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21. 06. 2011

Testbericht: Two Worlds II - Castle Defense

Was einst als Warcraft-Modifikation begann ist mittlerweile zu einem eigenen Subgenre geworden. Kein Wunder, denn das Errichten von Verteidigungslinien, die der Abwehr ganzer Horden von Gegnern dienen, kann schnell zur Sucht werden. Die Rede ist natürlich von "Tower Defense". Mit Two Worlds II - Castle Defense steht nun eine leicht abgewandelte Version des Spielprinzips in den Läden.

Screenshot: Two Worlds II - Castle DefenseWie der Name schon sagt geht es bei Castle Defense nicht darum eine ganze Stadt oder ein ganzes Dorf, sondern vielmehr eine Burg, nämlich die des Königs, zu verteidigen. Deshalb stehen euch auch keine Türme, sondern Soldaten unterschiedlichster Klassen zur Verteidigung gegen die Gegner, die in Form von Orks und anderen bekannten Bösewichten auftreten, zur Verfügung. Der Spieleinstieg gestaltet sich für Kenner des Spielprinzips denkbar unkompliziert, die zahlreichen Funktionen sorgen jedoch dafür, dass man schon ein paar Partien benötigt, bis man einen Großteil des Gameplays verinnerlicht hat.

Zu den angesprochenen Funktionen zählt zum Beispiel, dass Einheiten nicht nur in gewohnter Manier aufgerüstet oder verkauft werden können, sondern zudem auch die Möglichkeit besteht, diese während einer Runde zu heilen oder gar von den Toten auferstehen zu lassen. Das alles hat natürlich seinen Preis und das Geld, das teilweise am Ende einer Runde, teilweise aber auch mittendrin ausgeschüttet wird, muss mit Bedacht eingesetzt werden, wenn man bei Two Worlds II - Castle Defense bestehen möchte. Der knackige Schwierigkeitsgrad, der das Spiel auszeichnet, dürfte bei den meisten Genre-Fans sicher gut ankommen, auch wenn dieser teilweise nur dadurch entsteht, dass dem Gameplay ein paar  absichtliche Grenzen gesetzt wurden.

Screenshot: Two Worlds II - Castle DefenseAnders als bei den meisten anderen Genre-Vertretern lassen sich Einheiten nämlich nicht an beinahe jeder Stelle platzieren. Stattdessen gibt es in jedem Level nur etwa ein Dutzend Spawnpunkte genannte Orte, an denen ihr eure Truppen platzieren könnt. Die Positionierung der einzelnen Einheiten will daher gut bedacht sein, nicht nur weil unter den Spawnpunkten, an denen Einheiten platziert werden können, einige dabei sind, die den dort platzierten Einheiten einen zusätzlichen Bonus verleihen. Eine fehlerhafte Platzierung ist nicht nur teuer, sondern blockiert im weiteren Spielverlauf auch einen der wenigen Spawnpunkte. Dieser kann durch den Verkauf der darauf befindlichen Einheit natürlich wieder verfügbar gemacht werden, ein Verkauf bringt in den meisten Fällen aber weniger ein, als eine Einheit gekostet hat. Das Treffen der richtigen Entscheidungen ist beim Platzieren der Einheiten also noch wichtiger, als das bei "Tower Defense" ohnehin schon der Fall ist. Da man vielen Orten auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht, welche der sechs Einheiten dort idealerweise platziert werden sollte, sind nicht selten zahlreiche Versuche nötig, um einen Spielabschnitt erfolgreich zu bestreiten.

Screenshot: Two Worlds II - Castle DefenseDie verfügbaren Einheiten reichen von Nah- und Fernkämpfern  (Schlosswachen, Gardisten und Bogenschützen) über Priester (heilen befreundete Einheiten in einem bestimmten Umkreis) bis hin zu Nekromanten (verlangsamen gegnerische Einheiten) und Feuermagiern. Jeder Einheitentyp kann bis zu viermal sowohl hinsichtlich seiner Stärke als auch hinsichtlich seiner Widerstandskraft aufgewertet werden. Zusätzlich bereichert wird das Gameplay durch Funktionen, die den Austausch oder das Verstecken von Einheiten erlauben. Gerade letzteres ist nötig, wenn man die quasi ohne künstliche Intelligenz ausgestatteten Gegner, die das Motto "Immer drauf!" verinnerlicht zu haben scheinen, von zwei Seiten angreifen möchte. Ein weiteres Spielelement stellen die Spezialangriffe der Hauptfigur dar: Ziel des Spiels ist nämlich nicht die Verteidigung der Burg, sondern das Beschützen des kommandierenden Feldherrn, bei dem es sich um die aus Two Worlds bekannten Charaktere Gandohar oder Sordahon handelt. Die beiden Hauptcharaktere verfügen jeweils über spezielle Attacken, die entscheidend zum Ausgang des Spiels beitragen können und lassen sich ebenso wie alle anderen Einheiten gegen einen finanziellen Obolus aufwerten.

Screenshot: Two Worlds II - Castle DefenseTwo Worlds II - Castle Defense bezieht seinen Reiz nicht nur aus dem ohnehin immer wieder packenden "Tower Defense" Gameplay, sondern auch aus den innovativen Spielelementen, die in anderen Genre-Vertretern nicht zu finden sind. Das begrenzte Vorhandensein von Spawnpunkten setzt den Schwierigkeitsgrad zwar künstlich herauf, gerade das aber dürfte den meisten Spielern der Zielgruppe des Spiels durchaus recht sein. Ohne den Einsatz aller verfügbaren Mittel wie dem Heilen oder Teleportieren von Einheiten und den Spezialangriffen der Helden lassen sich keine größeren Erfolge erzielen, so dass Castle Defense dem Spieler wirklich alles abverlangt. Ein zusätzlicher Anreiz entsteht durch die Online Highscore-Funktion. Will man dort mitmischen wird die Messlatte gleich noch ein Stückchen höher gelegt, denn bei der Highscore-Berechnung spielen auch Aspekte wie das verbleibende Geld eine Rolle, während es offline ja erst einmal darum geht, den Ansturm der Gegner zu überleben. Neben der Kampagne bietet das Spiel auch einen sogenannten Arena-Modus, hinter dem sich genau das versteckt, was der Name vermuten lässt: Ohne großartig auf die umgebende Architektur achten zu müssen, können Einheiten und Strategien in einer Arena und fünf verschiedenen Kapiteln ausprobiert werden. Was prinzipiell als Tutorial getaugt hätte ist jedoch ebenfalls so schwierig, dass man sich auch hier die Zähne ausbeißen kann. Belohnt wird man im Anschluss allerdings damit, dass man auch in diesem Spielmodus seinen Highscore online veröffentlichen kann.

Technisch macht Two Worlds II - Castle Defense eine ordentliche, aber keine überragende Figur. Dies ist alles andere als tragisch, denn ein "Tower Defense" Spiel muss nun wahrlich kein Grafikwunder sein und trotz sehr bescheidener Hardwareanforderungen bietet Castle Defense ansehliche flotte Grafiken, an denen es nichts zu bemängeln gibt. Die Aufmachung orientiert sich in vielen Punkten natürlich an der namensgebenden Spielwelt aus Two Worlds, was dem Spiel in keiner Weise schadet, allerdings auch kein wirklich schlagendes Verkaufsargument ist.

Fazit

Two Worlds II - Castle Defense erfüllt alle Erwartungen, die man an einen Tower Defense Titel stellt. Die Aufmachung ist hübsch und unkompliziert, das Gameplay wurde um zahlreiche Spielelemente erweitert und der Schwierigkeitsgrad kann sich wirklich sehen lassen. Letzteres ist dann auch der größte Kritikpunkt am Spiel. Denn bei aller Liebe gegenüber Core-Gamern hätte Reality Pump dem Spiel auch das ein oder andere einfachere Level oder Tutorial spendieren können. Mario Siewert

Wertung: 8/10


 

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