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15. 03. 2011

Testbericht: Homefront

Mit einer aufwendigen Werbekampagne wurde es schon ausgestattet. Die Vorbestellerzahlen sind auch nicht gerade von schlechten Eltern. Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage offen, ob Homefront den hohen Erwartungen am Ende auch gerecht werden kann. Eine Frage, die wir euch jetzt beantworten wollen.

Die Geschichte ist schon mal gänzlich ab von der Masse. Klar, die USA kommen auch hier wieder vor. Doch sind sie nicht die strahlenden Helden, sondern die geschlagenen Verlierer. Von Nordkorea überrannt, dem Erboden gleichgemacht. Und der Spieler schlüpft in die Haut eines Widerstandskämpfers, welcher sich den verbleibenden Truppen der US-Armee anschließen will. Einziges Problem: So einfach ist das gar nicht, denn die Truppen sind versprengt und die Koreaner gehen mit absoluter Brutalität gegen jeden Aufständischen vor.

So spannend die Grundlage der Geschichte auch sein mag, so schwerfällig kommt Homefront jedoch in die Gänge. Das Intro bildet sogleich einen gewaltigen Höhepunkt. Eine Spannung, welche das Spiel gerade in der ersten Mission nur schwerlich aufrecht erhalten kann. Erst nach und nach wird der Spieler von der Geschichte, von den Aufträgen gepackt. Das ist schon ein wenig ärgerlich, denn prinzipiell hätten wir uns für die gesamte Kampagne die gleiche Spannung gewünscht. Immerhin: Je weiter das Spiel voranschreitet, desto spannender wird es auch.

Zumal auch die Abwechslung konstant gesteigert wird. Ist Homefront zunächst nichts weiter, als ein einfach Shooter, werden später durch aufwendige Skripte nervenaufreibende Szenen geschaffen. Da wird sich unter Leichenbergen versteckt, da wollen Panzer per Fernsteuerung ihre Ziele zugewiesen bekommen und gigantische Mauern wollen gesprengt werden. Auch der Einsatz von Phosphor-Raketen ist nicht gerade ohne. Doch auch hier gibt es einen scharfen Kritikpunkt: Die Skripte mögen zu großen Teilen genial in Szene gesetzt sein, doch am Ende sorgt dies auch dafür, dass Homefront ein streng linearer Shooter ist. Alternativrouten? Fehlanzeige.

Auch besonders lang ist das Spiel nicht. Im Internet kursiert zur Zeit das Gerücht, von einer fünfstündigen Geschichte. Das stimmt so allerdings nicht. Wir brauchten auf einem normalen Schwierigkeitsgrad zwischen sieben und acht Stunden. Allzu lang ist das allerdings auch nicht, zumal das Ende ein wenig abrupt daherkommt.

Und wie ist das Gameplay ausgefallen? Im Solopart erinnert Homefront sehr stark an Titel wie Call of Duty oder Medal of Honor. Das liegt nicht nur an den Skripten und der Linearität, sondern auch an der strunzdummen künstlichen Intelligenz. In Deckung gehen? Das kennen die Koreaner scheinbar nur vom Hörensagen. Meist bringen sie den Spieler nur durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus dem Konzept. Das ist aber auch schon die schwerste Kritik. Denn der Rest wirkt stimmig. Das Waffenhandling ist gelungen, das Leveldesign sogar großartig. Auch die Atmosphäre kann fesseln.

Homefront ist aber nicht nur ein Solospiel. Es wurde ja nicht umsonst von den Kaos Studios entwickelt, welche bereits mit Frontlines: Fuel of War einen reinen Mehrspielershooter im Stil von Battlefield auf die Beine gestellt haben. Doch der neue Titel ist im Onlinepart wesentlich ausgereifter, als sein Quasi-Vorläufer. Warum? Weil der Netzcode durchweg besser ausgefallen ist. Gab es bei Frontlines noch massive Ruckler und Lags, gehört das nun fast der Vergangenheit an. Aber auch nur fast.

Spielmodi gibt es zwei an der Zahl. Zumindest zwei richtige. Ein Team Death Match müssen wir wohl nicht erklären. Ground Control dagegen schon. Hierbei versuchen zwei Teams bestimmte Kontrollpunkte auf einer Karte einzunehmen und zu halten. Gelingt dies über einen gewissen Zeitraum, bekommt das Siegerteam einen Punkt und die Karte wird erweitert. Hier hat dann das Verliererteam kurzzeitig einen Vorteil. Das Team, welches als Erstes zwei Punkte hat, gewinnt. Beide Spielmodi gibt es noch in einem Battle Commander Modus. Hier gibt es dann Killstreaks, wie sie zum Beispiel aus Call of Duty bekannt sind. Erledigt ein Spieler innerhalb einer Lebenszeit mehrere Gegner, stehen ihm also bestimmte Aktionen, wie zum Beispiel ein Luftschlag zur Verfügung.

Angereichert wird das Ganze noch durch sogenannte Battle Points. Das sind quasi Erfahrungspunkte, nur dass sie eben für diese eine Runde gelten. Damit lassen sich dann Zusatzwaffen, fernsteuerbare Kampf- und Spähdrohnen, sowie Panzer und Hubschrauber kaufen. Spielerisch gesehen ist Homefront damit im Mehrspielermodus näher an Battlefield anzusiedeln. Leider gibt es noch nicht allzu viele Karten. Es bleibt zu hoffen, dass hier bald Nachschub kommt. Denn die Karten, die bereits verfügbar sind, die sind wahrlich gelungen.

Bei der technischen Seite kann Homefront ebenfalls zu großen Teilen überzeugen. Bei der Grafik haben die Entwickler auf die mächtige Unreal Enigne 3.0 gesetzt, die für schicke Animationen und spektakuläre Explosionen sorgt. Auch das Licht-System begeistert. Lediglich so manch unscharfe Boden- und Wandtextur stört das Gesamtbild. Bei der Vertonung hat man sich auch alle Mühe gegeben. Die Musik ist stimmig, die Effekte haben Bumms. Nur die deutschen Synchronstimmen sind lediglich in Ordnung. Sie passen schon, doch die englische Sprachausgabe ist einfach eine Ecke besser.

Besonderes Lob verdienen die Macher im Übrigen noch für die ausgefeilte PC-Version. Die hat nämlich einige nette Features zusätzlich. Neben einer aufgebohrten Optik und dedizierten Servern sind es gerade die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten bei der Steuerung, die überzeugen. Da lässt sich das Field of View endlich einmal wieder selbst festlegen. Und auch bei der Maussensibilität können Y- und X-Achse getrennt voneinander bestimmt werden. Daumen hoch dafür!

Fazit:
Homefront ist leider nicht der erwartete Heilsbringer geworden. Versteht uns an dieser Stelle nicht Falsch: Homefront ist ein großartiges Werk. Nur hat es seine Macken. Man denke nur an die ziemlich üble künstliche Intelligenz. Nur um ein Beispiel zu nennen. Aber: Es ist ein würdiger Shooter, der seine Käufer verdient. Hoffentlich kommen noch einige Zusatzinhalte, denn bisher ist der eigentliche Umfang doch ein wenig mager. Trotzdem ist das Geld für Freunde zünftiger Balleraction gut investiert. - Michael Hoss

Wertung: 8 / 10

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