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06. 10. 2008

Testbericht: Mercenaries 2: World in Flames

Ein Söldner ist ein Soldat, der für Geld über Leichen geht und die Krisen der Welt schamlos ausnutzt. Pandemic schickt euch ein zweites Mal als eine dieser Hyänen los, um unmoralische Aufträge zu erledigen. Der erste Teil von Mercenaries war ein echter Geheimtipp und bestach durch Gameplay im Stil GTA, jedoch in einem kriegerischen Setting. Ob der zweite Teil ebenso gelungen ist wie der Vorgänger für die erste Xbox, lest ihr hier.

Screenshot: Mercenaries 2: World in FlamesVenezuela ist vom Krieg gebeutelt. Einer der reichsten und einflussreichsten Männer des Landes, Romano Solano, will die Krise ausnutzen, um an die Macht zu kommen. Alles, was er noch für seinen Putsch braucht, ist General Carmona, der auf einer Gefängnisinsel festgehalten wird. Er heuert für den Job einen Söldner an, der Carmona befreien soll. Leider macht Solano den entscheidenden Fehler, den Söldner nach Erledigung des Auftrages nicht zu bezahlen, sondern nutzt seine Machtposition, um die Venezuelanische Armee auf ihn zu hetzen. Der Söldner entkommt knapp und der Rachefeldzug kann beginnen…

Anfangs habt ihr die Wahl zwischen drei verschiedenen Söldnern, die allesamt aus dem Vorgänger bekannt sind und sich spielerisch leicht unterscheiden: Mattias Nilsson regeneriert seine Energie schneller, Chris Jacobs kann mehr Munition bei sich tragen und Jennifer Mui rennt schneller als ihre Söldner-Kollegen. Die Story ändert sich leider mit der Auswahl des Söldners nicht, was einen niedrigen Wiederspielwert nach sich zieht.

Screenshot: Mercenaries 2: World in FlamesZunächst braucht euer Söldner natürlich eine Basis, zu der er zurückkehren kann. So stürmt ihr in einer der ersten Missionen Solanos Villa. Nachdem ihr euch in bester Actionspiel-Manier durch Gegnerhorden geschossen habt, wird die Villa ab sofort als Basis für eure Aktivitäten benutzt. Hier könnt ihr euch künftig umziehen, euch bei eurer Assistentin Herausforderungen abholen, in denen ihr meistens in kleinen Zielübungen Solanos Hab und Gut zerstört. Da eure Assistentin die ganze Zeit im Internet surft, hat sie immer neue Informationen über die verschiedenen Organisationen, die in Venezuela Krieg führen. Davon gibt es insgesamt sechs, wobei euch die venezuelanische Armee immer feindlich gesinnt ist. Für die anderen Organisationen müsst ihr Aufträge erledigen, um in ihrer Gunst zu steigen. Allerdings richten sich die Aufträge oft gegen andere Organisationen. So müsst ihr abwägen, mit welcher Partei ihr euch Gutstellen wollt. Seid ihr nämlich auf Kriegsfuß mit einer Partei, so schießen die Soldaten derselben auf euch, sobald sie euch in der frei begehbaren Welt sehen. Ist euch eine Organisation wohlgesonnen, bieten sie euch immer neue Produkte an, die ihr kaufen könnt. So können beispielsweise Luftangriffe gekauft werden, welche zwar nicht ganz billig sind, euch aber bei schwierigen Missionen enorm helfen können. Am Wegesrand finden sich auch oft Goodies wie Luftangriffe oder Massen von Bargeld. Diese sind zu schwer für den Söldner, deshalb muss er seinen Hubschrauberpiloten aktivieren, der die wertvolle Fracht dann abholt. Der Pilot stößt in einer der ersten Missionen zu euch.

Screenshot: Mercenaries 2: World in FlamesHabt ihr eine Mission angenommen, weist euch das GPS den Weg, welches stark an das Navigationssystem von Saints Row erinnert. Ihr könnt euch entscheiden, wo das GPS hinführen soll: einfach den Punkt auf der Karte markieren, zu dem ihr wollt. Außer den Storymissionen gibt es nämlich, wie für Open-World-Spiele üblich, noch viele andere Dinge zu tun, die optional sind. So finden sich zahlreiche Markierungen auf der Karte verteilt. Bei den optionalen Zielen müssen meist Gebäude gesprengt oder besonders wichtige Gegner festgenommen werden. Nehmt ihr diese fest, bekommt ihr die volle Bezahlung, tötet ihr sie, bekommt ihr nur die Hälfte. Der Spielablauf in den Zahlreichen Storymissionen ist nicht dramatisch anders: Ihr besiegt Horden von Gegnern, schießt eine Leuchtrakete ab um Unterstützung zu fordern, jagt das ganze Gebiet mithilfe eines Luftangriffes hoch oder nehmt Personen fest. Vorsicht ist geboten, wenn während einer Mission auf offener Straße gekämpft wird. Tötet ihr im Eifer des Gefechts Zivilisten, bekommt ihr von eurem Honorar eine beträchtliche Summe abgezogen, weil die betreffende Organisation die Presse schmieren muss.

Screenshot: Mercenaries 2: World in FlamesPositiv anzumerken ist der gelungene Einsatz der Havok-Engine: Mit Explosivgeschossen könnt ihr so ziemlich jedes Gebäude in die Luft jagen. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern bringt euch auch einen taktischen Vorteil: Zerschießt ihr die Deckung eurer Gegner, sind diese noch verwirrter als zuvor. Hier kommen wir auch zu einem der größten Kritikpunkte an Mercenaries 2: Die Gegner scheinen oft die einfachsten Regeln der Kriegsführung nicht zu verstehen. Oft könnt ihr einfach an eurem Kontrahenten vorbeirennen. Dieser bemerkt euch meist erst einige Sekunden später, läuft gegen eine Wand oder schießt mit seinem MG planlos an euch vorbei. Bis er euch zum ersten Mal trifft, habt ihr schon gemütlich auf den Kopf gezielt und ihm den Garaus gemacht. Außerdem schreien die Gegner alles, was sie tun, lautstark heraus. Sobald ihr auf einem Schlachtfeld seid, werdet ihr sehr oft die Sätze „Dort versteckt er sich“ oder „Ich nehme das Standgeschütz“ hören. Diese extrem dämliche Art, jede Aktion auszuposaunen, macht euch das kämpfen gegen die ohnehin dummen Gegner noch leichter. Daher ist auch der Schwierigkeitsgrad von Mercenaries 2 relativ niedrig: Außer den Gegnern mit Raketenwerfern trifft euch fast niemand und eure Energie ist dank automatischer Aufladung und Medikits sofort wieder gefüllt.

Die Qualität der deutschen Sprecher reicht von „ganz gut“ bis „miserabel“. Während die Sprecher der Hauptcharaktere recht professionell wirken, hat Entwickler Pandemic für die NPCs scheinbar einen Praktikanten abgestellt. Jeder, der der englischen Sprache mächtig ist, sollte das Spiel auf Englisch stellen, denn hier sind die Sprecher durch die Bank gut bis sehr gut. Außer den zweitklassigen deutschen Sprechern ist der Sound aber zum Glück gut gelungen, Besitzer einer Surround-Anlage dürfen sich auf gute direktionale Effekte sowie wuchtige Explosionen freuen. Grafisch ist der Eindruck leider nicht so positiv: Mercenaries 2 sieht aus wie sein Vorgänger in höherer Auflösung. Verwaschene Texturen sind an der Tagesordung, die Charaktermodelle sehen genauso grob aus wie der Rest der Umgebung. Wenigstens gerät das Spiel so gut wie nie ins Stocken.

Fazit

Als Fan des ersten Teils bin ich sehr enttäuscht von Mercenaries 2. Mit dämlichen Dialogen und flacher Story kann ich mich zwar noch anfreunden, die matschige Grafik und vor allem die unterirdische KI der Gegner haben mir aber den Spaß am spielen genommen. Die ersten Missionen machen auf jeden Fall Spaß, bis ihr irgendwann merkt, dass ihr ständig dieselben Dinge wiederholt. Mecenaries 2 ist sicherlich kein schlechtes Spiel, kann aber mit anderen Spielen seines Genres nicht mithalten. Fans des ersten Teils sollten trotzdem einen Blick riskieren. Benjamin Dross

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