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08. 10. 2010

Testbericht: NHL 11

Es darf wieder gefröstelt werden, denn die NHL-Serie ist wieder zurück. Die neue Version aus dem Hause Electronic Arts bietet einmal mehr eine umfassende Hockey-Simulation, welche konkurrenzlos der nicht nicht vorhandenen Konkurrenz zeigt, wo die Schläger platziert werden müssen. Doch lohnt sich der Kauf für erfahrene Spieler? Und was ist mit den Einsteigern?

NHL 11Einsteiger, die dürften allein schon beim Anblick des Menüs erst einmal einen Schock bekommen: Auch NHL 11 hat nicht an Spielmodi und Einstellungsmöglichkeiten gespart. Alle wichtigen Modi sind natürlich leicht zugänglich und wer nur ein schnelles Spiel absolvieren möchte, der kann dies natürlich auch tun. Erst nach einigen Spielstunden erschließen sich jedoch die gesamten Möglichkeiten. Im Be-A-Pro Modus darf man in die Haut eines einzelnen Spielers schlüpfen, welcher zunächst einmal in einem umfangreichen Editor erstellt werden muss, woraufhin er sein Glück in der NHL versuchen möchte. Beim Be-A-GM Modus dagegen schlüpft der Spieler in die Haut eines Vereincoaches und Managers. Hier gilt es dann, die komplette Saison durchzuplanen, Spielertransfere abzuschließen und Free Agents zu verpflichten. Komplex? Ja. Leicht zu erlernen? Es geht so. Wer das gar nicht erst will, der darf natürlich auch weiterhin einfach die Saison spielen und auf den Rest pfeifen.

Bei den Lizenzen gibt es ebenfalls wieder viel zu sehen. Electronic Arts hat noch einmal aufgestockt. Neu dabei sind rund 60 Teams der CHL, doch auch NHL, AHL und zahlreiche andere Ligen haben ihren Weg in das Spiel gefunden. Natürlich ist auch die DEL, die deutsche Liga, wieder mit dabei. Schade ist hier, dass die Entwickler nicht über die aktuelle Lizenz verfügten, sodass die Kassel Huskies, unsere liebgewonnenen Schlittenhunde, wieder mit dabei sind, obwohl sie eigentlich Pleite gemacht haben. Der EHC München fehlt dagegen noch in der Liga.

NHL 11Doch kommen wir noch einmal zum Be-A-Pro Modus, welcher erfahrenen Hockey-Spielern bereits ein Begriff sein sollte. Wieder einmal gilt es, in NHL 11 auch hier Vorgaben des Coaches zu erfüllen und so Erfahrungspunkte zu sammeln, damit es im Spiel ordentlich vorangeht. Wer Mist baut, der wird schnell in tiefere Ligen versetzt und muss sich erst wieder hochschlagen. Wer richtig Spaß haben möchte, der könnte hier sein umfangreiches Eldorado auf dem Eis finden. Wer dagegen mehr als einen Spieler an die Hand nehmen möchte, der findet nun auch im Eissport-Titel aus dem Hause Electronic Arts den Ultimate Team Modus, in welchem es möglich ist, sein eigenes Wunschteam aus Allstars auf die Beine zu stellen. Hier gibt es jedoch einen herben Kritikpunkt: Zunächst stehen gar nicht alle Spieler zur Verfügung. Wer online mit seinem Wunschteam spielt, der kann sich Pucks verdienen, welche als Währung herhalten. Das ist eine tolle Idee, zumal man die Kartendecks, auf denen die Spieler sind, auch tauschen kann. Blöd ist das Ganze nur, wenn andere Spieler bereit sind, für eben diese Karten mit den Spielern Geld zu bezahlen. So ist es durchaus möglich, dass jemand das absolute Superteam hat, dafür jedoch keinen Finger gerührt hat. Ärgerlich.

NHL 11Wobei. Wenn diese Leute mit der neuen Physikengine nicht klar kommen, sieht die Sache natürlich ein wenig anders aus. Die Entwickler haben nämlich zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Und das hat Auswirkungen. Nach wie vor lassen sich Schläger und Spieler getrennt voneinander steuern. Neu ist dagegen, dass die Spieler ihre Schläger auch verlieren können. Oder die Teile zerbrechen mal eben. So etwas passiert zwar nicht allzu oft, doch ist es eine echte Spielbereicherung. Ebenfalls neue ist das Check-System. Das ist nun nämlich wesentlich realistischer, da kein Check dem Anderen gleicht. Jeder Check ist einzigartig. Es kommt auf den Winkel, auf die Masse der Spieler und die Wucht an. Und auch der Puck fühlt sich auf dem Eis jetzt deutlich realistischer an, als jemals zuvor, was auch mit einem neuen Passsystem zusammenhängt, welches es endlich erlaubt, Pässe mit verschiedenen Geschwindigkeiten zu spielen.

Bei der künstlichen Intelligenz wurde derweil ebenfalls an der Schraube gedreht. Gerade das Defensivspiel ist nun deutlich besser und schwerer zu knacken, als noch im letzten Jahr. Passspiel, Stellungsspiel und Taktik müssen stimmen, damit der Goalie überwunden werden kann. Lediglich die Offensive verhält sich, zumindest in den eigenen Reihen, oft noch ein wenig ungeschickt und rückt nicht richtig mit, sodass es des Öfteren zu Solos vor dem gegnerischen Tor kommt. Beim Tor kann es nun übrigens zu strittigen Szenen kommen, wo der Schiedsrichter auch mal den Videobeweis fordert, ob ein Tor gültig ist oder nicht. Dafür versagt der Unparteiische bei Fouls so manches Mal und lässt auch Regelwidrigkeiten in Sachen Brutalität zu.

NHL 11Technisch ist NHL 11 wieder einmal so schön wie Eis eben sein kann. Das Publikum jubelt, die Reflexionen können sich sehen lassen, die Kufen zerkratzen das gefrorene Nass und die Checks sehen verdammt schmerzhaft aus. Durch das neue Physiksystem wirken einige Animationen allerdings noch ein wenig seltsam, doch wir sind uns sicher, dass Electronic Arts das ebenfalls weiß und schon für den nächsten Ableger daran arbeitet. Der Soundtrack kann sich ebenfalls hören lassen, auch wenn es nur wenige Tracks gibt. Die Kommentatoren haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert und sind nach wie vor gut, haben jedoch keinen neuen Spruch auf den Lippen. Schade. Der Mehrspielermodus ist ebenfalls wieder gelungen. Von umfangreichen Turnieren bis hin zum einfachen 1on1-Match ist wieder alles mit dabei, was Fans der Reihe zu sehen bekommen wollen.

NHL 11 bringt also wieder einmal gewohnt gute Eishockeykost mit sich. Es ist ein großartiges Spiel, welches sich auch für Einsteiger eignet, doch es darf bewusst die Frage gestellt werden, ob sich der Kauf auch für Besitzer der Vorjahresversion lohnt. Dafür reichen die Neuerungen nämlich eigentlich nicht aus – da mag die neue Physikengine noch so gut zum restlichen Spiel passen.

Fazit:
Ich bin ja kein allzu großer Fan von Sportspielen. Hin und wieder, da schaue ich mir welche an. Aber dann nur jene, die Sportarten für echte Männer zu bieten haben. Genau in diesen Bereich fällt zum Glück auch NHL 11, welches den Hockeysport nahezu perfekt in Szene setzt. Da gibt es eigentlich kaum Kritik von meiner Seite her. Hier ein wenig künstliche Intelligenz, da ein wenig frische bei Optik und Sound – schon wäre das Spiel perfekt. Die neue Physikengine ist zunächst gewöhnungsbedürftig, tut dem Spiel aber gut und der Ultimate Team Modus war dringend nötig. Und dennoch: Wer alle vorherigen Teile bereits besitzt, der muss sich nicht auch noch dieses Spiel holen, sondern kann getrost auf das nächste Jahr warten. Neulinge dagegen können, sofern sie den Sport mögen, rein gar nichts verkehrt machen, wenn sie sich NHL 11 kaufen. - Michael Hoss

Wertung: 9 / 10

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