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02. 12. 2011

Testbericht: Warhammer 40.000: Space Marine

Der Shooter-Herbst hat begonnen und da wollen natürlich alle Firmen ein Stück vom Kuchen ergattern. Hier prescht auch der Publisher THQ an die Front. Mit Warhammer 40.000: Space Marine wird man abermals in das beliebte Universum gesteckt und darf sich dieses Mal mit ordentlich Blei verteidigen und dabei jede Menge Blut vergießen. Macht das Spaß oder wird nur eine sinnfreie Ballerorgie in die Regale der Händler geschickt?

Das Universum von Warhammer ist inzwischen nicht nur eingefleischten Tabletop-Spielern ein Begriff. Inzwischen hat die Lizenz weite Kreise gezogen und vor allem auch auf dem PC im Bereich der Taktikspiele Halt gemacht. Einige Genres wurden bislang aber kaum bedient. Dazu zählt auch das Segment der Third-Person-Shooter, das nun einen eigenen Ableger spendiert bekommen hat. Warhammer 40.000: Space Marine heißt das gute Stück und wurde von Relic Entertainment entwickelt. Der erste Ausflug auf die Konsolenebene wurde seinerzeit mit The Outfit unter der Schirmherrschafft von THQ begangen. Große Erfolge oder Lobeshymnen konnten die Macher mit diesem Stück Software allerdings nicht einheimsen. Diesen Zustand will die Spieleschmiede mit der straken Warhammer-Lizenz im Rücken natürlich nun ändern.

Die Geschichte ist in einer sehr futuristischen Zeit angesiedelt, in der Soldaten nicht immer einfache Kämpfer sind. Hier gibt es durchaus Unterschiede zu beachten, denn inzwischen werden auch hochtechnisierte Truppen in den Kampf geschickt, die sich Ultramarines nennen. Vom normalen Fußvolk werden sie aufgrund ihrer enormen Kräfte schon fast angehimmelt. Kein Wunder, denn die Mannen sehen in ihren überproportionierten Kampfanzügen mehr als opulent aus. Stärke ist ein Attribut, das die Herrschaften in diesen Zeiten durchaus benötigen, denn die Welt befindet sich mal wieder in einem gigantischen Krieg. Besonders die abscheulichen Orks haben es sich erneut zur Aufgabe gemacht, den Menschen das Leben so schwer zu machen wie es eben nur geht.

In diesem Abenteuer haben die ungepflegten und übelriechenden grünen Gestalten einen Fabrikplaneten für sich beansprucht. Das wäre sicherlich nur halb so schlimm, wenn dort nicht für den Krieg entscheidende Waffen gefertigt werden würden. Der Spieler schlüpft dabei in die Haut von Captain Titus, der sich mit seinem Team quer über den Bildschirm schnetzelt, damit die Orks nicht zu der ersehnten Feuerkraft gelangen. Fortwährend wird die Geschichte mit kleinen Sequenzen und Dialogen erläutert. Wirklich spannend gestaltet sich der Plot allerdings nicht. Die Handlung erscheint flach und die Figuren bleiben zu fast jeder Zeit blass. Zudem sorgt schon die mäßige deutsche Synchronisation, die mit einer enormen Lippenasynchronität daherkommt, dafür, dass man dem Verlauf nur in einem kleinen Rahmen folgen möchte. Ein Blick abseits der Kampagne lohnt aber ebenso, denn es steht ein umfangreicher Mehrspielerpart bereit, der mit einigen Modi aufwarten kann. Bis zu 16 Teilnehmer finden in diesem Part einen Platz und können sich nach Lust und Laune in Onlinegefechten austoben.

Aber mal ganz ehrlich, eine ausgedehnte Handlung mit filmreifen Momenten hat wohl niemand so wirklich erwartet. Daher mag man dem Titel diesen Aspekt gar nicht einmal so übel nehmen, schließlich setzt das Videospiel seinen Fokus auf ganz andere Elemente. Am wichtigsten ist wohl die Action, die zu kaum einer Sekunde zu kurz geraten ist. Ja, man zerstört zwar Objekte, sucht nach Personen oder erledigt andere erforderliche Aufträge, aber letztlich schießt man sich seinen Weg doch nur von A nach B. Die Ballerabschnitte nehmen damit einen großen Teil der Spielzeit ein. So stürmen dem Spieler nicht selten riesige Massen von Orks entgegen. Wie die meisten vermutlich Leute wissen, sind diese Wesen alles andere als schlau, weshalb ohne Rücksicht auf Verluste eine Welle nach der anderen auf den Charakter zu kommt. Gerade aber wegen der hohen Anzahl der Feinde ist hin und wieder ein wenig Taktik erforderlich. Es gibt verschiedene Arten von Orks, die auch mit unterschiedlichen Manövern besiegt werden wollen. Aus diesem Grund muss das Geschehen trotz der massiven Action gut beobachtet werden, um die richtigen Waffen zur entsprechenden Zeit einzusetzen. Die Schießeisen sind derweil gelungen und bieten ein Kontingent, das von normalen Schrotflinten bis hin zu Plasmakanonen reicht.

Auf dem Weg zum Ziel kommt man immer mal wieder in nette Situationen und darf Geschütze bedienen oder sich mit einem Jetpack von einer zur nächsten Plattform befördern. Das lockert die Szenerie ein wenig auf, wenngleich die Strukturen im Spiel relativ linear bleiben. Das gilt vor allem für die Gestaltung der Level, die nur sehr beschränkte Möglichkeiten für Entdeckungsreisen offenhalten. Optisch werden dafür durchaus einige sehr hübsche Orte geboten. Die Grafik bleibt am Ende aber auf einem soliden Level, da die Texturqualität nicht mit der Oberklasse mithalten kann. Das ist aber nicht weiter schlimm. Die Optik passt mit seinen bunten Farben bestens zum Geschehen und wirkt daher in seinem Universum authentisch.

Der Spieler ist im Übrigen selten im Alleingang unterwegs und hat meistens noch ein kleines Gefolge bestehend aus einigen Teamkameraden im Schlepptau. Diese hätten aber ebenso gut auf Kaffefahrt gehen können, denn eine tatsächliche Unterstützung sind sie nur in wenigen Situationen. Immerhin kann man sich dafür aber noch mit Nahkampfwaffen verteidigen, um diesen Zustand wieder ein wenig auszugleichen. Dazu werden im Verlauf immer mal wieder neue Objekte geboten, die zur Zerhackstückellung der Orks bereitstehen. Energieaxt, Kettenschwert oder andere Spielereien sorgen für ein überaus blutiges Unterfangen, womit auch schnell die Frage der hohen Altersfreigabe geklärt sein sollte. Dank verschiedener Kombos werden die Angriffsmuster eigentlich kaum langweilig und sorgen in Verbindung mit den Schusswaffen für viele freudige Auseinandersetzungen.

Passenderweise wird auch die Energie durch den Nahkampf wieder regeneriert. Durch eine Attacke wird der Feind zunächst ins Wanken gebracht, woraufhin auf Knopfdruck die Exekutierung und damit die frische Lebensenergie für den Spieler folgt. Außerdem lädt sich während der Kämpfe eine spezielle Leiste auf, die beim Aktivieren für noch mehr Schaden bzw. eine bessere Präzision beim Abfeuern der Waffe sorgt. Während der Auseinandersetzungen fällt auch die nette Hintergrundmusik auf, die stets mit actionbetonenden Klängen ihren Teil zur Szenerie beisteuert.

Fazit:

Am Anfang wollte mir Warhammer 40.000: Space Marine nur bedingt gefallen. Immer wieder habe ich den Vergleich zur Gears of War-Reihe und anderen Titeln gezogen, was aber definitiv ein Fehler ist. Warhammer 40.000: Space Marine ist einfach Action pur und in diesem Bereich macht der Titel fast alles richtig. Ohne einen zu großen Wert auf Taktik oder andere Elemente zu legen, bringt das Videospiel sein wichtigstes Attribut mit den blutigen Gefechten sofort auf den Punkt. Daher sollte man sich bei einem Kauf darüber bewusst sein, dass mit dieser Software sicherlich kein Titel für die Ewigkeit erstanden wird, man aber durchaus sehr viel Spaß damit haben kann. – Daniel Dyba

Wertung: 7 / 10

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