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03. 05. 2011

Testbericht: SOCOM: Special Forces

Seit Jahren schon ist die SOCOM-Reihe ein fester Bestandteil der Playstation-Marke. Die Taktik-Shooter konnten über die Generationen hinweg Fans für sich gewinnen, auch wenn nicht jeder den Spielen etwas abgewinnen konnte. Jetzt steht mit Special Forces ein neuer Ableger bereit. Doch der bricht mit Traditionen und will so neue Kundenkreise erschließen.

Screenshot: SOCOM: Special ForcesAngesiedelt ist der neue Teil in Südostasien, wo eine blutige Revolution ausbricht. Doch damit nicht genug: Die Revolution bedroht den weltweiten Handelsmarkt, da eine wichtige Seeroute gefährdet zu sein scheint. Hinzu kommt noch eine Verschwörungen gigantischen Ausmaßes und fertig ist das Gesamtpaket. Nicht unbedingt kreativ, doch Grund genug, die US Navy Seals zu entsenden und so eine passende Rahmenhandlung auf die Beine zu stellen.

Schon vor der Veröffentlichung war klar, dass SOCOM: Special Forces sich ganz klar von den Vorgängern unterscheiden würde. Wer aber einen blutrünstigen Hau-Drauf-Shooter erwartet oder gar befürchtet hat, der hat sich am Ende doch geirrt. Der Spieler schlüpft die meiste Zeit in die Haut von Cullen Grey, einem erfahrenen Veteranen, der im Spielverlauf zwei Teams koordinieren darf und auch muss. Während Team Gelb eher mit Schalldämpfern aufwartet und für Hinterhalte geeignet ist, hat sich Team Blau längst damit abgefunden, mit dicken Kalibern für das Grobe zuständig zu sein.

Screenshot: SOCOM: Special ForcesUnd vom Groben gibt es genug. Zwar lassen sich für die Teams kinderleicht Routen erstellen und Ziele markieren, zwar kann man, wenn man denn möchte, taktisch vorgehen und die Gegner auf die Sekunde passend genau ausschalten, doch wirklich notwendig wird dies nur äußerst selten. Das hat zwei Gründe. Erstens ist SOCOM: Special Forces am Ende auch als einfacher Deckungs-Shooter schaffbar – und das gar nicht mal so schwer. Zweitens ist die künstliche Intelligenz nicht allzu clever ausgefallen. Gerade das eigene Team leistet sich immer wieder Aussetzer und will es auf Biegen und Brechen nicht gedeichselt bekommen. Die Gegner hingegen, sofern man erst einmal entdeckt wurde, treffen auch auf eine unglaubliche Distanz zielsicher ins Schwarze. Da macht das Deckung suchen und nach und nach Ausschalten einfach mehr Sinn.

Zur Auflockerung des Balleralltags mit einem Hauch von Taktik gibt es hin und wieder noch Schleichmissionen, bei denen es eine andere KI-Routine gibt. Hier gilt es nicht entdeckt zu werden. Die Dunkelheit ist dann der Freund des Spielers. Leichen wollen beseitigt und Feinde möglichst leise um die Ecke gebracht werden. Allzu oft gibt es diese Missionen nicht, was nicht allzu tragisch ist, denn die actionreicheren Abschnitte sind dann doch wesentlich spaßiger.

Screenshot: SOCOM: Special ForcesIn Sachen Abwechslung kann SOCOM: Special Forces aber dennoch Punkte sammeln. Nicht nur die Schleichmissionen sorgen dafür, sondern auch die Schauplätze. Südostasien ist durchweg abwechslungsreich gestaltet, sodass hier keine Optik aufkommt. Das Leveldesign kann insgesamt überzeugen und wartet mit den unterschiedlichsten Ortschaften auf. Auch Alternativ-Routen wurden in den großflächigen Karten geschickt untergebracht.

Schade nur, dass die abwechslungsreichen Orte allesamt in einen leichten Braunschleier gekleidet sind. Was wir damit sagen wollen? Nun. Ganz einfach: Die Farbgebung ist nicht unbedingt kreativ. Sieht Südostasien wahrlich so trist aus? Nicht, dass die Optik an sich schlecht wäre. Effekte, Animationen und Gesamtlook wissen zu gefallen. Doch die Farben hätten gerne kräftiger und vielfältiger sein dürfen. Zumal die Entwickler oft genug zeigen, dass sie ein Händchen für das Optische besitzen. Gerade die Zwischensequenzen sehen einfach nur grandios aus. Selten hatten wir in einem Spiel so glaubhafte Charaktere. Die dann wiederum im Spielverlauf mit platten Sprüchen ihre eigene Identität verlieren. Aber so ist das eben bei den Shootern: Helden müssen ja einfach cool sein. Schade auch, dass es innerhalb der Geschichte nur wenig wirklich einprägsame Szenen gibt – die Technik dafür wäre ja vorhanden gewesen. Gelungen ist neben der Optik auch der Sound. Die deutsche Sprachausgabe ist mehr als nur erträglich und Musik, sowie Effekte lassen keinen Grund zum Meckern aufkommen.

Screenshot: SOCOM: Special ForcesBeim Mehrspielermodus können wir nur auf unsere Betaerfahrungen zurückgreifen, denn nach wie vor erlaubt das Playstation Network noch kein Onlinespielen. Doch was wir da gesehen haben, lässt auf einen durchdachten Modus hindeuten. Zwar waren zu Betazeiten nur zwei Karten wirklich intensiv bespielbar, doch hatten die es in sich. Die Größe der Karten war gigantisch und das taktische Verhalten war hier deutlich höher, als im Solopart. Böse Zungen könnten auch behaupten, dass Camper hier einen Vorteil haben. Weit ab von den Call of Dutys regierte hier das vorsichtige Vorgehen. Wer vorpreschen wollte, scheiterte gerne gnadenlos. Vor jeder Runde durfte ein neues Waffenarsenal gewählt werden und jeder darf sein Glück erneut versuchen. Von taktischen Spielmodi bis hin zum typischen Death-Match wird viel geboten. Was wir leider gar nicht ausprobieren konnten, ist der kooperative Spielmodus. Deshalb fließt er auch nicht mit in unsere Wertung ein. Doch vorhanden ist er auf jeden Fall.

Fazit:
Selten habe ich mich bei der Bewertung eines Spiels so unwohl gefühlt, da ich hier nun hoffen muss, die passende Zahl aus der Tasche zu ziehen. Das Playstation Network macht es mir nicht leicht, denn der Mehrspielermodus ist sicherlich ein essentieller Teil des Spiels. Also muss ich nun einschätzen, in wie weit man hier mit den Zahlen spielen darf und kann, um eine faire Bewertung zu erhalten, da ich ja Teile des Spiels nicht einmal sehen konnte. Also fasse ich zusammen: Special Forces ist anders als jedes SOCOM zuvor. Puristen und Taktiker der ersten Stunde dürfte der neue Teil enttäuschen. Wer sich aber darauf einlässt, der wird einen durch und durch gelungenen Third-Person-Shooter vorfinden, der kleinere Mängel hat, über die man aber hinwegsehen kann. Beinharte Fans der alten Teile dürfen dementsprechend einen oder zwei Punkt abziehen. - Michael Hoss

Wertung: 8 / 10

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