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25. 03. 2011

Testbericht: Kirby und das magische Garn

Als eines der Maskottchen von Nintendo genießt Kirby ein hohes Ansehen bei den Spielern. Ältere Spieler bekommen sofort feuchte Augen, wenn sie an den Serienanfang auf dem Gameboy im Jahre 1992 denken: Kirby's Dream Land war damals eines der besten Jump&Runs für Nintendos Handheld. Nach einigen (mehr oder minder erfolgreichen) Fortsetzungen und Spin-Offs auf sämtlichen Nintendo-Konsolen feiert die kleine rosa Kugel nun endlich sein Debüt auf der Wii und schlägt eine neue Richtung ein.

Nachdem Kirby versehentlich eine magische Tomate isst, wird der vom bösen Magier Grimmgarn in das Stoffland gezogen. Dieses wurde von eben jenem Magier in sieben Teile gerissen. Um die Stoffwelt wieder zu vereinen, zieht Kirby zusammen mit seinem Freund Prinz Plüsch los. In jeder der Welten muss ein Obermotz besiegt werden, um an das namensgebende magische Garn zu gelangen und so die einzelnen Teile von Stoffland zusammen zu nähen. So kindgerecht sich die Geschichte anhört, so kindgerecht wird sie auch erzählt: Die Zwischensequenzen sind wie ein Bilderbuch gestaltet, das eine Älter wirkende männliche Stimme vorliest. Es wirkt als würde Großvater eine Geschichte vorlesen.

Durch die Tatsache, dass Kirby in Das magische Garn nur aus Fäden besteht, hat er nicht mehr seine aus den Vorgängern bekannten Fähigkeiten. So kann er keine Gegner mehr einsaugen und wieder ausspucken. Zur Entsorgung seiner Widersacher benutzt er eine Peitsche, mit der er entweder die Gegner in ihre einzelnen Fäden zerlegen oder sie in einem Wollknäuel mit sich herumtragen und werfen kann. Die Peitsche ist ein echtes Multifunktionsgerät und kann auch zur Manipulation der Umgebung genutzt werden. So näht Kirby an bestimmten Stellen den Hintergrund zusammen, um über Schluchten zu gelangen oder öffnet Reißverschlüsse, um an Objekte im Hintergrund zu gelangen. Der Schwierigkeitsgrad ist hierbei sehr niedrig angesetzt: Geübte Spieler werden kaum ein Problem haben, durch die sieben Welten zu gelangen. Hinzu kommt, dass Kirby nicht sterben kann. Solltet ihr in eine Schlucht fallen, werdet ihr an der letzten sicheren Stelle abgesetzt, trifft euch ein Gegner, verliert der Protagonist lediglich einige der gesammelten Perlen, die ihr aber wie bei den Sonic-Spielen wieder einsammeln könnt.

Ein weiterer Nebeneffekt der magischen Tomate ist, dass sich die kleine rosa Kugel verschiedene Formen annehmen kann: Als Amboss kann er Objekte unter sich zerstören, bei zu hohen Abgründen gleitet er als Fallschirm sanft gen Erde. Wenn ihr zweimal die Richtungstaste nach vorne drückt, verwandelt sich euer Held in ein Auto, um schneller von A nach B zu gelangen. An bestimmten Stellen verwandelt er sich auch in größere Fahrzeuge wie ein UFO oder einen Dünenbuggy, mit denen ihr manche Abschnitte der Levels bestreiten müsst. Jedes dieser Fahrzeuge hat ihr eigenes Kontrollschema, das manchmal auch Gebrauch von der Bewegungssteuerung der Wii macht und spielend leicht erlernt ist. Die neuen Formen sorgen für viel Abwechslung und werden euch das eine oder andere mal überraschen.

Auch für Freunde des kooperativen Spiels ist gesorgt. Auf Wunsch kann sich jederzeit ein zweiter Spieler einklnken und Kirby in der Rolle von Prinz Plüsch unterstützen, wobei „unterstützen“ wahrscheinlich das falsche Wort ist, denn Kirby und das magische Garn wird mit einem Mitspieler tatsächlich schwerer. Wenn ihr nicht genau aufpasst, was euer Freund macht, ist es wahrscheinlicher, dass ihr Sprünge nicht schafft. Außerdem ist es möglich, den eigenen Partner mit der Peitsche zu fangen und auf Gegner zu werfen, was leider oft versehentlich passiert. Während der Testphase ist es uns mehr als einmal passiert, dass wir, statt einem Gegner den jeweiligen Mitspieler gefangen genommen haben. Wenn ihr euch also Nerven sparen wollt, genießt dieses Spiel lieber alleine.

Den Entwicklern muss man ein hohes Maß an Kreativität zusprechen, denn jeder Level bietet euch große oder kleine Überraschungen. Der Stil wird dabei zu jedem Zeitpunkt konsequent beibehalten. Kirby und das magische Garn ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass man heutzutage nicht zwangsweise aufwändige High Definition-Grafik braucht, um ein schönes Spiel auf die Beine zu stellen. Die Welten sprühen vor Details und witziger Einfälle und machen Kirbys neustes Abenteuer zu einem der grafisch schönsten Spiele der derzeitigen Konsolengeneration.

Fazit:
Kirby und das magische Garn ist zweifellos ein beeindruckendes Stück Software. Trotz der begrenzten Leistung der Wii-Hardware schafft es das Spiel, besser auszusehen als die meisten Spiele, die auf einer Playstation 3 oder Xbox 360 laufen. Man merkt zu jedem Zeitpunkt, mit wie viel Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Schade nur, dass die Entwickler nicht an einen Modus für erfahrene Spieler gedacht haben. So ist es zwar eine wahre Freude, die Levels zu erforschen, jedoch werdet ihr außer bei einigen Bosskämpfen keine Herausforderung haben. Trotzdem kann man Kirby und das magische Garn jedem empfehlen, der nach grafisch ausgefallenen Titeln sucht oder einfach nur ein Fan von Nintendos rosa Kugel ist. Alle Profi-Spieler (oder jene, die sich dafür halten) greifen trotzdem lieber zu Donkey Kong Country Returns.

Wertung 8/10

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