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15. 02. 2008

Testbericht: Eternal Sonata

Freunde der klassischen Musik kennen bestimmt den talentierten Frederic Chopin, der mit seiner Musik zu seiner Zeit für Begeisterung gesorgt hat. Eternal Sonata zeigt den Komponisten auf eine völlig neue Art und Weise.

Screenshot: Eternal SonataDer Anfang des Spiels zeigt euch eine wunderschöne Blumenwiese, durch die ein Mädchen mit seiner Mutter spazieren geht. Wie ihr erfahrt, ist ihr Name Polka. Sie lebt im malerischen Dorf Tenuto und hat ein Problem: Sie kann Magie wirken! Nicht schlimm, denkt ihr? Doch, denn in der Welt von Eternal Sonata muss jeder in jungen Jahren sterben, der Magie wirken kann. Als Polka eines Tages in die große Stadt Ritardando geht, um das von ihr und ihrer Mutter hergestellte Blütenpulver zu verkaufen, wird sie von zwei Jungen bemerkt. Diese zwei sind Allegretto und Beat, Diebe aus Ritardando. Polka tut ihnen leid, weil ihr Blütenpulver als Arznei keinen Absatz findet. Alle wollen nur das niedriger besteuerte Mineralpulver kaufen, das aber unerwünschte Nebenwirkungen hat, wie man später im Spiel herausfindet.

Nachts trifft Polka den mysteriösen Frederic Chopin, der ihr erzählt, dass die ganze Welt um sie herum seinem Traum entspringt, da er in Paris im Koma liegt. Er schließt sich Polka an, die den Herrscher des Landes um eine Steuersenkung für Blütenpulver bitten möchte. Wie es der Zufall will, sind Allegretto und Beat auch auf dem Weg in die Stadt, um eine Steuersenkung für Lebensmittel zu erwirken. Natürlich treffen sich die vier auf dem Weg und ziehen ab sofort gemeinsam durch die Lande.

Screenshot: Eternal SonataAber natürlich sind sie auf ihrer Reise nicht alleine: Haufenweise Monster warten auf sie, die in rundenbasierten Kämpfen besiegt werden müssen. Das Geschehen wechselt bei jedem Feindkontakt in einen Kampfbildschirm. Der Spieler gibt jedoch nicht in „Final Fantasy“-Manier über ein Menü Befehle, sondern muss selbst aktiv werden. Das bedeutet, dass er selbstständig seine Figuren zu den Gegnern steuert und sie durch mehrmaliges drücken der „A“-Taste attackieren muss. Hierzu hat jede Figur eine Zeitleiste, die anfangs noch 5 Sekunden zählt. Der Timer zählt auf null herunter, sobald die Figur bewegt wird: In dieser Zeit muss dem Gegner so viel Schaden wie möglich zugefügt werden. Dies geht entweder mit normalen Schlägen oder über Spezialattacken. Letztere könnt ihr zwar jederzeit auf dem „X“-Knopf ausführen, sie sind aber nur richtig wirkungsvoll, wenn eure Komboleiste gefüllt ist, die sich wiederum mit jeder normalen Attacke füllt. Spezialattacken werden stärker, je mehr Attacken ihr ausführt. Allerdings geht die Kombo-Anzeige wieder auf Null, sobald ihr eine Spezialattacke benutzt. So könnt ihr zum Beispiel mit zwei Charakteren normale Schläge ausführen, um die Komboleiste auf ihr Maximum zu bringen: Danach dürft ihr mit eurem dritten Mann eine Vielfach stärkere Spezialattacke ausführen. So müsst ihr taktisch vorgehen, um maximalen Schaden anzurichten. Auch müsst ihr darauf achten, ob euer Charakter im Licht oder im Schatten steht, denn je nachdem wechseln seine Spezialangriffe. So kann Polka beispielsweise heilen, wenn sie im Licht steht und lässt im Schatten einen mächtigen Schattenkomet auf ihren Gegner niederstürzen. Wenn die Gegner attackieren, müsst ihr per „B“-Knopf blocken. Items können per „Y“-Taste auch während des Kampfes benutzt werden. Das Kampfsystem ist über jeden Zweifel erhaben und wird in den ganzen 30 Stunden Spielzeit nicht langweilig. Das liegt unter anderem daran, dass es im Laufe des Spiels erschwert wird: So läuft im späteren Verlauf schon die Zeitleiste, bevor man losläuft oder die Zugzeit wird um eine Sekunde verkürzt.

Screenshot: Eternal SonataAber so gut und einfallsreich die Kämpfe auch sind, so linear ist der Spielablauf. Man kommt irgendwo an, bekommt einen Tipp, wohin man als nächstes gehen müsst und läuft dann meistens Pfade ohne Abzweigungen entlang, findet ein paar Schätze auf dem Weg und wenn man ankommt, folgt eine Zwischensequenz. Diese sind durch die malerischen Landschaften des Spiels herrlich anzuschauen, die Dialoge fallen allerdings etwas ab. Hier werden end- und oft auch sinnlose Dialoge über das Leben oder auch Politik gehalten. Sie sind zu allem Überfluss auch noch so lang, dass ihr zwischendurch getrost auf die Toilette gehen könnt, ohne etwas zu verpassen. Geschichtlich interessierte Spieler sollten aber trotzdem dranbleiben: Zwischen den Kapiteln werden nämlich plötzlich Kompositionen von Frederic Chopin angestimmt. Man bekommt wunderschöne Aufnahmen europäischer Städte zu sehen, während in Textform erklärt wird, wie Chopin damals gelebt und woher er die Inspiration zu seinen Werken genommen hat.

Allgemein hat Eternal Sonata sehr viel mit Musik zu tun. Logisch, wenn man bedenkt, dass sich die das Spiel im Kopf von Chopin abspielt. Alle Charaktere und Städte haben Namen, die entweder aus der Musiklehre oder aus Chopins Werken entnommen sind. Ihr könnt auch Notenblätter, so genannte Partituren, einsammeln. Manche Nichtspielercharaktere besitzen ebenfalls Partituren. Wenn man sie anspricht, kann man mit ihnen musizieren. Dazu wählt man eins der gesammelten Notenblätter aus: Wenn es gut zu der vom NPC gespielten Melodie passt, erhält man wertvolle Gegenstände.

Fazit

Als ich Eternal Sonata zum ersten Mal in meine Xbox 360 schob, dachte ich nur: „Wow, was für eine Atmosphäre“. Nachdem ich mich in das Kampfsystem eingearbeitet hatte, wurde ich durch das Spiel vollends in den Bann gezogen. Aber leider musste ich feststellen, dass Eternal Sonata oft mehr Schein als sein ist. Nachdem man sich an der Landschaft sattgesehen hat, sind die Aufgaben eher eintönig: Lauft einen Weg entlang bis zum nächsten Ziel. Nebenquests sind Fehlanzeige. Wenn die Entwickler etwas mehr Zeit damit verbracht hätten, das Spiel etwas weniger linear zu gestalten, wäre es ein echter Überflieger geworden. So ist es „nur“ ein sehr gutes Rollenspiel, dass sich jeder Japan-Fan zulegen sollte. Benjamin Dross

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