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17. 06. 2011

Testbericht: Feary - Legends of Avalon

Äxte, Schwerter, Zaubersprüche – all das schleudern Barbaren, Zauberer und Paladine ihren Feinden normalerweise in Fantasy-Rollenspielen entgegen. Das Blut läuft Strömen an der Rüstung herunter, das Schwert schneiden sich weiter durch die nie enden wollende Masse an Gegner.

Screenshot: Feary: Legends of AvalonSo etwas kann jedes Spiel. Was wäre aber, wenn man den Helden einfach mal durch eine Elfe ersetzt, Wendy statt Peter Pan? Diesem Weg folgen die Entwickler des französischen Entwicklerstudios Spider, die schon für ihren, sagen wir, anderen Blick auf die Rollenspielwelt bekannt sind. Deutlich unter Beweis haben sie das schon mit ihrem Erstlingswerk Silverfall gezeigt. Dort konnte man auch mal als Oma mit der Bratpfanne auf die Monster eindreschen. Schon damals brachte der Comiclook etwas Abwechslung in das Rollenspielgenre.

Und auch in ihrem neusten Werk Feary: Legends of Avalon flattert man als Elfe mit einer Comic-Umrandung durch das Fantasy-Reich. Bei der Charaktererstellung geht Feary wieder einen klassischen Weg – zumindest zu Beginn. Wie gewohnt passt man seine Fee seinen Bedürfnissen an und geht dabei auch ordentlich ins Detail. Alleine bei der Auswahl der Feen-Farbe tobt man sich mit den Sättigungs-, Kontrast- und Helligkeitswerten so lange aus, bis man vor dem Bildschirm vor lauter bunten Farbspielereien nicht mehr klar sehen kann. Und auch sonst verliert man sich in den Details der Charaktererstellung: Wie breit soll der Mund sein? Was ist mit den Wangenknochen? Spielwiese ist hierbei leider nur das Gesicht, die Körperproportionen kann man nicht verändert. Also keine Hummel-Feen am Himmel… Ach ja, Feen müssen nicht zwangsläufig weiblich sein, selbstverständlich ist es auch möglich, seinen eigenen Feen-Kerl zu basteln.

Screenshot: Feary: Legends of AvalonDie Geschichte der kleinen Fee beginnt auf der Märcheninsel Avalon. Im Verlauf der Handlung wird man die Fee noch in drei weitere Gebiete führen. Jahrhundertelang verbrachte die kleine Fee auf der Märcheninsel ihre Zeit in einem Kristall ab. Erst Oberon, König der Märcheninsel, kann sie aus ihrem Schlaf erwecken. Er braucht ihre Hilfe, denn die Magie der Insel nimmt immer weiter ab. Dadurch kommt die ganze Welt von Feary ins Trudeln. Früher lebten Menschen und Fabelwesen in Feary friedlich zusammen, doch die Menschen verloren ihren Glauben an die Märchenwelt. Deshalb zog sich Oberon mit seinen Fabelwesen in die Randgebiete der Märchenwelt zurück.

Und da muss es ziemlich trist zu gehen, jedenfalls wenn man sich die Texturen der Landschaft anschaut. Matschig und grau, ohne viel Details erstreckt sich die Landschaft vor dem Spieler. Dies kann zwar noch bis zu einem gewissen Grad vom Comic-Look gerettet werden, auf Dauer wirkt es aber eintönig. Das ist gerade deshalb schade, weil die Figuren von Feary unglaublich überraschend und unterhaltsam sind. Scheinbar hat man mehr Zeit in die Charaktere investiert, als in die Landschaft. Oberon mit seinem Geweih auf dem Schädel, die anderen Elfen mit ihrer zierlichen Eleganz oder fiese Gnome, sie alle wirken durchaus überzeugend und passen in die Märchenwelt.

Screenshot: Feary: Legends of AvalonUnd das offenbar zu gut, denn so wunderbar detailliert und sorgfältig ausgearbeitet die Charaktere auch sein mögen, man bekommt einfach zu oft die gleichen zu sehen. So tragen die Figuren zwar unterschiedliche Namen, aber sonst unterscheidet sich wenig von ihren Artgenossen. Hier verschenkt Spider viel Potential.

Steuern lässt sich Feary sehr einfach mit Maus und Tastatur. Man fühlt sich zu Beginn beinahe wie in einem Elfen-Flugsimulator: Man zeigt mit der Maus in eine Richtung und beschleunigt oder bremst mit den Vorwärts/Rückwärts-Tasten. Einfach, simple und effektiv. Per Umschalt-Taste erhält man Extra-Speed und mit dem Mausrad bestimmt man die Höhe.
Allerdings verschenkt man auch hier viel Potential. Eigentlich lädt das Herumfliegen ja zum Entdecken und Erforschen ein, es gibt nur leider nicht viel zu sehen. Ein paar Questgeber, einige Gegner und noch etwas Umgebung darum herum - das Fliegen wird schnell zum Zweck und man stellt jeglichen Forscherdrang doch recht schnell wieder ein.

Alleine fliegt man sowieso selten durch die Märchenwelt, zwei Kumpel sind immer mit dabei. Wie in Mass Effect darf man sich diese aus seinem stetig wachsenden Helfer-Pool aussuchen. Hier ist es wichtig, auf die Stärken und Schwächen seiner Mitstreiter zu achten. Kommt es einmal zu einem Kampf, wechselt das Spiel in den Runden-Modus. Jeder Kämpfer darf einmal pro Runde angreifen oder eine andere Aktion durchführen. So lassen sich geschwächte Helden mit einem Heiltrank wieder aufpäppeln.

Die Gegner reagieren unterschiedlich auf die verschiedenen Attacken. Manche fallen schon beim kleinsten Feueratem um, andere zeigen sich resistent gegen Elektro-Angriffen. Es ist deshalb wichtig, sich schon vorher zu überlegen, mit welchen Einheiten man in den Kampf zieht. Leider sind die Kämpfe deutlich zu einfach geraten und meist ist schnell klar, wer gewinnt. Das macht die Kämpfe nur leider nicht schneller, denn man muss sich jeden Move des Gegners bis zum Ende ansehen. Überspringen ist nicht drin.Nach jedem Kampf gibt es genretypisch Erfahrungspunkte. Hat man genug davon gesammelt, geht es ein Level nach oben und Fertigkeiten werden verbessert.

Beim Dialogsystem hat sich Spider ebenfalls von Mass Effect inspirieren lassen. Wie im grandiosen Rollenspiel sieht man auch in Feary nicht die kompletten Sätze, sondern hat nur Stichpunkte zur Auswahl. Statt "Warum hab ich eigentlich so lange in meinem Kristall geschlafen" steht im Dialogsystem nur "Tiefschlaf?" zur Auswahl. Das macht es einfacher und zeigt sofort, was man eigentlich mit langen Sätzen sagen will.

Screenshot: Feary: Legends of AvalonMoment, sagen? Leider fehlt dem Spiel komplett die Sprachausgabe. Bis auf ein wenig Hintergrundgedudel (die zugegeben eigentlich ziemlich gut ist und immer passend einsetzt) und ein paar Kampf-, Flug- und Umgebungsgeräusche ist es verdammt still in der Welt. Das ist deshalb besonders schade, da die Welten an sich recht stimmig sind und durch ihre eigene Art von Design und Setting trotz Matsch-Texturen überzeugen. In Feary sind viele Probleme auch ohne Kämpfe zu lösen. So hilft man dem kranken Baum Yggdrasil komplett ohne selbst die Faust zu heben. Allerdings krankt hier die Spielmechanik: Viel denken muss man für die Rettung des Baumes nicht, es reicht alle NPCs einmal anzusprechen.

Die Reise der kleinen Fee führt den Spieler in knapp acht Stunden von Avalon über Yggdrasil zu einem Geisterschiff. Wirklich cool ist aber die "Stadt der Illusionen". Diese wird von einem gigantischen Skarabäus (nur ein schöneres Wort für Mistkäfer) durch die Wüste getragen.

Fazit:
Für den normalen Rollenspieler ist Feary: Legends of Avalon sicher nichts. Wer allerdings abseits der ausgetretenen Pfade eines Gothic oder eben eines Mass Effect mal etwas Abwechslung sucht, der wird mit Feary: Legends of Avalon seinen Spaß haben. Grafisch ist es leider kein großer Fang. Dafür bekommt man einen Haufen ungewöhnlicher Figuren zu sehen. Auch die Handlungsorte unterscheiden sich vom Genre-Standard. Gerade die "Stadt der Illusionen" ist zur Abwechslung mal etwas komplett Neues. Kurz gesagt: Wer nicht unbedingt Wert auf Sprachausgabe legte und etwas Geduld mitbringt, bekommt mit Feary ein abwechslungsreiches und durchaus unterhaltsames Rollenspiel zu sehen. - Florian Budnik

Wertung 7 / 10

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