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22. 09. 2010

Testbericht: Halo Reach

Bungie ist im Begriff weiterzuziehen. Mit Halo Reach will sich das Studio mit dem besten Halo aller Zeiten in Dankbarkeit verabschieden, um sich dann neuen Aufgaben zu stellen. Danach dürfen dann die Jungs von 343 Industries ihre Hände an die bekannte Marke legen. Ob sie allerdings die Qualitäten des neusten Werkes jemals erreichen können, das bleibt fraglich.

Screenshot: Halo ReachFür den eigenen Abschluss haben sich die Schöpfer der Reihe von allem verabschiedet, was man bisher gewohnt war. Reach spielt nicht mehr auf der Ringwelt, sondern auf dem gleichnamigen Planeten. Fans der Serie wissen, was das im Klartext bedeutet: Es gibt keinerlei Hoffnung, denn der Planet ist dem Untergang geweiht. Die Covenants, also die Aliens der Halo-Reihe, haben den wichtigen Außenposten der Menschheit vor den Ereignissen in Combat Evolved überrannt, weshalb einige Menschen samt Master Chief überhaupt erst auf die Ringwelt flohen. Hinzu kommt noch das Wissen, dass der Master Chief der letzte überlebende Spartan-Krieger ist, was im Umkehrschluss bedeutet, dass keines der Teammitglieder aus Halo Reach, wo der Spieler ebenfalls ein solcher Kämpfer im Noble-Team, einer Sondereinheit, ist, überleben wird. Vielleicht ist es ja genau dieser Umstand, aus dem der neuste Ableger der Reihe seinen Reiz zieht: Das Wissen, dass das eigene Handeln von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Nicht nur, dass jetzt hin und wieder ein ganzes Team oder zumindest einzelne Mitglieder mit dem Spieler in die Schlacht ziehen, nein, Bungie hat noch verändert. Der Wegfall der Ringwelt bedeutet nämlich auch, dass in Sachen Schauplätze wesentlich mehr geboten wird. Von Anfang an war den Machern klar, dass sie keinen Schauplatz ein zweites Mal im Spiel haben wollten. Sprich: Jeder Abschnitt sollte sein eigenes Aussehen, seinen eigenen Charakter bekommen. Und kaum ein anderes Element ist in Halo Reach besser gelungen: Von der Wüste in die grüne Fauna. Vom Weltraum in das Alienschiff und von unterirdischen Bunkern im Eis bis hin zur großen Stadt New Alexandria. Was Abwechslung angeht, so darf und kann man sich dieses Mal unter gar keinen Umständen beschweren. So viele verschiedene Orte gibt es zu entdecken, was einem sogar, auf Grund der recht kurzen Dauer der Kampagne von knapp neun Stunden, noch einmal mehr vorkommt.

Screenshot: Halo ReachNatürlich wurde auch fleißig am Gameplay gewerkelt. Das war auch dringend nötig, denn die Ereignisse auf Reach finden natürlich vor dem Master Chief statt, sodass viele Techniken gar nicht zur Verfügung stehen können. So ist es dieses Mal nicht möglich, die Covenants zu verstehen, da noch kein Übersetzer gebaut wurde. Schließlich sind die Aliens hier noch eine unbekannte Rasse und gerade auf dem Höhepunkt ihrer Stärke angekommen. Diesmal ist es nicht möglich, herauszuhören, was die Biester gerade am Planen sind. Das hat natürlich Folgen, denn die künstliche Intelligenz ist besser als in allen Vorgängerspielen zusammen. Nicht selten kam es vor, dass wir urplötzlich von einer Gruppe eingekreist wurden, ohne davon auch nur im Geringsten etwas zu ahnen.

Und sonst? Sonst wird geballert wie eh und je. Pausenlos wechselt man die fallen gelassenen Waffen um stets Munitionsnachschub zu haben, überall kracht es, überall explodiert etwas. Es herrscht eben Krieg auf Reach und erstmals ist es den Machern gelungen, tatsächlich auch eine düstere Atmosphäre aufzubauen – und das trotz der kräftigen Farben. Das will etwas heißen. Besonders beeindruckend war auch eine Raumschifftour, wo es im weiten All zur Sache ging. Hier fühlte man sich fast ein wenig an den Klassiker Freelancer erinnert. Und auch ein Helikopterflug in New Alexandria ist einfach nur das Eine: Spaßig und packend.

Halo ReachOptisch bietet Halo Reach ebenfalls das bisher Beste der gesamten Serie. Die Effekte sind schön, ebenso die Animationen. Wirklich begeistern tun aber am Ende die weiten Aussichten, welche man in der Regel immer wieder zu Gesicht bekommt. Standbilder können diese Pracht so gut wie gar nicht wiedergeben.Technisch spielt das Spiel somit in der obersten Liga. Das ist auch beim Sound der Fall: Egal ob Sprachausgabe oder Effekte oder gar Musik: Da wussten Menschen, was sie taten. Gerade die Musik ist eine Ohrenweide. Das merkt man ganz besonders in den pompös in Szene gesetzten Zwischensequenzen.

Beim Mehrspielermodus ist natürlich auch nichts so geblieben wie es war. Einmal mehr ist die zeitliche Ansiedlung der Grund dafür. Übrig geblieben ist ein Mehrspielermodus, welcher sich insgesamt etwas schneller und präziser, ja fast nicht ganz so gekünstelt spielt. Dennoch empfanden wir das Gebotene aus Halo 3 als besser. Immerhin: Dieses Mal gibt es sogar Spielmodi, in denen Rennen gefahren werden dürfen. Bungie hat hier auf die Community gehört, welche schon zuvor mit dem Editor solche Strecken konstruierte. Wo wir schon beim Editor sind: Der ist auch wieder mit dabei und leichter zu bedienen als jemals zuvor, sodass nun selbst Amateure nahezu perfekte Karten gestalten können.

Fazit:
Was ein Abschied! Eines, das muss ich Bungie lassen: Wenn sie etwas wirklich wollen, dann schaffen sie das auch. Und sie wollten sich mit einem Paukenschlag sondergleichen von Halo verabschieden. Genau das ist auch gelungen und lässt mich nun fast ein wenig traurig werden. Warum? Ganz einfach: Halo Reach ist der bisher beste Teil der Serie und der erste, der mir richtig zusagt. Und nun kommt ein anderes Entwicklerstudio und Microsoft kündigte bereits an, jetzt öfter ein Halo veröffentlichen zu wollen. Ob da die Qualität noch mithalten kann? Ich bin mir sicher, dass in einigen Jahren die Menschen sagen werden, dass Reach nach wie vor das beste Halo aller Zeiten ist. Selbst wenn es nicht ganz perfekt ist. - Michael Hoss

Wertung: 9 / 10


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