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07. 07. 2011

Testbericht: Dungeon Siege 3

Bereits mit Hunted: Die Schmiede der Finsternis haben Anhänger breitgefächerter Schnetzelkost neues Futter für ihre Videospiel-Systeme erhalten. Wer jedoch ein wenig mehr auf Rollenspiel-Elemente steht, wurde weniger bedient. Diese Leute sollten nun aufpassen, denn mit Dungeon Siege 3 könnte da nun genau das richtige Stück Software ins Haus stehen. Doch lohnt die Anschaffung des Action-Rollenspiels oder wird nur ein weiteres Mal solide Hausmannskost geboten?

Screenshot: Dungeon Siege 3Entwickler und Publisher Square Enix bietet eine immer größere Vielfalt an Videospielen. Das liegt natürlich auch am Kauf von Eidos, was der Firma zu zahlreichen neuen Franchises verholfen hat. Auf der anderen Seite vertreibt Square Enix aber auch immer häufiger Titel von externen Entwicklerstudios. Die Wurzeln liegen aber ganz klar im Rollenspielsektor. Das beweist auch Dungeon Siege 3, was zwar von Obisidian Entertainment entwickelt wurde, aber dafür nicht weniger gewohnte RPG-Elemente zu bieten hat. Zuletzt konnten die Mannen bereits mit der Umsetzung von Fallout: New Vegas punkten, was in Hinblick auf Dungeon Siege 3 schon mal recht positiv klingt.

Der erste Teil der Reihe kam bereits 2002 in die Händlerregale. Während es damals nur auf dem PC zur Sache ging, können nun auch Freunde der stationären Unterhaltungssysteme ihre Finger in die blutige Schnetzel-Action eintauchen lassen. Die Vorgänger kamen bei den Genre-Vertretern gut an, weshalb die Erwartungen unter den Fans entsprechend groß waren. Was die Story betrifft, darf man jedoch keine ausgeprägten Höhenflüge erwarten. Man nehme ein wenig Zorn, da noch eine kleine Verschwörung und natürlich jede Menge fiese Oberschurken, die einem das Leben auf ungerechte Art und Weise so richtig schwer machen – tja, und schon ist das Rezept fertig, mit dem der Plot von Dungeon Siege 3 zusammengekocht wurde. Keineswegs schlecht, aber halt auch eben nichts, was man im Bereich des Fantasy-Genres noch nicht gesehen hat.

Screenshot: Dungeon Siege 3Daher bleibt die Story, die den Spieler in das Königreich mit dem kurzen aber verheißungsvollen Namen Ehb führt, auf einem grundsoliden Level. Dabei dreht sich alles um die so genannte 10. Legion, die in vergangenen Tagen für alles Gute in dem Land stand. Kein Wunder, denn diese Mannen haben Ehb schließlich aufgebaut und dem Volk die gute Seite des Lebens näher gebracht. Klingt soweit recht rosig, doch so bleibt es natürlich nicht. Die fiese Kämpferin Jeyne Kassynder hat das Volk dazu gebracht, sich gegen die 10. Legion aufzulehnen. Das hat natürlich nur mit gemeinen Lügen und Hasstiraden geklappt, was zu vielen Toden innerhalb der Legion geführt hat. Der Spieler hat diese Attentate zum Glück überlebt und ist daher ein wichtiger Teil der nun geringen Anhängerschaft. Nun gilt es natürlich das Unterfangen zu bewältigen, Jeyne Kassynder ordentlich abzufertigen und das Land zu den einst sonnigen Tagen zurückzuführen.

Die Grundhandlung ist zwar vorgegeben, kann aber von Durchgang zu Durchgang variieren. Das liegt zunächst an den zahlreichen Dialogen, die der Spieler im Laufe der Zeit durchlaufen muss. Genau wie in einer gut funktionierenden Beziehung kommt es auch bei Dungeon Siege 3 auf viel reden an. Dazu hat man stets mehrere Auswahlmöglichkeiten bereit und kann die Geschichte damit ein wenig lenken. So haben manche Entscheidungen Auswirkungen auf den weiteren Verlauf. Dabei darf allerdings nicht allzu viel erwartet werden – die Grundidee ist allerding schon mal recht gut. Ein weiterer Aspekt, der die Geschichte in andere Bahnen lenkt, besteht in der Auswahl des Charakters. Es wird nämlich nicht nur ein einzelner Protagonist geboten, mit dem man das Abenteuer bestreiten kann. So hat jeder Spieler die Möglichkeit, zwischen vier Figuren zu wählen. Welcher Charakter nun am besten erscheint, hängt an dieser Stelle vor allem von den spielerischen Vorlieben ab. Möchte man sich lieber mit dem Schwert in das Schlachtengetümmel werfen, wird sich Lucas wohl am ehesten eignen. Wer es dagegen präferiert, seine Angriffe aus der Ferne zu koordinieren, wird möglicherweise bei Katarina am besten aufgehoben sein. Egal welche Wahl getroffen wird, fest steht: Alle Charaktere spielen sich durchaus unterschiedlich, bieten andere Fähigkeiten und bringen somit sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich.

Screenshot: Dungeon Siege 3Fähigkeiten ist hier übrigens ein gutes Stichwort, was bei Dungeon Siege 3 definitiv nicht zu kurz kommt. Die Individualisierung des eigenen Charakters wird durch die stufenweise Aufwertung gewährleistet. Wie es im Rollenspielsektor üblich ist, bekommt der Held auch in diesem Titel für gewonnene Kämpfe und abgeschlossene Aufgaben Erfahrungspunkte. Damit kann man je nach Rang neue Fähigkeiten erwerben, die dann mit den zusätzlichen Fertigkeiten noch verbessert werden. Soll eine Eigenschaft eher defensiv angehaucht sein, kann eine neu erlernte Fertigkeit hier die passende Richtung einschlagen. Abgesehen von diesen beiden Attributen werden dem Spieler zudem noch weitere Talente zum Aneignen geboten, die abermals beispielsweise mehr Mut oder Ausdauer mit sich bringen. Es besteht damit ein recht großer Einfluss auf die Entwicklung. Zwar braucht es schon ein wenig Zeit, bis man sich in das System einfindet, aber dank zahlreicher Hilfestellungen vom Spiel geht eigentlich alles recht gut voran.

Der Spieler verfolgt das Geschehen aus der Vogelansicht, kann aber auch per Knopfdruck in eine nähere Perspektive wechseln. Dieser Tausch kann hin und wieder von Vorteil sein, um die Übersicht bei den Kämpfen zu wahren. Gerade bei größeren Gemengen sorgt das Effektgewitter von verschiedenen Angriffen zum Teil zwar für ein reges Augenspektakel, führt aber auch häufig dazu, dass der Überblick verloren gehen kann. Dies ist natürlich schade, denn die Schnetzelorgien sind das, womit man wohl die meiste Zeit im Spielverlauf verbringt. Natürlich hat man stets unterschiedliche Aufgaben und begibt sich dabei von einem zum anderen Punkt durch Wälder, Schlösser und andere Umgebungen. Hier und da hilft man selbstverständlich beim Wiederaufbau des Landes und all solche gewohnten Dinge halt – letztlich ist aber alles mit kämpferischen Handgemengen verstrickt. Negativ ist das nicht, denn dank des recht knackigen Schwierigkeitsgrads ist man stets bei der Sache und hat zu jederzeit mehr als gut zu tun, um die Feinde ins Jenseits zu befördern. Dabei werden schwere und leichtere Angriffe geboten, die gemeinsam mit den immer wieder veränderten Fähigkeiten genügend Abwechslung in die Schlacht bringen.

Screenshot: Dungeon Siege 3So ein Kampf macht mit weiteren Freunden natürlich ein wenig mehr Spaß. Online dürfen insgesamt vier Mitstreiter am Geschehen teilnehmen. Wer nur lokal spielen möchte, kann mit lediglich einem weiteren Zeitgenossen vorlieb nehmen. Theoretisch ganz gut, in der Praxis aber nicht völlig ausgereift. Zurückzuführen ist das auf die verhunzte Kamera im Mehrspielerpart. Die vier Gefährten teilen sich gemeinsam einen Bildschirm, wodurch es teils zu ungewollten Kamerabewegungen kommt. Das ist nervig und stört den Spielfluss in einer Multiplayer-Partie enorm. Die Präsentation von Dungeon Siege 3 zeigt sich im Übrigen durchwachsen. Der akkutische Teil hebt sich dabei positiv vom Rest ab. Die deutsche Synchronisation bietet hier eine vergleichsweise gute Leistung. Die Sprecher wirken motiviert und haben allesamt letztlich eine ausgewogene Arbeit geleistet. Die Hintergrundmusik kann ebenso mit seinen epischen Schlachten-Melodien gefallen finden. Optisch hingegen wirkt das gesamte Spiel eher lieblos. Überall fehlt es an Details, sodass letztlich ein relativ trister Eindruck von der Spielwelt verbleibt.

Fazit:
Dungeon Siege 3 hat mich ehrlich gesagt nicht ganz vom Hocker gerissen. Zugegeben: Das ist natürlich auch nicht so einfach. Trotzdem macht der Titel seine Arbeit gut und liefert eine ausgewogene Qualität ab, die auf einem soliden Niveau verbleibt. Spannende und anspruchsvolle Kämpfe und ein detailreiches Entwicklungssystem zeigen die Stärken von Dungeon Siege 3 ganz klar auf. Diese Leistungsfähigkeiten hätte ich mir aber vor allem auch im Mehrspielerpart gewünscht, denn ein Titel dieser Gattung kann gerade beim kooperativen Spiel punkten. Diese Rechnung geht hier jedoch leider nicht auf, da die fehlende Ausgereiftheit und die nervige Kamera jeden Spaß trüben. Wer aber ohne zu hohe Erwartungen an ein Action-Rollenspiel herangehen will, wird bei Dungeon Siege 3 sicherlich nicht enttäuscht werden. – Daniel Dyba

Wertung: 7 / 10

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