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15. 06. 2011

Testbericht: Deep Black

Als Deep Black in der Redaktion angelangt war, da staunten wir nicht schlecht. Der beiliegende Pressetext versprach ein innovatives Spiel, doch irgendwie kam uns schon das Cover verdächtig abgekupfert vor. Kurz mussten wir unser Gedächtnis anstrengen und fanden in den Regalen recht schnell Vanquish. Und siehe da: Das Cover gleicht dem Actiontitel wie ein Ei dem Anderen. Doch das war erst der Anfang...

Screenshot: Deep BlackHin und wieder gibt es Spiele, bei denen schauen wir auch mal bei den Kollegen anderer Magazine vorbei. Einfach um zu sehen, was sie zu sagen haben. Bei Deep Black taten wir genau das. Die Kollegen von Polygamia hatten einen durchaus interessanten Artikel zum Spiel, welcher von verdächtig übertrieben positiven Kundenrezessionen auf Amazon berichtete. Kurz überprüften wir das Ganze und stellten fest: Ja. Da wurde vermutlich tatsächlich ein wenig nachgebessert.

Wieso diese Annahme? Ganz einfach: Deep Black ist ein Spiel jenseits von Gut und Böse. Da wirken die Rezensionen wahrlich absurd, wenn man sich das Spiel so ansieht. Allein die Geschichte klingt zunächst so verkehrt nicht. Von streitsüchtigen Megakonzernen ist da die Rede, die im Jahr 2047 in Unterwasserlaboren um eine seltsame Aliensubstanz kämpfen. Und die Rohstoffe auf der Erde sind natürlich auch noch recht knapp. Dann kommen Terroristen ins Spiel und wollen sich der Stationen und U-Boote bemächtigen. Der Spieler schlüpft in die Haut eines Elitesoldaten und soll die Unterwasserwelt von den bösen Buben säubern. Ah, Moment. So toll klingt die Story dann auch wieder nicht. Zumal die Inszenierung nun wirklich alles andere als gelungen ist.

Screenshot: Deep BlackSpielerisch gesehen ist Deep Black ein klassischer Third Person Shooter, der jedoch versucht mit seiner Unterwasserwelt ein wenig anders daherzukommen. Und das in Zeiten von BioShock oder – um es auf den Punkt zu bringen - Hydrophobia. Neben diversen Taucheinlagen gibt es in erster Linie das übliche Einerlei an Actionkost. Mit Maschinengewehren und Pistolen werden die Gegner außer Gefecht gesetzt. Oh. Nicht nur mit den Feuerwaffen, sondern auch mit einem Harpunenwerfer. Lustigerweise dürfen mit diesem Gerät dann auch Schlösser geknackt und Computer gehackt werden. Wenn man sich das so vorstellt, dann kann man sich eigentlich nur auf die tolle Technik im Jahr 2047 freuen.

Die Scharmützel laufen derweil relativ öde ab. So wie, wenn man es genau nimmt, der Rest des Spiels eigentlich auch. Spielerische Abwechslung? Fehlanzeige. Hier ein wenig Gegner erledigen, da ein wenig im Wasser plantschen und dann wieder Gegner ausschalten. Immer und immer wieder. Und immer wieder. Und noch immer immer wieder. Monotonie in ihrer schlimmsten Form, wenn man so will. Wenn dann auch noch die meisten Komplexe identisch daherkommen, so ist es um jede Form von Spannung oder Spaß geschehen.

Screenshot: Deep BlackDummerweise gibt es nicht einmal bei den Feinden eine gewisse Form von Vielfalt. Entweder der Spieler schlägt sich mit Drohnen im Wasser herum oder nietet einen Kerl nach dem Anderen in den Innenarealen um. Da passt es ja eigentlich wie Harpune zum Walfang, dass die künstliche Intelligenz unter allem Meerschweinchen ist. Der Elitesoldat, der mit seinem Enterhaken so ziemlich alles vollbringen kann, verträgt reell nämlich nur wenige Treffer und müsste theoretisch alle Nase lang in Deckung gehen. Theoretisch. Denn praktisch verhalten sich die Widersacher so gefährlich, wie ein Goldfisch im Haifischbecken. Will heißen: Eine gigantische Unterwasserschleuse würden die Jungs nicht einmal dann treffen, wenn sie direkt davor stünden.

Die einzigen Momente, wo Deep Black dann so richtig zum Furstspiel werden kann, sind jene, bei denen diverse Scripte ausgeführt werden. Dann nämlich kann es passieren, dass sich urplötzlich hinter der nächsten Tür so viele Feinde verstecken, dass sie allein auf Grund ihrer Anzahl den Spieler treffen müssen und dies dann auch tun. Solche Trigger kamen häufiger vor und waren von Mal zu Mal nerviger.

Screenshot: Deep BlackDer aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass Deep Black spielerisch ein ziemlicher Griff ins Abwasser geworden ist. Da passt es nur umso mehr ins Gesamtbild, dass die Story ebenso vor sich hindümpelt. Den Großteil der Geschichte haben wir nämlich von der Rückseite der Packung entnommen. Im Spiel selbst wird willkürlich mit Andeutungen von Verschwörungen und diversen Abkürzungen um sich geworfen. Am Ende steht der Spieler relativ planlos vor einem Wulst aus Merkwürdigkeiten, die so unsäglich grausam in Szene gesetzt wurden, dass man sich fragt, wer sich so eine dämliche Geschichte ausgedacht hat.

Auch passt es wohl ins Gesamtbild, dass die Technik mehr als nur durchwachsen ist. Sicher, es gibt einige Lichtblicke. Das Wasser zum Beispiel. Doch der Rest? Der ist schon vor gut zwei Jahren leicht angegraut gewesen. Damals hieß das Spiel übrigens noch Underwater Wars (bzw. U-Wars) und wurde seitdem immer wieder verschoben. Richtig peinlich sind die starken Clipping-Fehler und die blassen Effekte. Richtig übel ist aber die Klangkulisse. Die wartet mit sich stets wiederholender Musik und unfassbar gelangweilten Synchronsprechern auf die Ohren der Spieler.

Fazit:
Irgendwo in diesem Software-Wrack steckt ein gar nicht so schlechter Kern voller guter Ideen und Mechanismen. Das Problem ist nur, dass die Entwickler ganz offensichtlich nicht in der Lage waren, auch nur eine dieser Ideen in halbwegs brauchbarer Form zu Ende zu denken oder umzusetzen. Das stimmt mich fast schon traurig. Denn so bleibt nicht einmal das Prädikat „Trash“ für Deep Black übrig. Denn Trash hat oft noch etwas kultiges. Deep Black dagegen ist einfach nur gänzlich versemmelt. - Michael Hoss

Wertung: 3 / 10

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