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25. 05. 2007

Testbericht: God of War II

Kratos ist zurück und bereitet allen Jugendschützern schlaflose Nächte. Der ruppige Grieche lässt nämlich auch im zweiten Teil wieder vornehmlich die Klingen sprechen und geht dabei nicht gerade zimperlich zur Sache. Dabei hat es der neue Kriegsgott gar nicht nötig, sich mit übermäßiger Gewalt hervorzutun: Die spielerischen Qualitäten sind Grund genug, mal wieder die betagte Playstation 2 zu füttern. Warum God of War 2 viel mehr ist als ein laues Schlaflied für Sonys alten Wunderkasten, erfahren Sie in unserem Test.

Screenshot: God of War 2Was ist das größte Problem, wenn man den ganzen Tag auf dem Olymp herumhängt: Genau, die Langeweile. Nachdem unser Held Kratos sich im grandiosen Vorgänger durch halb Griechenland gemetzelt hat, um am Ende den Kriegsgott Ares gewaltsam seines Amtes zu entheben, hat er es sich auf dem Thron des verblichenen Rivalen gemütlich gemacht. Doch statt sich den ganzen Tag mit Wein, Weib und Gesang bei Laune zu halten, wird er immer wieder von seiner brutalen Vergangenheit seelisch gepeinigt. Um sich ein wenig abzulenken macht er das, was Kriegsgötter am besten können: Er führt Krieg. Eine griechische Stadt nach der anderen fällt seinem Zorn zum Opfer, sehr zum Missfallen der anderen Gottheiten. Als Kratos schließlich höchstpersönlich auf die Erde hinabsteigt, um bei der Eroberung von Rhodos zu helfen, locken ihn Zeus und Athene in eine Falle. Mit Hilfe einer List rauben Sie ihm seine göttlichen Kräfte und verwandeln ihn zurück in einen Sterblichen. Das kann der wütende Spartaner natürlich nicht auf sich sitzen lassen, und so führen wir erneut einen blutigen Rachefeldzug gegen die Götter, der uns Geschichtsunterricht der ganz anderen Art bietet.

Die Geschichte um Götter, alte Griechen und antike Fabelwesen mag Geschmackssache sein, eins ist aber sicher: Die Story von God of War 2 ist wieder absolut brillant erzählt und sorgt für ausreichend Motivation, um das Spiel an einem Stück durchzuspielen. Ständig bekommt Kratos neue Aufgabe gestellt und wird Prüfungen unterzogen, ständig gibt es dramatische Wendungen zu bestaunen. Dabei trifft man immer wieder auf bekannte Gesichter: Egal ob Ikarus, das geflügelte Pferd Pegasus oder der Titan Atlas, viele Figuren aus antiken Erzählungen wurden in die Geschichte eingebunden und sorgen für die „Aha“-Effekte.

Screenshot: God of War 2Spielerisch hat sich God of War 2 nur marginal im Vergleich zum Vorgänger geändert. Immer noch gilt es, das Pad mit wilden Hack `n` Slay-Einlagen zum Glühen zu bringen. Auf seinem Weg zum Olymp nutzt Kratos vor allem seine bekannten Chaosklingen, die ihm mit Ketten an den Arm geschmiedet wurden. Wild wirbelnd tritt er so gegen allerlei Ungetüme an: Von Minotauren und Zyklopen über Skelette bis hin zu Medusen und Sirenen werfen die Götter alles gegen unseren Helden ins Feld, was die griechische Mythologie hergibt. Zum Glück wächst Kratos an seinen Herausforderungen: Während seiner Streifzüge sammelt er die aus vielen Spielen bekannten Orbs und setzt diese zu seinen Vorteilen ein. So bringen die grünen Kugeln frische Energie, blaue Orbs erlauben den Einsatz göttlicher Kräfte (die Kratos im Laufe des Spiels nach und nach wiedererlangt), während die gelben die Macht der Titanen aufladen. Leuchtet das Helmsymbol in der Ecke des Bildschirms, wird diese auf Knopfdruck freigesetzt und sorgt eine Zeit lang für zusätzlichen Schaden. Ebenfalls wichtig sind die roten Orbs: Mit diesen lassen sich alle erspielten Waffen aufleveln. So werden Kratos Klingen, Schwerter und Hammer nicht nur Stärker, auch neue Spezialbewegungen lassen sich auf diese Weise freischalten. Was God of War 2 von all den anderen Button-Mashern unterscheidet, ist vor allem der gelungene Mix aus Actionsequenzen und Rätseleinlagen. Die grauen Zellen werden nämlich ebenso oft gefordert wie flinke Finger. Ständig gilt es, Schiebe- und Schalterrätsel zu lösen oder tödliche Fallen auszutricksen. Nicht nur Fans von Indiana Jones oder Lara Croft werden sich sofort wohl fühlen. Kenner des ersten Teils haben es sicher bemerkt: God of War 2 erfindet die Serie nicht neu, sondern erzählt mehr die Geschichte des Vorgängers weiter. Dabei wurde lediglich ein Feintuning des alten Gameplays durchgeführt, sodass alles etwas besser „sitzt“. Endlich haben es auch die Elemente ins Spiel geschafft, die bei Teil Eins aus Zeitgründen verworfen wurden: So dürfen sich die Spieler z.B. auf einige Flugeinlagen freuen, nachdem sich Kratos ziemlich unsanft die Flügel von Ikarus unter den Nagel gerissen hat. Auch am Balancing wurde etwas gedreht. Die Checkpoints wurden so fair gesetzt, dass selbst bei den ungeduldigsten Naturen nun keine Frustmomente mehr auftauchen sollten. Außerdem fällt auf, dass nun gerade bei stärkeren Gegnern wesentlich mehr Taktik gefordert ist.

Screenshot: God of War 2Technisch übertrumpft God of War 2 sogar den bereits imposanten Vorgänger. Was die betagte Playstation 2 hier leistet, ist wirklich beeindruckend. Die Bilder sind einfach atemberaubend in Szene gesetzt, die Kamerafahrten einfach genial. Auf jedes kleine Detail wurde geachtet, und die Animationen sind (besonders für ein „Last Gen“-Spiel) butterweich. Begleitet wird das bunte Treiben von einem orchestralen Soundtrack, der mit schmetternden Chören und eingängigen Melodien die Atmosphäre der Szenerie perfekt unterstreicht. Selbst einige Next Gen-Titel können sich vor dieser Präsentation nur ehrfürchtig verbeugen. Dass die Playstation 2 doch schon einige Jahre auf dem Buckel hat merkt man lediglich an seltenen Slowdowns, die aber zum Glück eine Ausnahme bleiben. Leider deutlich häufiger kommt es zu so genanntem Tearing, also Bildzeilenverschiebungen. Besonders in Szenen mit aufwändigen Spiegeleffekten fällt das negativ auf. Den guten Gesamteindruck trüben diese Zeichen von Altersschwäche allerdings nicht.

Fazit

Mit God of War 2 ist den Entwicklern ein geniales Abschiedsgeschenk gelungen, das selbst den Vorgänger noch in den Schatten stellt. Auch wenn das Spiel zugegebenermaßen nicht viel Neues im Vergleich zum ersten Teil bietet, wird es jeden Fan von gepflegter Action garantiert vor den Bildschirm fesseln. Die Technik, die Story, das Gameplay – einfach alles stimmt. Alleine der als Prolog angelegte Kampf gegen den Koloss von Rhodos übertrifft in seiner Inszenierung die meisten Endgegnerkämpfe anderer Spiele bei weitem. Sony liefert hier eines der besten Videospiele ab, die man derzeit kaufen kann. Der neue Kratos nimmt es dabei sogar mühelos mit der umjubelten Next Generation auf. Besser geht es (fast) nicht. Simon Weiß

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