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06. 06. 2011

Testbericht: DiRT 3

Auch in diesem Jahr wurden wieder einmal zahlreiche Spiele aus dem Rennspielgenre auf den Markt gebracht. Dabei decken viele Titel einen bestimmten Bereich ab. Mit DiRT 3 geht es zum Beispiel abseits befestigter Straßen zur Sache. Auf dreckigen Pisten fährt DiRT 3 in den Spurrillen seiner Vorgänger. Handelt es sich bei dem Titel aber nur um ein Update oder kann der dritte Ableger der Reihe mit gelungenen Neuerungen aufwarten?

Screenshot: DiRT 3Mit der Colin McRae: Rally-Serie bot Codemasters seinerzeit eine waschechte Simulation für Geschwindigkeitspuristen. So kurvten die Spieler durch ewig lange Abschnitte und mussten ihr Können auf jeder einzelnen Etappe unter Beweis stellen. Nicht selten dauerte so ein Part mehr zehn Minuten, weshalb auch klar ist, dass die Reihe nicht unbedingt massenkompatibel war. Das dachten sich wohl auch die Entwickler, denn mit der DiRT-Serie ging es vor einigen Jahren in eine neue Richtung. Mit dem tragischen Tod des Rennfahrers Colin McRae verschwand auch sein Name aus dem Titel des dritten Ablegers.

Wie schaut diese neue Richtung aus, in die es die DiRT-Serie verschlagen hat? Die Rede ist von einem kleineren Rallye-Aspekt. In DiRT 3 werden zwar wieder etwas mehr Herausforderungen dieser Gattung geboten, doch sie sind recht kurz gehalten. Das soll aber keinesfalls eine Kritik sein, denn der Titel richtet sich nun halt eher an eine actionorientiertere Zielgruppe. Daher werden unter anderem ganz normale Rennherausforderungen auf matschigen Rundkursen geboten, die wesentlich eingängiger sind, als lange Rallye-Etappen. Zudem gesellen sich zur Freude der Actionfans unter anderem Driftherausforderungen und spannende Head2Head-Rennen zum Portfolio hinzu.

Das ist aber nur eine kleine Auswahl, die größtenteils auch schon bei den Vorgängern angetroffen werden konnte. Neu ist dagegen die Disziplin mit dem verheißungsvollen Namen Gymkhana. Was sich etwas nach Gymnastik anhört, ist gar nicht mal so weit hergeholt, denn Bewegung ist abermals ein wichtiger Aspekt. Ohne dabei zu sehr ins unrealistische abzudriften, geht es bei Gymkhana um Stunts, die auch im wahren Offroad-Sport längst Einzug gehalten haben. Je nach Aufgabe muss der Spieler um große Gegenstände herumdriften, die Räder zum Durchdrehen bringen oder große Sprünge von Rampen zeigen. All das, was dem Auge des Zuschauers gefällt, ist gefragt und bringt Punkte auf das Konto. Eigens für Gymkhana wurde auch eine Trickhilfe implementiert, die je nach Können ein- oder ausgeschaltet werden darf. Durch die Aktivierung gelingt ein besserer Einstieg in den ungewöhnlichen Part, was dank des ausführlichen Tutorials noch unterstützt wird. Befremdlich, aber dafür durchaus mit Spaß behaftet – so kann man Gymkhana ganz gut in Worte fassen. Einziger Knackpunkt sind die Zuschauer selbst. Zwar wird einem suggeriert, eine Show für die Masse zu veranstalten, doch genau wie in den normalen Rennen, bleibt das Publikum meist recht blass. Sie bewegen sich kaum und versprühen damit nur wenig Charme.

Screenshot: DiRT 3Simulation oder ein arcadelastiger Actionracer? Nun gut, die zweite Variante ist DiRT 3 sicherlich nicht, das Fahrerlebnis ist aber stark abhängig von den eigenen Einstellungen. Anfänger können so zum Beispiel alle Fahrhilfen aktivieren, wodurch die Herausforderungen einem Kindergeburtstag gleichen. Sind die Hilfen abgeschaltet, werden Auseinandersetzungen geboten, die überaus anspruchsvoll sind und viel Übung erfordern. Dabei kann von der Idealspur bis hin zur Bremskontrolle alles nach den eigenen Wünschen eingestellt werden. Diese Möglichkeiten präsentieren sich toll – hier könnten sich andere Entwickler durchaus eine Scheibe abschneiden, denn durch das präzise Einstellen der Schwierigkeit, lässt sich das Können langsam aber sicher steigern. Frust entsteht so nie, denn wenn ein Rennen einmal zu schwer erscheint, kann der Spieler jederzeit die Spielattribute in den Menüs ändern. Wenn es um Individualisierung geht, fällt auch die Steuerung positiv auf. Sie lässt sich frei belegen, sodass jeder den eigenen Vorlieben frönen kann.

Die Fahrphysik zeigt sich genau wie die gegnerische KI stets in einem guten Licht. Die Wiedersacher handeln zwar situationsgemäß, es kommt aber nie zu unfairen Momenten, in denen der Fahrer von der Strecke gedrängt wird. Aussetzer beim Fahrverhalten gibt es so gut wie keine zu erleben. Die Handhabung der unterschiedlichen Rennboliden geht schnell in Fleisch und Blut über. In DiRT 3 werden unter anderem Wüsten-, Wald- und Schneegebiete geboten, die alle mit verschiedenen Bodenbelägen aufwarten. Dabei lassen sich die Fahrzeuge auf allen Untergründen anders fahren.

Neben ganz normalen Einzelrennen, bei denen die Spielgegebenheiten selbst gewählt werden können, geht es natürlich auch online zur Sache. Acht Personen dürfen sich dabei ins Renngetümmel werfen. Den Konsolen-Versionen liegt ein Code bei, der vor dem ersten Mehrspieler-Rennen aktiviert werden muss. Ohne diesen Code ist das Spielen im Netz nicht möglich und die Mehrspielerauseinandersetzungen beschränken sich dann nur auf den Splitscreen-Part. Wer DiRT 3 gebraucht erworben hat, muss sich den so genannten VIP-Code nachträglich erkaufen. Freigeschaltet werden dann auch einige Fahrzeuge und das YouTube-Feature. Damit können die aufgezeichneten Wiederholungen, die im Übrigen sehr schön ausgefallen sind, auf dem Internetportal hochgeladen werden.

Screenshot: DiRT 3Um Ruhm und Ehre geht es im Karrieremodus, der sich leider etwas fade präsentiert. Sicherlich kann der Umfang überzeugen, denn es werden zahlreiche Meisterschaften und viele Umgebungen geboten. Letztlich wird aber nicht mehr, als eine Aneinanderreihung von Rennen absolviert. Da können auch nicht die nervigen Teammitglieder drüber hinwegtäuschen, die einen in den Menüs mit Selbstbeweihräucherungsbekundungen überschütten. Durch das erfolgreiche Abschließen der Auseinandersetzung sammelt der Spieler Ruhmespunkte, die zum Freischalten neuer Wagen und Meisterschaften von Nöten sind. Mit kleinen Nebenaufgaben können zusätzliche Punkte verdient werden. Ein tollkühner Drift oder eine vorgegebene Zeit, die erreicht werden muss, können an dieser Stelle beispielsweise maßgebend sein. Zwar sind dir Nebenaufträge nicht immer förderlich für eine gute Platzierung, aber hier muss halt zwischen Können und Gefahr abgewogen werden.

Den Spieler verschlägt es in DiRT 3 unter anderem in die afrikanische Savanne und braust über die Schotterlandschaften Skandinaviens. Die Umgebungen sind wirklich äußerst ansehnlich und geizen nicht im Bereich der Detailvielfalt. Das gilt aber ohnehin für die gesamte Optik. Besonders in der Cockpit-Perspektive entdeckt man zahllose Feinheiten. Tolle Licht- und Schatteneffekte werden zum Beispiel geboten. Zu Bestaunen sind auch die Bewegungen des aufgewirbelten Staubs in der Wüste. Der Bereich des Sounds leistet zudem eine solide Arbeit. In den Menüs werden die Ohren mit abwechslungsreichen Musikstücken beschallt. Der Konzentration zu liebe, bleibt es in den Rennen aber bei den einfachen Soundeffekten – Musik gibt es hier also nicht. Einzig negativ bei der Technik sind nur noch die Ladezeiten zu erwähnen, denn sie sind einfach einen Tick zu langatmig ausgefallen.

Fazit:
DiRT 3 ist ein Rennspiel, dass es durchaus in sich hat. Mir gefällt die neue Ausrichtung, die sowohl alten Anhängern der Reihe als auch Actionjüngern etwas zu bieten hat. Sicherlich kommen nicht alle alten Hasen mit den kurzen Rallye-Etappen klar, doch dafür wird mit Gymkhana eine spaßige Neuerung präsentiert, die für die Erschließung einer neuen Zielgruppe sorgen könnte. Dennoch fehlt DiRT 3 das gewisse Etwas. Keine Frage, im Bereich der Details und der Optik ist alles auf dem Stand der Zeit, ein wenig mehr Tiefe und eine ausgefeiltere Karriere wären dennoch hilfreich gewesen, um den Spielspaßfaktor und damit die Wertung in die Höhe zu treiben. Nichtsdestotrotz können Fans der Reihe auch mit dem dritten Ableger nichts verkehrt machen. – Daniel Dyba

Wertung: 8 / 10

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