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26. 04. 2011

Testbericht: Okamiden

Das im Jahre 2006 erschienene Okami war eines der letzten großen Spiele für Sonys Playstation 2. Obwohl es Bestnoten bei der Fachpresse abräumte, verkaufte sich das originelle Action- Adventure eher schleppend. Auch die Verkaufzahlen der Umsetzung für die Wii im Jahr 2008 blieben hinter den Erwartungen zurück. Capcom schloss das Entwicklerstudio Clover, die unter anderem für das grandiose Viewtiful Joe verantwortlich waren. Nun geht Okami endlich in die zweite Runde, und zwar auf Nintendos Handheld DS.

Screenshot: OkamidenIm ersten Teil der Serie übernahm man die Rolle der Göttin Amaterasu, die in der Gestalt eines weißen Wolfs durch das Land Nippon zog, um der dunklen Bedrohung durch das achtköpfige Monster Orochi Einhalt zu gebieten. Nachdem sie dies geschafft hatte, fuhr sie gen Himmel auf und gebahr ein Kind, das sie Chibiterasu nannte und das im Falle der Wiederkehr von Orochi an ihrer Stelle kämpfen sollte. In Okamiden kommt es nun, wie es kommen musste: Nippon wird erneut in Dunkelheit gestürzt der Wolfswelpe wird auf die Erde gesandt. Hier beginnt euer Abenteuer.

Das zentrale Spielelement von Okamiden ist, wie bereits im Vorgänger, der magische Pinsel. Er ist ein echtes Allzweckmittel und kann nicht nur benutzt werden, um die Nacht zum Tag zu machen oder die Umgebung zum erblühen zu bringen, sondern dient auch zur Feindentsorgung: während den kämpfen malt ihr einen Strich, um die Gegner kurzerhand in zwei Teile zu schneiden oder sprengt sie mit einer Bombe in die Luft. Neben dem Pinsel hat Chibiterasu auch eine Waffe, das heilige Instrument, zur Verfügung, die er beim Schmied aufwerten kann. Auf dem Rücken trägt der Wolfswelpe Kuni, das Kind des aus Okami bekannten Kriegers Susano. Der kleine Wicht hilft bei den Kämpfen und bei der Lösung von Rätseln. So schickt ihr euren Begleiter zum Beispiel per Stylus über Brücken, für die der Wolf zu schwer ist und lasst ihn Schalter aktivieren. Die Rätsel sind an vielen Stellen ähnlich designt wie in Zelda: Spirit Tracks-Teil für den DS. Zwar heben sie sich durch die Benutzung des Pinsels etwas ab, man merkt aber den Einfluss des großen Vorbilds in fast jedem Augenblick. Leider sind die Rätsel wie auch der Rest des Spiels etwas zu leicht ausgefallen. Wo sich die Zelda-Reihe gescheut hat, dem Spieler echte Steine in den Weg zu legen, werden erfahrene Spieler in Okamiden kaum Probleme haben.

Screenshot: OkamidenAuch in Hinblick auf die Struktur des Spiels hat man sich ein weiteres mal stark an Shigeru Miyamotos Erfolgsserie bedient: Ihr besucht Dörfer, redet dort mit den Menschen, löst kleine Nebenaufgaben, um von dort aus hinaus in die Welt zu ziehen und Dungeons zu besuchen, in denen harte Kämpfe bestanden und Rätsel gelöst werden müssen. Für jede Aktion, die dazu dient, Nippon zu einem besseren Ort zu machen, erhaltet ihr Lobpreisung von den Bewohnern, die in Form einer Leiste auf dem Touchscreen erscheint. Ist diese voll, erhöht sich eure Lebensleiste oder die Menge an Tinte, die euch für den Pinsel zur Verfügung steht. Diese Anzeige füllt sich stetig auf, in besonders harten Kämpfen solltet ihr trotzdem darauf achten, dass sie nicht auf null sinkt, da Chibiterasu sonst sehr viel schwächer wird und für eine bestimmte Zeit den Pinsel nicht benutzen kann.

Screenshot: OkamidenEine große Stärke von Capcoms neuestem Streich sind die vielen unterschiedlichen und oft sehr lustigen Charaktere. Der Humor ist typisch japanisch und Charaktere überzeichnet wie in vielen Animes. Doch nicht nur der Humor ist gelungen, die Geschichten, die euch die NPCs erzählen, sind oft tiefgründig und gehen ans Herz. So trefft ihr beispielsweise ein kleines Mädchen, das unheilbar krank ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Alles, was es will, ist noch einmal ein Feuerwerk zu sehen. So macht ihr euch auf, um ihr genau diesen Wunsch zu erfüllen. Nach einigen Diskussionen und einer beigelegten Feinschaft zweier Parteien habt ihr es geschafft und das kleine Mädchen darf das letzte Feuerwerk ihres Lebens genießen. Geschichten wie diese, die wohlgemerkt nicht zur Hauptstory gehören, machen einen großen Teil des Charms von Okamiden aus.

Die Grafik reizt Nintendos DS bis aufs letzte aus und besticht durch detaillierte Landschaften und wunderbar comichafte Charaktere und Monster. Den Stil kann man eigentlich nur als sehr japanisch bezeichnen: Hinter Chibiterasu erblühen Gras und Blumen, wenn er läuft, der Baustil erinnert an den des feudalen Japan und die gesamte Geräuschkulisse besteht aus Melodien, die man so in keinem westlichen Produkt finden würde. Leider wurde keiner der Dialoge vertont. Ihr hört lediglich Kauderwelsch von den Charakteren, während ihr euch ein Textfenster nach dem anderen durchlest. Wer der englischen Sprache nicht mächtig, wird mit Okamiden nicht besonders viel Spaß haben, auf eine deutsche Lokalisierung wurde nämlich verzichtet.

Fazit:
Okamiden ist ein würdiger Nachfolger von Okami. Der Touchscreen des Nintendo DS ist wie geschaffen für die Benutzung des magischen Pinsels, der Grafikstil ist einmalig und das Spiel zu beinahe keinem Zeitpunkt langweilig. Schade nur, dass man so viele der Orte aus dem Vorgänger eins zu eins übernommen hat. So bleibt für Kenner der Reihe ein etwas bitterer Nachgeschmack, weil das Action-Adventure in Teilen wirkt wie eine abgespeckte Version seines Vorgängers. Trotzdem sollten alle Fans von Okami auch bei Okamiden zuschlagen, ebenso wie alle, die nur geringsten etwas mit Japan und Action-Adventures anfangen können. Der etwas zu niedrig angesetzte Schwierigkeitsgrad dürfte nur absolute Hardcore-Spieler stören. - Benjamin Dross

Wertung: 8 / 10


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