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16. 10. 2010

Testbericht: Enslaved - Odyssey to the West

Mit Heavenly Sword lieferten die Jungs von Ninja Theory zum Start der Playstation 3 einen beachtlichen Actiontitel ab, welcher gerade bei der Geschichte viele Punkte sammeln konnte, jedoch auch einige spielerische Macken mit sich brachte. Ob das Studio aus den Fehlern gelernt hat und mit Enslaved – Odyssey to the West jetzt wohl ein echtes Meisterwerk abgeliefert hat?

EnslavedDa bereits das vorherige Werk der Entwickler mit einer starken Geschichte auftrumpfen konnte, wollen wir zunächst mal auf die Erzählung aus Enslaved eingehen. Angesiedelt ist der Titel nach einem vernichtenden Krieg. Die Welt liegt am Boden, die Städte sind schon wieder zugewuchert. Doch eine Ende der Pein ist noch lange nicht in Sicht. Mechs regieren das Land, Sklavenschiffe transportieren die letzten Menschen zu einem unbekannten Ort und irgendwie ist die Welt noch mehr am Sack, als jemals zuvor. Mitten in dieser Welt schlüpft der Spieler in die Haut von Monkey, der gerade an Bord eines solchen Sklavenschiffes ist. Mit ihm an Bord: Die schöne Trip. Beide können fliehen, wobei die Flucht bereits vom Spieler in einer Art Tutorial gespielt werden darf.

Die Flucht gelingt, doch die Reise nimmt hier erst ihren Anfang. Trip will zurück zu ihrem Volk, ihrem Vater. Und so machen sich das ungleiche Pärchen auf den Weg und wird auf der Tour noch viele Abenteuer erleben. So simpel die Geschichte auch klingen mag, so herzergreifend ist sie erzählt. Enslaved glänzt in dieser Disziplin wie kaum ein anderes Spiel dieser Tage. Selbst die integrierte Liebesgeschichte wirkt zu keinem Zeitpunkt überstrapaziert oder gar kitischig. Was das Erzählen angeht, so darf man den Entwicklern in jedem Falle ein positives Zeugnis ausstellen.

Wie bereits erwähnt, sind Monkey und Trip ein relativ ungleiches Pärchen. Er ist ein Bulle von Mann. Mit Muskeln gespickt, auf rohe Gewalt ausgelegt. Sein Spitzname spricht für sich selbst: Er springt, klettert und hüpft durch die bunte Welt wie ein Weltmeister. Er ist zwar nicht dumm, wirkt sogar relativ schlau, hat von Technik selbst aber keinerlei Ahnung. Immerhin: Er kann Technik in Form von Mechs zum Schweigen bringen. Trip dagegen ist mehr die Computerhackerin. Und sie ist leicht verletzlich, ist nicht ganz so agil. Er ist also die Muskelkraft, während sie das Hirn darstellt.

Da der Spieler nur Monkey kontrolliert, muss er auch immer ein Auge auf Trip werfen. Nicht, dass mit einem Schlag einige Mechs ankommen und sie umkreisen. Die Kämpfe gegen die Stahlmonster sind dabei relativ simpel gehalten, bringen aber immer wieder Spaß ins Geschehen. Die meiste Zeit aber verbringt man mit wildem Geturne. Abgründe wollen überwunden und gigantische Bauwerke erklettert werden. Wirklich herausfordernd sind diese Einlagen nur in den seltensten Fällen, da man eigentlich rein gar nichts verkehrt machen kann. Schlimm ist das jedoch nicht. Dieser Umstand sorgt für einen kontinuierlichen Spielfluss und erinnert ein wenig an den Comicableger der Prince of Persia-Reihe, welcher ebenfalls leicht zu durchlaufen war. Es ist wirklich faszinierend: Obwohl das Klettern keinerlei Schwierigkeiten bereitet, macht es Laune, durch die Welt zu turnen. Allerdings: Wirklich viel Abwechslung gibt es in dieser Hinsicht nicht. Auch die Kämpfe gegen die zahlreichen Zwischenbosse sind nur bedingt abwechslungsreich gehalten. Allgemein gilt, dass es bei den Gegnern so etwas wie Vielfalt nicht gibt.

Die Welt dagegen könnte kaum vielfältiger sein. Es gibt zerfallene Städte, Hochhauslandschaften, welche kaum noch stabil wirken, triste Wüsten, verkommene Schrottplätze und weite, grüne, saftige Landschaften. Und das Beste ist: Die Umgebung sieht auch noch gut aus, der Unreal Engine 3.0 sei Dank. Denn auf die setzt Enslaved. Toll sehen derweil auch die Animationen aus und die Effekte sind ebenfalls gelungen. Das große Aber: Nicht alle Texturen sind wirklich gelungen, oft kommt es zu Nachladern, was durchaus hässlich aussehen kann. Das starke Kantenflimmern fällt ebenfalls negativ auf. Bei der Vertonung wurden passende Sprecher gewählt, welche gerade in den beeindruckenden Zwischensequenzen ihre Stärke beweisen können. Die Kommentare während der reellen Spielzeit jedoch nerven schon nach kurzer Zeit. Gerade Trip versteht es bestens, so manches Trommelfell in Mitleidenschaft zu ziehen.

Und sonst? Sonst gibt es noch die ein oder andere positive oder negative Seite von Enslaved zu erwähnen. Wir beschränken uns an dieser Stelle jedoch auf zwei Faktoren. So ist es im Spiel möglich, Monkeys Fähigkeiten zu verbessern. Das geschieht mit sogenannten Tech-Orbs, die es aber zu sammeln gilt, was dummerweise völlig unnötig in das Spiel integriert wurde. Das Suchen nach den roten Leuchtkugeln macht nicht wirklich Spaß und nervt auf Dauer nur. Ein automatisches Aufstiegssystem wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Positiv sei dagegen das Ende des Spiels erwähnt. Denn das hat es in sich und besticht durch seinen Überraschungsmoment. Es zählt mit zu den Besten, die wir in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen haben.

Fazit:
Enslaved ist definitiv eines der besten Konsolenspiele, welche zur Zeit auf dem Markt sind. Wer Spaß haben möchte, der darf ohne Bedenken zugreifen. Es ist noch lange nicht perfekt und eine höhere Wertung können wir an dieser Stelle auch nicht vergeben, denn dafür hat der Titel zu viele Macken. Egal ob mangelnde Abwechslung beim Gameplay, nervige Soundkommentare oder aber mangelnde Herausforderung: Die Liste ist nicht gerade kurz, wird von den positiven Seiten aber zum Glück mehr als nur aufgewogen. Allein die Geschichte entschädigt für die meisten Kritikpunkte mehr als genug, sodass wir euch das Spiel in jedem Falle empfehlen können. Michael Hoss

Wertung: 8 / 10


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