Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

10. 05. 2011

Testbericht: Thor - God of Thunder

Lizenzspiele sind in den letzten Jahren immer mehr im Verruf geraten. Kein Wunder, denn oft werden solche Titel mit hohem Zeitdruck produziert, damit sie passend zum Start der Filmvorlage erscheinen können. Daraus resultiert meistens ein Produkt mit geringer Qualität, weshalb entsprechende Titel nur selten Begeisterungsstürme ausbrechen lassen. Diese Tatsache hindert aber nur wenige Entwickler, weitere Lizenzspiele herauszubringen.

Screenshot: Thor: God of ThunderIn diesem Jahr dürfen sich Freunde der visuellen Unterhaltungskunst über zahlreiche Comicverfilmungen freuen. Viele Vorlagen stammen aus dem Hause Marvel. So verhält es sich auch bei Thor, der mit seinem Hammer derzeit sogar recht erfolgreich die Kinos unsicher macht. An dieser Stelle darf die passende Versoftung natürlich keinesfalls fehlen, sie ist inzwischen schließlich unverzichtbar, wenn es darum geht, genügend Geld in die Kassen der Lizenzinhaber zu spülen.

Dieses Mal hat sich Sega an der Umsetzung versucht und herausgekommen ist Thor: God of Thunder, das mit der Story des Films nichts gemein hat. Lediglich die Figuren kommen natürlich sowohl im Streifen als auch im Videospiel vor. Begeisterung verschafft der Plot des Lizenzspiels aber keinesfalls, denn wirkliche Tiefe bietet er nicht. Alles dreht sich um die Heimatstadt von Thor, die von merkwürdigen Eiswesen attackiert wird. Der Mann mit dem Hammer kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und zieht daher in den Kampf gegen die Bösewichte. Die Geschichte wird dabei mit Zwischensequenzen vorangetrieben, die langweilig und qualitätsarm zugleich sind. Ein weiterer Aspekt, der die Atmosphäre in diesem Bereich deutlich herunterzieht, besteht bei der deutschen Synchronisation. Auch hier wurde an der Qualität gespart. Die Stimmen klingen blechern und passen kaum zu den einzelnen Figuren.

Der Einstieg von Thor: God of Thunder ist durchaus actionreich und macht für einen kurzen Moment sogar Spaß. Das Kampfsystem und die Steuerung werden im Detail erklärt, sodass die ersten Minuten schnell absolviert sind. Das war es dann aber auch schon mit der Freude, denn das offensichtlichste Merkmal von Thor: God of Thunder ist die anhaltende Monotonie. Wer Abwechslung erwartet, muss bei diesem Titel schon genau hinsehen. Thor schnetzelt sich nämlich das ganze Spiel über von A nach B. Dabei präsentieren sich einem die immer gleichen Gegnerscharen, die meist kaum eine ernsthafte Gefahr darstellen und den Spieler schon nach wenigen Gefechten langweilen. Einzig etwas interessanter gestalten sich die Auseinandersetzungen gegen die größeren Feinde. Hier ist nämlich in den meisten Situationen etwas mehr Taktik gefragt. Schade nur, dass sich auch diese Momente zu schnell wiederholen, sodass Spaß ein Punkt ist, der bei Thor: God of Thunder nur selten auftreten will.

Screenshot: Thor: God of ThunderDie Prügelorgien werden mit zahlreichen Komboattacken vollführt. Diese kommen sogar recht gelungen daher, da sie intuitiv und damit schnell erlernt sind. Zusätzlich zu den normalen Attacken gesellen sich weitere Fähigkeiten zum Portfolio hinzu. So schleudert Thor zum Beispiel per Knopfdruck Blitze oder bläst einen Windstoß zum Gegner. Diese Angriffe müssen immer mal wieder verwendet werden, damit der Spieler weiterkommen kann. Einige Gegner sorgen zum Beispiel dafür, dass sich Eiswinde durch die Gegend bewegen, die Thor zum Eisklotz werden lassen. Der Spieler muss diese Winde dann ganz einfach wegpusten, wodurch der Weg dann wieder frei wird. Solche Momente könnten das Spielgeschehen ja durchaus auch mal auflockern, wenn sie nicht dermaßen unspektakulär und uninspiriert ausgefallen wären. An dieser Stelle ist durchaus Potenzial vorhanden gewesen, dass zu keiner Zeit genutzt wurde.

Vorhandene Kräfte können im Laufe des Spiels übrigens auch noch aufgewertet werden. Dazu muss der Protagonist Heldenmut sammeln, was simpler weise durch das Besiegen von größeren Feinden von Statten geht. Alternativ stehen in allen Umgebungen kleine Extraaufgaben bereit, die ebenfalls Punkte auf das Konto wandern lassen. Mit dem gesammelten Heldenmut lassen sich im Menü neuen Kombos freischalten, die mit den Kraftattacken einhergehen. Außerdem darf unter anderem auch die Gesundheitsanzeige von Thor mit den Punkten ausgebaut werden. Leider stehen nur wenige Erweiterungen bereit, die sich wirklich auf das Spielgeschehen auswirken. Man schaltet zwar fleißig neue Talente frei, merkt während der Kämpfe aber nur wenig davon.

Screenshot: Thor: God of ThunderAbgesehen von den bereits erwähnten Fähigkeiten hat Thor noch einige weitere Möglichkeiten im Gepäck, um sich gegen die Kontrahenten zur Wehr zu setzen. Hat der Spieler genug Kloppereien für sich entscheiden, lädt sich die Wutanzeige bis zum Anschlag auf. Durch Knopfdruck wird dann der gesamte Zorn entfesselt, was zur Folge hat, dass sich die Levelarchitektur zum Teil verändert. Dies ist an manchen Stellen nötig, damit der Spieler einen Weg findet, dem weiteren Verlauf zu folgen. Außerdem kann Thor seinen Hammer auf Feinde werfen, was dank der mäßigen Steuerung leider ab und an in die Hose geht. Der Titel reagiert in vielen Momenten zu träge auf die Eingaben des Spielers, sodass es bei Springeinlagen schon mal vorkommt, dass man dem Abgrund entgegen segelt. Die weitere Technik kann diesen Bereich nur bedingt aufwerten, denn die Optik zeigt sich durchwachsen. Es gibt zwar auch die ein oder andere hübsche Stelle zu bestaunen, meistens muss sich der Spieler aber mit Kantenflimmern, matschigen Texturen und mäßigen Animationen abplagen, die das Auge nur allzu oft verschrecken. Einzig die Hintergrundmusik hebt sich bei Thor: God of Thunder vom sonstigen Einheitsbrei auf Niedriegniveau-Level ab, sie verwöhnt das Ohr nämlich mit einer epischen Klangkulisse.

Fazit:
Thor: God of Thunder hat leider nur wenige Attribute, die positiv zu bewerten sind. Schade, denn die Ansätze mit den Kräften sind durchaus nett, doch die Umsetzung bietet weder Spaß noch Motivation. Langeweile herrscht über weite Teile der Spielzeit, weshalb eine masochistische Veranlagung von Vorteil ist, um den Titel von vorne bis hinten durchzuspielen. Wer diese Voraussetzung nicht erfüllen kann, sollte einen weiten Bogen um das Videospiel machen, denn Thor: God of Thunder attestiert dem Genre der Lizenzversoftungen ein weiteres Mal, dass es wirklich nur mit Vorsicht zu genießen ist. – Daniel Dyba

Wertung: 5 / 10

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: