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10. 05. 2008

Testbericht: Viking: Battle for Asgard

Nachdem sich der God of War Kratos bereits einige Male im antiken Griechenland mit Göttern und Fabelwesen herumgeschlagen hat, wagt SEGA einen Ausflug in die nordische Mythologie. Andere Götter, andere Fabelwesen... Eins bleibt jedoch: Viele blutige Schlachten müssen geschlagen werden, ehe der Abspann über den Bildschirm flimmert. Nur ein dreister Klon? Nein, Viking: Battle for Asgard ist zum Glück doch ein bisschen mehr.

Screenshot: Viking: Battle for AsgardWikinger haben wahrlich kein leichtes Leben: Als wenn es nicht schon reichen würde, dass sie ständig zur See fahren und andere Länder plündern müssen, sollen sie sich jetzt auch noch mit den untoten Horden der Göttin Hel herumschlagen. Die ist auf die Götter leider nicht gut zu sprechen, da sie und ihr Vater Loki von Odin persönlich aus dem Land der Götter verbannt wurden. Deshalb soll zuerst Midgard, das Land der Menschen, versklavt werden, bevor schließlich die Götter in ihrer Heimat Asgard dran glauben müssen. Natürlich hat das finstere Fräulein ihre Rechnung ohne den jungen Skarin gemacht: Der junge Krieger wird von Odins Tochter Freya dazu erwählt, Hels boshafte Pläne zu durchkreuzen. Also macht sich Skarin auf, eine Stadt nach der anderen von der untoten Plage zu befreien um schließlich Hel und ihrem besten Krieger gegenüberzutreten.

Screenshot: Viking: Battle for AsgardDas Besondere daran: Skarin hetzt nicht durch schlauchartige Level von A nach B, sondern kann sich ähnlich wie in GTA in der Spielwelt frei bewegen und Aufträge annehmen. Zunächst findet ihr euch auf einem kleinen Eiland wieder und sollt die nächste größere Stadt befreien. Dazu zieht ihr durch die Lande und befreit gefangene Wikinger aus den Klauen der Untoten. Die halten eure Kameraden beispielsweise in Höhlen oder auf Bauernhöfen in ihrer Gewalt. Also zieht ihr über die Karte und befreit einen markierten Ort nach dem anderen, bis ihr genug Mitstreiter für eine Befreiungsschlacht zusammen habt. Die Massenschlachten sind die Höhepunkte des Spiels: Gemeinsam mit manchmal einigen hundert (!) Kriegern stürmt ihr eine besetzte Stadt und befreit sie von den untoten Besatzern. Dabei helfen euch zeitweise riesige Drachen, die ihr zuvor mit speziellen Runensteinen beschwören könnt. Ist die Stadt wieder in der Kontrolle der Menschen, geht es wieder ans Krieger sammeln, bis ihr die nächste Stadt befreien könnt. Dieses Spielprinzip wiederholt sich ständig, große Überraschungen im Spielablauf gibt es leider nicht. Trotzdem wird Viking nicht langweilig: Denn auch zwischen den Kämpfen gibt es in der frei begehbaren Umgebung genug zu tun. So könnt ihr verstecktes Gold aufspüren, um es in den zahlreichen Stützpunkten beispielsweise gegen Heiltränke, Wurfäxte oder Schatzkarten einzutauschen. Außerdem gibt es zahlreiche Orte, an denen ihr neue Fähigkeiten erlernen könnt. Einige von ihnen braucht ihr sogar für das erfolgreiche Erfüllen von Missionen: Zum Beispiel sollt ihr einen magischen Runenstein an einer heiligen Stätte aufladen, die aber unter der Kontrolle des Gegners ist und schwer bewacht wird. Also erlernt ihr die Fähigkeit, euch an Gegner unbemerkt anzuschleichen und aus dem Hinterhalt zu erledigen. Schon kommt ihr unbemerkt zu der Stätte: Ohne diese Fähigkeit ist die Aufgabe kaum zu schaffen.

Screenshot: Viking: Battle for AsgardTrotz aller Abenteuerlust: Das Herz von Viking bildet der Kampf. Dieser ist erstaunlich blutig ausgefallen, hat das Spiel doch noch eine Freigabe für Volljährige erreichen können: Skarin geht nicht zimperlich mit den Untoten um, rote Farbe spritzt reichlich. Neben den üblichen Attacken kann der Wikinger außerdem auf ein ganzes Arsenal an Special Moves zurückgreifen, das sich im Laufe des Spiels zusätzlich erweitern lässt. Nach ein paar Schlägen mit Axt und Schwert darf man schließlich zu einem blutigen Finishing Move ansetzen, der nach dem Zufallsprinzip stets unterschiedlich ausfällt: Mal werden dem Gegner in Zeitlupe sämtliche Gliedmaßen nacheinander abgeschlagen, mal wird er einfach in der Mitte zweigeteilt. Um die Effekte dramatisch zu unterstützen, laufen die Finishing Moves zusätzlich in Zeitlupe ab. Nichts für zartbesaitete Gemüter!

Technisch ist Viking nicht ganz auf dem aktuellen Stand. Obwohl besonders das Wasser sehr schön animiert wurde, wirken die meisten Umgebungen und Texturen sehr matschig. Wahrscheinlich ein Tribut an die gewaltigen Massenschlachten, bei denen trotz der durchschnittlichen Grafik die Framerate oft stark absinkt. Sehr selten kam es beim Test auf der Playstation 3 sogar zu Abstürzen, wenn die Hardware besonders viele Kreaturen zu berechnen hatte. Beim Klang wurde dagegen nicht gegeizt: Alle NPCs sind sehr professionell englisch vertont und deutsch untertitelt, auch die seltene Musik ist durchaus hörenswert.

Fazit

Die Idee ist gut: Viele Elemente aus God of War in eine offene Spielwelt übertragen, fertig ist der Hit. Leider krankt Viking besonders an der mauen Schwarz/Weiß-Geschichte und dem immer gleichen Spielablauf ohne echte Überraschungen. Auch ist Skarin ein eher gesichtsloser Held, der ohne Charakter daherkommt und absolut austauschbar ist. Trotzdem macht das Spiel die meiste Zeit Spaß: Die Massenschlachten sind nett anzuschauen und spielen sich gut, die erlernbaren Fähigkeiten können für einige Zeit motivieren. Trotzdem ist Viking weit davon entfernt, in der ersten Liga mitzuspielen. Für alle, die eine Schwäche für nordische Mythologie, offene Spielwelten oder einfach blutige Kämpfe im God of War-Stil haben, lohnt sich der Kauf trotzdem. Simon Weiß

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