Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

18. 01. 2006

Testbericht: Peter Jackson's King Kong (PSP)

Spiele als Jack, Spiele als Kong - Dieser Slogan des offiziellen Videospiels zu Peter Jacksons Neuverfilmung von King Kong dürfte nach drastischen Werbemaßnahmen des Publishers Ubisoft auch weniger interessierten Spielern bekannt sein. Doch nicht nur auf dem PC, sondern auch auf Sonys Playstation Portable verspricht Peter Jackson's King Kong - The Official Game of the Movie kurzweilige Action mit brillanter Grafik. Wer sich durch die enorm schweren ersten Abschnitte des Spiels kämpft wird anschließend tatsächlich mit einem tollen Actionspiel belohnt.

Wie die Umsetzungen für diverse andere Konsolen und PC startet auch die Playstation Portable Version mit der Ankunft auf Skull Island. Während der Zuschauer im Kino zu diesem Zeitpunkt schon detailliert in die Geschichte eingeweiht wurde, wird der Spieler vorerst im Unklaren gelassen, wo er sich befindet: Nach einem kurzen Intro findet sich der Spieler in Gestalt der Hauptfigur Jack an einem Strand wieder und erkundet natürlich erst einmal die Umgebung. Die Passagen, in denen man Jack steuert, spielen sich allesamt in der Ego-Perspektive ab. Die Maus wird dabei durch die vier Tasten, die sich rechts des Bildschirms der PSP befinden ersetzt. Bewegt wird Jack mittels des analogen Joysticks, der das von Ego-Shootern bekannte Seitwärtslaufen ("Strafen") zur Verfügung stellt. Hat man sich mit den Grundlagen der Bewegung angefreundet, so trifft man bereits auf die ersten Gegner. Das Spiel bringt dem Spieler interaktiv den Gebrauch seiner Pistole bei und die ersten Skorpione sind schnell erledigt. Schnell stellt sich dem Spieler allerdings ein größeres Hindernis in Gestalt eines Riesenkrebs in den Weg, der aus dem Meer gekrabbelt kommt. Um das riesige Tier zu besiegen reicht die Pistole nicht mehr aus, zumal die Munition nach dem Verschießen von mehreren Munitionen bereits recht knapp ist. Daher bleibt dem Spieler lediglich die Flucht nach vorne, indem er dem Schalentier einen der herumliegenden Speere in seinen Oberkörper rammt.

Was sich nach spannenden Kämpfen anhört ist leider unmenschlich schwer, was an der gewöhnungsbedürftigen Steuerung, und der mangelhaften Informationsführung des Programms liegt. Hat man beispielsweise ein Pistolenmagazin verschossen tönt Jack zu Beginn noch herum, dass er genug Magazine habe, kurze Zeit später, nachdem der Spieler den Abzug nicht hat verrosten lassen, gibt er dann aber kleinlaut zu, dass er nur noch 3 Magazine zur Verfügung hat. Über wieviel Munition die Hauptfigur genau verfügt erfährt man leider nirgendwo. Gezwungen durch akuten Munitionsmangel muss sich der Spieler also mit den reichlich vorkommenden Speeren durchschlagen, was zunächst eine Qual, später aber ein Segen ist: Hat man einen Speer aufgenommen, dann kann man mit ihm entweder Zustechen oder ihn mit einer Tastenkombination einem Gegner entgegenschleudern. Bis man gemerkt hat, das man sich bei letzterer Variante die Gegner nicht nur vom Hals hält, sondern auch effektiver über den Jordan schickt, vergeht leider eine ganze Weile, in der man sich gegen die aus dem Film bekannten fliegenden Affen und riesigen Tausendfüßler durchschlagen muss. Dass man auch über das Befinden von Jack im Unklaren gelassen wird, lässt die schon so recht schwierigen Szenen beinahe unschaffbar erscheinen, zumal das Spiel den aktuellen Spielstand zwar automatisch, allerdings nur an festgelegten Orten speichert.

Hat man sich durch die ersten Szenen durchgerungen, kommt man irgendwann in den Besitz einer Schrotflinte, muss dafür allerdings seine Pistole ablegen. Mit der neuen Waffe fühlt man sich gleich etwas sicherer und da die Benutzung der Speere gegen einzelne Gegner nun auch kein Problem mehr darstellt, herrscht zumindest nicht ständig akuter Munitionsmangel. Mit der Feuerkraft des Waffenarsenals steigt aber auch die Stärke der Gegner: Einzelne mannshohe und unglaublich flinke Dinosaurier lassen nur erahnen, was den Spieler im weiteren Spielverlauf erwartet. Zwischendurch gibt es immer wieder einzelne Rätsel, die sich jedoch auf das Finden von Gegenständen wie Holzstäben beschränken. Die Story wird natürlich ebenfalls fortgesetzt, wozu auf stark an die Spielgrafik angelehnte Videos zurückgegriffen wird. Wer den Kinofilm nicht gesehen hat, erfährt so, dass Hauptdarstellerin Ann Darrow King Kong geopfert werden soll, dieser entschließt sich allerdings dazu, die Hauptdarstellerin mit in sein Reich zu nehmen.

Wenig später erwartet den Spieler auch die erste Passage, in der er selbst die Kontrolle über den Riesenaffen erhält: King Kong wird aus der dritten Person gesteuert, schwingt sich von Liane zu Liane und hangelt sich an bewachsenen Felswänden entlang. Während die erste Passage noch recht eintönig wirkt, da alles doch recht linear abläuft und auch nur einige kleinere eher lästige Gegner auftauchen, sorgen die weiteren Abschnitte mit King Kong für weitaus mehr Spielspaß: Immer wieder kommt es zu harten Kämpfen mit Tyrannosauren, in denen zwar auch nur wenige Befehle wie Schlagen oder Ausweichen zur Verfügung stehen, dennoch sind die Kämpfe nicht nur nahezu perfekt inszeniert, sondern bieten dem Spieler auch genug Interaktivität.

Während die Abschnitte, in denen man King Kong spielt, eher keine großen Herausforderungen darstellen, werden auch die Szenen mit Jack etwas leichter. Dafür sorgt neben der steigenden Erfahrung des Spielers vor allen Dingen die äußerst effiziente Maschinenpistole, mit denen man die anstürmenden Saurierhorden mühelos ausschaltet. Auch Rätsel treten im Verlauf des Spiels immer wieder auf, beschränken sich allerdings nachwievor nur auf das Finden bestimmter Gegenstände oder das Abbrennen von einigen zunächst unpassierbaren Bereichen aus kniehohem Gras. Wesentlich spannender als die Rätsel sind da schon die Klettereinlagen: Die klapprigen Holzstege über abgrundtiefen Schluchten machen nicht nur optisch etwas her, sondern sorgen auch für einige Adrenalinschübe, wenn man in der Mitte eines solchen Übergangs plötzlich aus der Luft angegriffen wird.

Technisch reizt Peter Jackson's King Kong die Fähigkeiten der Playstation Portable gut aus: Die 3D-Grafik ist angenehm schnell und die Animationen der Gegner überzeugen auf ganzer Linie. Die Darstellung der Umgebung ist in Ordnung, allerdings hätten die Entwickler der Insel durchaus etwas mehr Farbtöne spendieren können. Eines der Highlights ist sicherlich der Sound: Die Geräusche, die im Dschungel auftreten sind absolut authentisch und tragen wesentlich zur insgesamt recht bedrohlichen Atmosphäre bei. Auch die Musik kann überzeugen, wenngleich das Spiel nur in den Zwischensequenzen von ihr Gebrauch macht.

Fazit

Hat man sich erst einmal durch die extrem schweren ersten Abschnitte gekämpft, fesselt Peter Jackson's King Kong den Spieler beinahe genau so wie der Film. Der Wechsel der Spielfiguren und Perspektiven sorgt für ein äußerst abwechslungsreiches Gameplay, bei dem die Ego-Perspektive packende Spannung bietet, während die Szenen mit King Kong von der genialen Inszenierung der riesigen Kreaturen leben. Peter Jackson's King Kong ist jedoch auch auf der PSP nicht perfekt: Skull Island wirkt insgesamt zu dunkel und blass, weiterhin wird die Story außerhalb der sehr guten Videosequenzen kaum fortgeführt. Wirkliche Kritik kann man aber nur am viel zu schweren Spieleinstieg üben: Gelegenheitsspieler können von Peter Jackson's King Kong schneller enttäuscht werden, als ihnen lieb ist. Wer sich allerdings durchbeißt, der wird mit einem guten Spiel und einem fulminanten Finale in New York belohnt.

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: