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27. 06. 2008

Testbericht: UEFA Euro 2008

Die Europameisterschaft 2008 ist in vollem Gange und das Fußballfieber durchstreift wieder alle Länder, im Speziellen das ballkickverrückte Deutschland. Kein Wunder, dass EA Sports mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut hat, fein alle Lizenzen der UEFA zu bunkern - die Niederlande ausgenommen - und nun wie aus der Gewöhnung heraus eine spielbare Visualisierung zu dem Sportereignis in die Läden stellt. Hier hat man auch schon testweise Features eingebaut, die so erst im alljährlichen Update Fifa 09 vorzufinden sein sollen. Wie gut die bislang funktionieren und wie wir uns zum Pokal kämpfen, erzählen wir hier.

Vom 7. bis 29. Juni 2008 schaut die ganze Fußballwelt ins österreichische Wien und in die schweizerische Hauptstadt Bern. Warum? Eine Europameisterschaft steht an, bei der millionenschwere Kicker sich ein Zubrot zu ihren Hauptverdiensten bei diversen Clubs dazuschießen und zig Menschen sich zu Hause oder beim Rudelgucken dabei mit Bierchen im Anschlag vergnügen. Und da leider nur 22 Mann auf'm Platz stehen können, muss sich der Rest entweder selbst auf dem Bolzplatz bemühen und sich mit der Nummer 13 auf dem Rücken wie Ballack fühlen oder aber man scheucht – was ja auch viel angenehmer ist – einfach ein paar virtuelle Recken über den Platz. Nachdem wir von einem anheizenden Intro ins Menü geleitet werden, stellt sich uns nicht wirklich die Qual der Wahl, denn die Quantität der Modi ist zwar durchaus annehmbar, aber hinter dem "Hauptspiel" Fifa 08 hinkt man deutlich hinterher. Ein Karrieremodus oder ähnliches fehlt gänzlich.

Screenshot: UEFA Euro 2008Zu dem eigentlichen Spiel, in dem wir die Europameisterschaft entweder inklusive oder exklusive Qualifikation mit unserem favorisiertem Team durchlaufen, gesellt sich der schon aus der aktuellen Fifa-Riege bekannte „Be A Pro“-Modus, der hier unter dem Namen „Mannschaftskapitän“-Modus läuft. Es gilt vom kleinen B-Elf-Kicker zum angesagten A-Superstar zu vegetieren. Besonders beim Hauptmodus ist es schade, dass außer dem eigentlichen Spiel fernab vom Grün nichts passiert. Und wenn dann doch, wie zum Beispiel Verletzungen, kommt das alles sehr simuliert und berechnet rüber – schade. Außerdem bietet uns EA Sports den allseits bekannten Kampagnen-Modus, in dem wir mitten in das Spiel versetzt werden um beispielsweise einen Rückstand gegen England aufzuholen. In beiden Modi beschränkt es sich dabei einzig und allein auf einen Spieler, euer Alter Ego quasi. Auch an die Onlinefanatiker hat man gedacht, wenn auch nur sehr beiläufig. Server standen zum Testzeitpunkt zwar mitsamt genug Matches zur Verfügung, allerdings beschränken sich die Begegnungen auf handelsübliche Eins gegen Eins-Duelle, hier wäre eine Menge Raum für Ausbesserungen gewesen, beispielsweise ein Online-Turnier mit 16 Teilnehmern.

Screenshot: UEFA Euro 2008Aber wie heißt es so schön? Was zählt ist auf dem Rasen, das Spiel ist rund und der Ball hat 90 Minuten. Und: Mailand oder Madrid. Hauptsache Italien. Oder so. Nach einem halben Jahr des Release des Quasi-Vorgängers Fifa 08 sollte man in spieltechnischer Hinsicht sicherlich keine Quantensprünge erwarten. Nichtsdestotrotz hat es das Entwicklerteam geschafft, die Spielmechanik ein wenig auszufeilen, die Akteure lassen sich wesentlich agiler, dynamischer und flotter über den Rasen navigieren. Spiele in die Freiräume sind jetzt deutlich besser möglich. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Ballphysik sich dezent verbessert hat, das Runde, was ins Eckige muss, klebt nicht mehr so an den Füßen der Spieler und stellt sich als ein bisschen flexibler dar. Schade ist, dass die KI der Kontrahenten zu Wünschen übrig lässt. Geschickte Spielzüge oder knifflige Aktionen eurer Gegner sucht man leider oft vergebens.

Screenshot: UEFA Euro 2008Aus technischer Sicht bleibt man auf dem PC bei der ausgelaugten, alten, hauseigenen Fifa-Engine und kickt damit leider nur in der zweiten Liga mit, während Konsoleros in Sachen Grafik wie schon bei FIFA 08 deutlich mehr verwöhnt werden. Die Konterfeis sind auf dem Rasen jedoch auf allen Systemen nicht in dem detailvollen und haargenauen Umfang zu erkennen, wie wir es uns gerne wünschen würden. Die am Spielrand wild rumknipsenden Fotografen sowie die brodelnde Fanmasse sind nicht mehr als ein Haufen Bitmapmatsch, wenig authentisch. Nichtsdestotrotz kommt vor allem durch die meist passenden Kommentare der Premierereporter Tom Bayer und Sebastian Hellmann und die anfeuernden Fangesänge (auch wenn man sich die unaktuellen Rudi-Völler-Rufe hätte sparen können) EM-Feeling und Atmosphäre in den wieder erkennbaren und schön gestalteten Arenen auf. Auch in Sachen Soundtrack konnte man einige mehr oder minder bekannte Acts (Boys Noize, Datarock, Mendetz, The Features, Karoshi Bros,…) verpflichten, die zumeist in die elektronische Kerbe schlagen. Diese untermalen die Stimmung in den Menüs und Ladebildschirmen recht gut und können das ein oder andere Mal zum Mitwippen auffordern.

Eine signifikante Neuerung gibt es aber in Form eines Features, was euch die Arbeit bei Elfmetern, Ecken und Freistößen erleichtern soll: Mithilfe des rechten Analogsticks kann man nun die Härte und den Effet des Schusses bestimmen und so wunderbare Tore ins Netz des gegnerischen Tores ballern. Eine wirklich tolle Erfindung. Dabei sei aber erwähnt, dass es am PC unbedingt sinnvoll ist den Titel per Controller zu daddeln, das Spielen über die Tastatur kann zu einigen Fingerverrenkungen führen, welche böse enden könnten.

Fazit

Schade, Schade. Hier wäre einiges mehr drin gewesen. Aber was soll man schon nach einem halben Jahr erwarten? Zwar konnte man an einigen Ecken wie beispielsweise am Gameplay schlicht ausbessern, die groben Schnitzer bleiben aber noch tief im Holz. Optisch befindet sich das Spiel zumindest auf dem PC nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was endlich eine Umstrukturierung der Engine zu Folge haben müsste, die KI schwächelt genauso wie der zu geringe Umfang. Schön sind aber die vielen Lizenzen, die tolle Soundkulisse sowie die neuartige Schussmöglichkeit per rechtem Analog Stick und die ansonsten saubere Navigation. Das reicht aber nicht, um sich vom Durchschnitt abzusetzen und so hoffen wir, dass in Fifa 09 die guten Ansätze ausgeweitet und die Kontrapunkte ausgemerzt werden und auf dem PC endlich eine frische Engine in die Stammformation gelangt. Daniel Schmidt

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