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28. 11. 2008

Testbericht: Pure

Ihr habt genug von all den anspruchsvollen Titeln mit komplexer Story, die dieser Tage erscheinen? Ihr habt Lust, einfach mal wieder in einem unkomplizierten Action-Raser auf den Putz zu hauen? Dann ist Pure vielleicht euer Titel. Denn der Quad-Racer aus dem Hause Disney will euch vor allem eines zurückbringen: die reine Freude am Spiel.

Screenshot: PureLeider verzichtet Pure wie auch schon Motorstorm auf eine echte Story: euer Ziel ist es lediglich, in der Weltrangliste der Quad-Fahrer den ersten Platz zu erklimmen. Um das zu erreichen, absolviert ihr immer anspruchsvollere Turniere und verdient euch Ruhm und neue Bauteile für euren Quad-Fuhrpark. Habt ihr euch zu Beginn für einen vorgefertigten Charakter entschieden, müsst ihr nämlich auch noch aus unzähligen Bauteilen euer persönliches Gefährt zusammenschustern: Von der Federung über den Motor bis hin zu Details wie Schmutzfängern und passenden Lackierungen dürft ihr laut Disney aus über 65.000 Kombinationen euer individuelles Gefährt kreieren. Wichtig ist vor allem die Abstimmung der Kernbauteile, denn für die verschiedenen Events solltet ihr auch das jeweils passende Quad in der Garage stehen haben. Wer keine Lust auf die Bastelei hat und einfach sofort loslegen will kann sich auch auf Knopfdruck einen zufälligen Renner in den Kategorien „Trick“ oder „Rennen“ erstellen lassen. Da die Werkstatt allerdings sehr leicht zu bedienen ist und das Schrauben an dem eigenen Quad viel Spaß macht, sollten sich Individualisten ruhig die Zeit nehmen und sich ein Gefährt nach ihren Wünschen zusammenschrauben. So viel Lust am Basteln hat zuletzt Need for Speed: Underground auf der Playstation 2 geweckt.

Screenshot: PureViel wichtiger als die Bastelei sind aber natürlich die Rennen an sich. Hier bietet Pure ein gemischtes Bild: auf der einen Seite kann das Spiel mit unzähligen Strecken punkten, die euch von Italien bis Thailand an die unterschiedlichsten Schauplätze führen. Andererseits bietet Pure nur drei verschiedene Renmodi, was dem Titel in Sachen Dauermotivation einige Minuspunkte einbringt. Die Konkurrenz hat hier beispielsweise bei Motorstorm gezeigt, wie viel Abwechslung ein Action-Raser bieten kann. Neben den klassischen Rennen dürft ihr auch noch in so genannten „Sprint“-Rennen antreten: diese entpuppen sich allerdings schnell als Mogelpackung, da es sich eigentlich um normale Rennen handelt – nur kürzer. Wirkliche Abwechslung bieten nur die „Freestyle“-Rennen: Hier zählt nicht die Platzierung, sondern lediglich die Gesamtpunktzahl durch eure gezeigten Tricks. Schnell wird klar: Was bei den Rennen an Kreativität gespart wurde, haben die Entwickler in die zahlreichen Stunts gelegt, die euer Alter Ego auf den Bildschirm zaubert.

Screenshot: PureDenn bei Pure geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern auch um Stil: Hierzu haben sich die Entwickler echte Quad-Fahrer in freier Wildbahn angeschaut und die waghalsigsten Stunts und Sprünge in ihr Spiel eingebaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei jedem der zahlreichen, auf der Strecke verteilten Sprünge dürft ihr einen Stunt vom Stapel lassen, indem ihr lediglich eine Trick-Taste gedrückt haltet und gleichzeitig den rechten Stick in eine Richtung bewegt. Timing ist hier alles, denn wenn ihr einen Trick zu lange haltet missglückt die Landung und ihr findet euch mit dem Gesicht im Matsch wieder. Durch erfolgreiche Tricks und Kombos lädt sich eure Boost-Anzeige auf und neue, spektakulärere Stunts stehen zu eurer Verfügung. Allerdings sind diese von eurer Boost-Anzeige abhängig: Drückt ihr zu sehr auf die Tube und verblast so euren Boost, schwinden auch die besseren Trickmöglichkeiten wieder. Ihr müsst euch also entscheiden, ob ihr dank Boost an euren Kontrahenten vorbeizieht oder doch lieber beim nächsten großen Sprung in der Luft auf eurem Quad stehend Luftgitarre spielen wollt. Denn nichts sorgt für ein breiteres Grinsen auf eurem Gesicht als ein erfolgreicher „Special Trick“, der euch allerdings nur bei prall gefüllter Boost-Anzeige zur Verfügung steht.

Screenshot: PureHat man einmal den Dreh raus, zaubert man schnell spektakuläre Kombos auf die Strecke und freut sich wie ein kleiner Junge über jeden erfolgreich gelandeten Trick. Dank der eingängigen Steuerung und dem hervorragenden Geschwindigkeitsgefühl stellt sich so schnell das „Nur noch ein Rennen“-Gefühl ein. Trotz der mangelnden Abwechslung bei den Rennmodi kann Pure die Motivation dadurch sehr lange halten. Wem es alleine irgendwann doch zu öde auf den Schlammpisten wird, der darf sich auch online ins Getümmel stürzen, wobei „Getümmel“ wörtlich zu nehmen ist. Denn auch online dürft ihr gegen bis zu 15 Kontrahenten antreten und euch gegenseitig den Matsch um die Helme werfen. Besonders entspannend ist der „Freeride“-Modus, indem ihr ohne Zeit- und Vorgabendruck einfach durch die Pampa preschen und euch gegenseitig eure schönsten Stunts vorführen dürft.

Wodurch Pure bereits vor Release auffiel, waren die atemberaubend schönen Trailer. Den hohen grafischen Standard haben die Entwickler auch im Endprodukt gehalten: Die gesamte Optik ist einfach unglaublich. Eine schier unendliche Weitsicht gepaart mit gestochen scharfen Texturen und plastischen Schlammspritzern sorgt garantiert für offene Münder. Auch der rockige Soundtrack und die lockeren Sprüche der Fahrer sorgen für eine echte Wohlfühlatmosphäre.

Fazit

Bei Pure ist der Name Programm: Die Entwickler haben sich nicht um besonderen Realismus oder ausgefallene Schnörkeleien geschert und einfach ein actionreiches Rennspiel abgeliefert, das von der ersten Minute an Spaß macht. Die Steuerung geht nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über, und die eindrucksvolle Präsentation verliert auch nach Stunden nichts von ihrer Faszination. Lediglich die wenigen unterschiedlichen Rennmodi lassen etwas Abwechslung vermissen und verweigern dem Spiel einen Vorstoß in die 90er-Region. Und dennoch: Pure ist die aktuelle Referenz im Fun-Racer-Regal! Simon Weiß

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