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07. 11. 2010

Testbericht: Vanquish

In einer Zeit, in der immer wieder tiefgründige Geschichten die Menschen begeistern, da fehlt es gerne auch mal ein wenig an reiner Unterhaltung. An Willkür. An purem Vergnügen. Aus dem Hause Sega ist nun aber ein Spiel auf den Markt gekommen, welches genau diese niederen Instinkte zu befriedigen vermag. Der Name des Spiels? Vanquish.

Das Entwicklerstudio Platinum Games bewies schon mehrfach, dass es dazu in der Lage ist, spaßige und beeindruckende Werke abzuliefern. MadWorld und Bayonetta dienen hierfür als passende Beispiele. Und mit Vanquish wollten die Mannen noch einmal die Messlatte für Vergnügen ein wenig höher legen. Und es ist ihnen gelungen. Dabei bietet das Spiel nicht einmal eine sonderlich ergreifende Geschichte. Die ist sogar relativ einfach gestrickt. Mit Gut und Böse. Schwarz und Weiß. Graustufen gibt es eigentlich nicht. Auf der einen Seite gibt es das stolz Amerika. Die vereinigten Staaten, die sich nicht erpressen lassen. Und auf der anderen Seite gibt es einen bösen Russen, der mit einem umgerüsteten Satelliten San Francisco in ein Grillhähnchen verwandelt hat und nun droht, auch New York in Schutt und Asche zu legen.

Klar, dass die Staaten das nicht zulassen können. Also wird eine Weltraumflotte entsendet, den riesigen Satelliten zu übernehmen und somit den verrückten Ivan aufzuhalten. Mit an Bord der Flotte befindet sich natürlich auch der Spieler, in Form eines kettenrauchenden Helden, verpackt in einen supermodernen Kampfanzug, der es wahrlich in sich hat. Doch nicht nur der Anzug ist beeindruckend. Auch die Ausmaße des Weltraumklumpen mit integriertem Todesstrahl können sich sehen lassen. Das Teil ist so groß ausgefallen, dass es quasi den gesamten Spielinhalt umfasst. Da passen riesige Kampfroboter rein, unzählige Truppen und komplexe Gebäudestrukturen sind aber ebenfalls enthalten.

Vanquish macht dabei zu keiner Zeit einen Hehl aus seiner Absicht, einfach nur Daueraction ohne Ende bieten zu wollen. Denn darauf ist der erwähnte Anzug auch ausgelegt. Nicht nur, dass er den Spieler, wenn er denn mal getroffen wird, relativ schnell wieder gesunden lässt, nein, er verfügt auch über einen Zeitlupenmodus, der entweder dann eingreift, wenn des Spielers Tode nahe ist oder aber zeigt was er kann, wenn der Spieler den Nachbrenner betätigt und über den Boden rutscht, während er Kugeln aus allen möglichen Rohren spuckt.

Es ist ein wenig wie Gears of War auf Crack, gemischt mit einer ordentlichen Dosis LSD. Deckung wird gesucht, es wird wieder hin und her gerutscht, der Nachbrenner aktiviert, ausgeschaltet und stets fliegen Geschosse durch die Luft. Es Kracht und Explodiert an allen Ecken und Enden. Zeit zum Verschnaufen gibt es nicht. Vanquish bietet hierbei ein Auf und Ab der Gefühle. Es ist rasant, es ist langsam, es ist actionreich, es ist explosiv – und alles im stetigen Wechsel. Und alles zur gleichen Zeit. Es begeistert mit simplen Dingen. Die ganze Zeit über darf sich der Spieler auch noch nebenher eine Zigarette anzünden. Damit lassen sich dann Raketen ablenken, doch nötig ist das nicht, sodass die Funktion am Ende mehr oder weniger sinnbefreit daherkommt und doch als Spaß für die Feuerpause geeignet ist.

Allein eine Sache, die darf man nicht erwarten: Abwechslung. Die gibt es nicht. Natürlich ist es möglich, den Gegner auf verschiedene Arten aus dem Weg zu räumen. Natürlich erfordert jede Waffe eine leicht andere Vorgehensweise. Doch am Ende geht es nur um möglichst viel geballte Action. Spielerische Abwechslung ist hier fehl am Platz. Tragisch ist das nicht, denn Vanquish zieht seinen Reiz nicht aus der Varietät, sondern aus Vergnügen, welches Zerstörung bieten kann. Und in dieser Disziplin ist der Titel ganz großes Kino. Ärgerlich nur, dass das Spiel nach gut viereinhalb Stunden auch schon wieder vorbei ist und kein Mehrspielermodus mit an Bord ist. Natürlich lassen sich dann härtere Schwierigkeitsgrade meistern, doch einen anderen Wiederspielwert gibt es leider nicht.

Bei der Technik haben die Jungs von Platinum Games einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Die Welt, also der Satellit, ist ein klinisches Weiß getaucht, die Explosionen sind grell und gigantisch, die Animationen butterweich und alles wirkt unglaublich futuristisch. Was hier für ein Feuerwerk abgebrannt wird, das kann durchaus beeindrucken. Der Sound ist ebenso hektisch. Von wildem Technogedudel bis hin zu markanten und extrem coolen Sprüchen des Hauptcharakters werden die Spieler in jedem Falle etwas auf die Ohren bekommen. Auch wenn die deutsche Sprachausgabe nur bedingt zu empfehlen ist, denn gerade hier muss man sich erst an die rauchigen Stimmen gewöhnen, welche nicht immer passend wirken.

Fazit:
Vanquish. Das ist ein neues Wort im Duden, welches für „Rausch“, „Wahnsinn“ und „Daueraction“ steht. Eine tiefgründige Geschichte? Fehlanzeige. Spielerische Abwechslung? Braucht kein Mensch. Adrenalin gefällig? Willkommen an Bord! Das Spiel versteht es wie kaum ein anderer Titel dieser Tage, Spaß und Vergnügen allein mit einer geballten und nie nachlassenden Ladung Action zu vermitteln. Wer einfach sein Hirn abschalten und genießen möchte, der ist hier richtig. Allein die extrem kurz geratene Spielzeit gereicht den Entwicklern zur Kritik, weshalb wir dem Spiel keine höhere Wertung geben können. Eine Empfehlung sprechen wir aber dennoch aus, denn gesehen haben sollte Vanquish ein jeder Fan von Explosionen. - Michael Hoss

Wertung: 8 / 10

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