Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

14. 07. 2011

Testbericht: Transformers 3

Das Spieleumsetzungen von Filmen häufig schlecht abschneiden, ist bekannt. Vor allem bei aktuellen Filmen schlägt sich die geringe Entwicklungszeit negativ nieder und schickt den Rumpf eines möglicherweise guten Spiels in die Regale von Händlern, Elektronikmärkten und Online-Shops. Jüngstes Opfer dieser Politik war der Donnergott, dessen Auftritt mehr Mitleid als Spielspaß und in den schlimmsten Fällen berechtigte Frustration und Wutanfälle hervorrief.

Screenshot: Transformers 3Allen Widrigkeiten zum Trotz, präsentierte sich Transformers: War for Cybertron 2010 als Spieleumsetzung mit Potential und Unterhaltungswert. Mit durchschnittlich knapp 80 % Spielspass-Wertung ein beachtlicher Erfolg, für ein Spiel, welches als Begleitprodukt zu den kommerziell erfolgreichen Transformers Filmen entstand. Die Messlatte liegt nun hoch, gerade für den direkten Nachfolger, der die gleichen Hürden zu nehmen hat. Leider strauchelt Transformers 3 und weiß die Glanzvorlage des Vorgängers nicht zu verwandeln.

Die Geschichte dient natürlich der Action als Alibi, auch wenn sie sich nicht sklavisch an das Filmpendant hält. Cybertrons perfider Plan sieht vor, seine alte Superwaffe Shockwave zu befreien und ihn gegen die zweibeinigen Fleischlinge einzusetzen. Als Autobot obliegt es dann dem Spieler, der im besten Fall Fan der Filme oder der alten Cartoonserie ist, den Decepticons gehörig ins Öl zu spucken. Während der Kampagne wechselt man nach Levelvorgabe den Charakter. Unter anderem stehen Bumblebee, Ironhide oder Optimus Prime auf Seiten der Autobots zur Verfügung.

Screenshot: Transformers 3Die Mischung aus klassischem Third-Person Actionspiel und Twisted Metal (hätte der Untertitel des Spiels sein können) macht gerade zu Beginn recht viel Spaß. Per Druck auf den linken Stick, in Kombination mit der linken Schultertaste, lässt sich der blecherne Koloss rasendschnell in eine der drei Erscheinungen transformieren. Wahlweise zieht man zu zwei Beinen, vier Rädern oder als voll kampffähiges Vehikel in die Materialschlacht. Der Transformer kann in seiner zweibeinigen Pracht das Terrain besser einsehen und erklettern und hat neben den zwei wählbaren Waffen noch einen Nahkampfangriff und eine Spezialattacke. Bumblebee's Spezialattacke ist ein verheerender Wirbelangriff, Ironhide zieht für die Dauer des Angriffs eine zielgenauere Waffe, mit der er gegnerische Blechkamaraden effizienter auf den Schrottplatz zurückschicken kann. Die zweite Form ist eine bis an die Zähne bewaffnete Version des Vehikels. Man kann mehr Blechschaden einstecken und austeilen. Zur Freude des Spielers steuern sich diese Alter Egos nicht wie Panzer oder normale Fahrzeuge, sondern eher wie agile Luftkissenboote oder Gleiter. Sie können in jede Richtung manövrieren und taktisch um einzelne Gegner strafen. Zum Standardrepertoi gehört auch hier ein brauchbares Lock-On Feature. Last but not least kann man als normales Vehikel seine Umgebung erheblich schneller erforschen. Um die stoische Ballerei aufzulockern, gibt es schlauchförmige Levelabschnitte, die zum bleifüsseln einladen. Ein bisschen erinnert das an die James Bond Spiele der letzten Konsolen-Generation, in denen ein Drittel der Level als Rennspiel konzipiert war. Mir haben diese Abschnitte spaß gemacht, vor allem weil man problemlos zwischen den Formen wechseln konnte. Fahren, ballern, weiterfahren.

Screenshot: Transformers 3Damit wären wir schon beim Kerngeschäft. Wie schon im Vorgänger macht die solide Dauerballerei spaß, könnte aber anspruchsvoller und taktisch fordernder sein. Die Transformationen bieten hier Abwechslung, loten aber Ihr taktisches Potential nicht ganz aus. Von einer Filmlizenz kann man in diesem Bereich eigentlich kaum mehr verlangen. Die Spieldauer ist leider etwas kurz geraten und führt den Spieler rund fünf Stunden durch die Singleplayerkampagne. Für geübte Spieler definitiv keine Hauptmahlzeit, sondern nur ein Snack, der als DLC für kleines Geld besser positioniert gewesen wäre. Der Multiplayermodus lädt zum schnellen Bleiaustausch ein, ist aber alles andere als innovativ und nur leidlich interessant.

Eine solide Grafikengine ermöglicht, auch bei Bildschirmfüllendem Chaos, eine größtenteils stotterfreie Framerate. Die Transformer sind detailreich gestaltet und orientieren sich natürlich an der Michael Bay Verfilmung und nicht an ihrem Cartoon-Vorbild. Gerade die Verwandlungen lassen sich hübsch ansehen. Nicht so hübsch ist allerdings das Screentearing, das bei schnellen Bewegungen negativ auffällt. Schatten und Beleuchtung scheinen von Zeit zu Zeit auch ein Eigenleben zu entwickeln und verändern grundlos ihr Aussehen. Das schadet dem Gesamteindruck und hätte mit einer längeren Entwicklungszeit vermieden werden können. Der Sound liegt ebenfalls im Mittelfeld. Die Musik ist passend aber langweilig. Die Dialoge sind schlecht, schlechter als im Leinwandpendant - aber verschmerzbar.

Fazit:
Transformers 3 verschenkt das Potential des Vorgängers und unterhält seine Spieler am besten während der Singleplayerkampagne. Technisch und spielerisch liegt Transformers 3 im Mittelfeld und ist damit deutlich eine der besseren Spieleumsetzungen, die mit ihrer kurzen Spieldauer ein perfekter Videotheken Kandidat ist. Wer was für Blechkameraden übrig hat oder einen Lückenfüller sucht sollte einen Blick riskieren. Auch hier rate ich zum antesten vor dem Kauf, auch wenn ich stark annehme, dass die meisten geübten Spieler schon während der Leihdauer das Ende des Spiels erleben werden. Dennis Kilian

Wertung: 6 / 10

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: