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16. 04. 2010

Testbericht: Die Siedler 7

Die Siedler sind zurück. Ganz offiziell trägt der neuste Ableger die Sieben hinter dem Namen, doch in Wahrheit ist die Reihe, allein auf Grund von diversen Remakes und Ablegern, eigentlich schon viel, viel weiter. Da stellt sich natürlich die Frage, ob hier die hohen Erwartungen an einen so großen Namen erfüllt werden können: Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Trotz Comic-Look ist die Grafik sehr detailliertHinter Die Siedler 7 verbirgt sich mehr, als man meinen möchte. Die Mannen von Blue Byte haben sich tatsächlich so ihre Gedanken gemacht, wie sie der Reihe neues Leben einhauchen und wie sie das Spiel von der Anno-Reihe abgrenzen können. Wie sieht eigentlich eine typische Fortsetzung eines Aufbaustrategietitels aus? Richtig. Es werden einige neue Gebäude implementiert. Dann noch einige Einheiten hinzugefügt, vielleicht hier und dort der Wirtschaftskreislauf erweitert und fertig ist das Gesamtprodukt. Nicht so bei Die Siedler 7.

Hier haben die Macher die Siegpunkte eingeführt, welche das gesamte Spielprinzip ein wenig umkrempeln, nicht aber den Kern der Reihe verändern. Nach wie vor darf der Spieler wild vor sich hinbauen und optimieren, was zu optimieren ist. Doch um siegreich zu sein, bedarf es jetzt nicht mehr der Auslöschung der Gegner. Stattdessen gibt es nun die Alternative der erwähnten Siegpunkte. Das sind Punkte, die man sich verdienen kann. Wer eine bestimmte Zahl erreicht hat, der gewinnt. Dabei gibt es fest definierte Siegpunkte, die dem Gewinner nicht mehr entrissen werden können. Zum Beispiel eben jenen Punkt, der an den Spieler mit der ersten Kathedrale vergeben wird. Dann gibt es aber auch noch variable Punkte: Zum Beispiel den Punkt, der für die derzeitig größte Armee vergeben wird. Das System scheint zunächst ein wenig ungewöhnlich und hektisch für ein Siedler-Spiel, doch funktioniert es in der Praxis äußerst gut und ist eine wahrlich gelungene Erweiterung der Reihe.

Das Zentrum ist der Ausgangspunkt jeder SiedlungSonst geht fast alles wie zuvor: Man startet mit wenigen Gebäuden und siedelt sich empor, baut immer wichtigere Bauten und irgendwann läuft alles rund – oder halt auch nicht. Natürlich gibt es auch wieder eine Kampagne, doch ist diese leider kaum der Rede wert. Nimmt man es genau, dient die Geschichte eigentlich nur als verlängertes Tutorial, da im Verlauf immer neue Varianten des Spielens erläutert oder neue Gebäude eingeführt werden. In der Haut von Prinzessin Zoe erkämpft sich der Spieler dabei den Königstitel, doch sonderlich spannend ist das Ganze nicht in Szene gesetzt. Um zu verdeutlichen, dass es sich bei der Kampagne tatsächlich um ein langes Tutorial handelt, sei das Folgende kurz erwähnt: Die Siegpunkte gibt es zunächst nicht. Sie werden erst später eingeführt.

Der Fokus von Die Siedler 7 liegt eindeutig auf dem Mehrspielermodus und natürlich auch auf dem freien Spiel. Dabei sind die Einstellungsmöglichkeiten recht gut gewählt: So kann man die Stärke und Angriffslust des Computers nach Belieben einstellen und verändern. Und wer einfach nur siedeln möchte, der darf auch neutrale Computerspieler nutzen. Dann kann man sich voll und ganz der eigenen Wirtschaft zuwenden. Und die hat es in sich: Der Grundstein für eine funktionierende Wirtschaft ist natürlich die dauerhafte Produktion von Rohstoffen und deren Weiterverarbeitung. Der Holzfäller benötigt einen Förster, damit ihm nicht plötzlich der Rohstoff ausgeht, der Steinmetz sorgt dafür, dass dem Spieler immer Steine für die befestigten Gebäude zur Verfügung stehen und das Eisenerz möchte auch abgebaut werden. Insgesamt erinnert das System an die alten Siedler-Spiele und hat im Vergleich zum Vorgänger an Komplexität gewonnen.

Eine ausgewachsene Stadt aus der FerneEs kommt im Übrigen ganz auf die eigene Spielweise an, welche Rohstoffe häufig abgebaut werden und welche eher stiefmütterlich behandelt werden sollen. Der Weg ist quasi das Ziel, einen neutralen gibt es dabei aber eigentlich nicht. Drei verschiedene Spielweisen ermöglicht das neue Siedler. Der militärische Weg ist sicherlich der Einfachste: Eine Kaserne errichten, Soldaten rekrutieren und ganz nach der alten Schule den Gegner überrennen. Auch hier erinnert der neue Serienableger im Übrigen an die alten Teil der Reihe: Gegnerisches Gebäude auswählen und die Armee losschicken. Außer dem Rückzug hat man dann erst einmal keine Möglichkeit mehr, direkt in den Kampf einzugreifen. Alternativ kann man sich aber auch auf die Wirtschaft konzentrieren und den Weg der Technologie wählen. Wer dies tut, der darf später mit Mönchen die gegnerischen Einheiten friedlich bekehren und so die Macht an sich reißen. Zu guter Letzt gibt es auch noch den Weg des Handels, was bei einem Siedler-Spiel natürlich nicht fehlen darf. Ganz ohne militärische Stärke kann man diesen Weg aber nicht beschreiten, da nur Handelsposten von Händlern erreicht werden können, was unweigerlich zu einer starken Verteidigung des Handels-Spielers führt. Dafür ist dieser Weg aber auch sehr lukrativ – gerade im Bezug auf die Rohstoffe, die man aus fernen Ländern beziehen kann. Und Gegner werden später einfach bestochen oder gleich aufgekauft.

Besonders im Mehrspielermodus merkt man die Unterschiede zwischen den verschiedenen Spielweisen. Schön hierbei ist auch der Umstand, dass es einen umfangreichen Editor gibt, welcher es ermöglicht, die Karten nach den eigenen Wünschen anzupassen. Dem Freund, der noch recht neu im Spiel ist, einfach mal einige Extrarohstoffe hinstellen? Binnen von Sekunden ist das machbar.

Der Warenkreislauf ist wieder komplexer geratenTechnisch gibt sich Die Siedler 7 durchaus beeindruckend. Die schicke Comicgrafik steht den Wuselfiguren gut zu Gesicht. Von den schicken Animationen bis hin zu den bildschönen Texturen stimmt hier einfach nahezu alles. Zumindest, wenn die nötige Hardwarebasis vorhanden ist. Der grandiose Soundtrack passt ebenfalls zum Gesamtbild. Anders sieht es auch nicht bei den Effekten aus.

Ist das Spiel also ein absoluter Spaßbringer? Nein. Denn es gibt ein ganz massives Problem, welches der neue Serienableger mit sich umher trägt. Und das hört auf den Namen Kopierschutz. Der neue Kopierschutz von Publisher Ubisoft erfordert eine konstante Verbindung zum Internet. Bricht die Verbindung, aus welchen Gründen auch immer, ab, so bricht auch das Spiel ab. Der Fortschritt ist dann erst einmal Geschichte und der Frust ist groß. De Facto ist es zur Zeit gerne so, dass nicht nur Raubkopierer nicht spielen können, sondern auch ehrliche Käufer vom Spiel ausgeschlossen werden.

Fazit:

Ganz davon ab: Was bleibt am Ende? Spielerisch und technisch ist Die Siedler 7 auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt. Die Wirtschaftskreisläufe sind wieder komplexer als in den Vorgängern und der Mehrspielermodus kann für lange Zeit begeistern. Lediglich die etwas lieblos gestaltete Kampagne dürfte einigen Fans übel aufstoßen. Dafür entschädigen aber die schicke Grafik, sowie der bombastische Soundtrack. Wer also mit dem Kopierschutz keine Probleme hat, der darf ohne Bedenken zugreifen. Michael Hoss

Wertung 8/10

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