-6 Stunden ist das Spiel vorbei und einen Multiplayer-Modus sucht man vergeblich. In dieser kurzen Zeit wird das Spiel jedoch fast niemals langweilig: Die Atmosphäre ist (vor allem für ein DS-Spiel) sehr dicht, die Orientierung fällt durch die überarbeitete Karte leicht und die Steuerung ist sehr intuitiv. Also: Schaltet das Licht aus und lasst euch auf diesen Horrortrip ein! Benjamin Dross

Wertung: 8/10



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