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31. 08. 2010

Vorschau: The Witcher II

Als The Witcher erschien, da standen die Rollenspieler Kopf. Abseits von verbuggten Spielen hatte es ein polnisches Entwicklerstudio geschafft, ein richtig tolles und zudem auch noch düsteres Rollenspiel auf die Beine zu stellen, welches ausschließlich für Erwachsene gedacht war. Auf der Gamescom warfen wir einen Blick auf den zweiten Teil.

Nachdem die Konsolenumsetzung des ersten Teils, welche auf den Namen Rise of the White Wolf hörte, vorerst auf Eis gelegt wurde, war der Weg vollständig frei für einen würdigen Nachfolger. Ein erster Blick auf The Witcher II bestätigt die Entwickler nach unserer Einschätzung auch in ihrer Entscheidung: Das, was wir da zu sehen bekamen, das war eindeutig ein richtig geniales Rollenspiel. Punkt.

Nach einigen Details vor der Aufführung des zweiten Teils, auf die wir später noch zu sprechen kommen werden, ging es auch sogleich los. Geralt war hier in einem Gefängnis zu sehen, geknechtet und geschlagen. An Ketten hängend. Der Hexer schien am Ende – doch ein jeder Spieler sollte wissen, dass der Protagonist eines Spiels frühstens am Ende der Geschichte das Zeitliche segnen darf.

Was also tun? Natürlich hat der Held einen Schlüssel, doch den sollte man nicht gleich einsetzen. Schließlich stehen die Wachen noch vor der Tür und haben Schwerter griffbereit. Das wäre sicherlich recht unangenehm, ihnen so ganz und gar unbewaffnet gegenüber zu treten. Der Entwickler beschloss, die Wächter zu verspotten. Einer ließ sich dann auch tatsächlich auf die dummen Anmachen ein und kam in die Zelle – schon war Geralt von den Fesseln befreit. Und schon gab es ein neues Features des Spiels zu begutachten. Den Faustkampf. Eine Neuerung, welche den Rest der Welt in einem Schleier ausblendet und den Blickwinkel voll und ganz dem Gegner widmet. Eine Neuerung, die packend und actionreich zugleich ist. Und glaubt uns wenn wir sagen, dass wir nicht gerne in der Haut des Wächters gesteckt hätten, so wie der Hexer ihn zurichtete.

Auch der zweite Mann war dann kein Problem mehr. Hier kam es dann zu einem kleinen Spaß der Entwickler: Natürlich sei es ein Spiel und nur deshalb sei das Schwert des Hexers auch direkt neben der Zelle geparkt worden. Ansonsten wäre das ja auch ein wenig langweilig geworden, so die Macher. An dieser Stelle wurde es dann erst richtig interessant. The Witcher II soll gänzlich verschiedene Möglichkeiten haben, im Spielverlauf voranzuschreiten. Satte 16 Enden soll es geben, je nachdem wie der Spieler sich verhält. Und in der gezeigten Mission soll es bis zu fünf verschiedene Enden geben. Gezeigt wurden zwei, wobei die Präsentation immer wieder zwischen zwei Geschichten hin und her wechselte, da gleich zwei Entwickler ihr Können unter Beweis stellen wollten.

Der Eine ging als schleichender Geheimhexer zu Werke, meuchelte hinterhältig die verbleibenden Wachen der finsteren Katakomben, nutzte Tränke um seine Wahrnehmung zu schärfen und verbarg sich an dunklen Stellen. Der Andere hingegen zückte das Schwert, kämpfte ohne Erbarmen und Rücksicht auf Verluste, schlachtete sich durch die Massen und löste keinerlei Rätsel. Extra für die Präsentation hatten die Leute von CD Projekt auch andere Geschichten vorbereitet. Im einen Gefängnis war ein alter Bekannter anzutreffen, welcher ebenfalls eingekerkert wurde. Er verhalf während der Schau zur Flucht. In der Parallelgeschichte war der alte Freund nicht anzutreffen, da Geralt ihn im früheren Verlauf des Spiels hingerichtet hatte. Dafür aber stieß der Entwickler, welcher in diesem Strang unterwegs war, auf die in Ketten gelegte Mutter des Kollegen. Barbusig und kurz vor dem Folterknecht, wurde sie vom Schwert des Charakters befreit und durfte sich erst einmal bedecken.

Allein diese beiden Handlungsstränge hätten unterschiedlicher kaum sein können. Bis auf den Ort des Geschehens hatten die beiden Geschichten so gut wie nichts gemein, nur eben Geralt als Hauptcharakter. Als es dann endlich aus dem Knast ging, da klappten in den Hallen der Präsentation endgültig die Münder herunter: Der Blick über die voraus liegenden Stadt, er war einfach nur beeindruckend. The Witcher II wird eine komplett offene Welt bieten, es soll kaum noch Ladezeiten geben und alles, was man im Hintergrund sieht, das soll auch begeh- und erreichbar sein. Sollte das zutreffen, so steht uns hier ein Spiel gigantischem Ausmaßes gegenüber.

Die neu entwickelte Engine sorgt zudem für eines der schönsten Rollenspiele unserer Tage. Die Animationen sind butterweich, das im Hintergrund arbeitende Beleuchtungssystem sucht seines Gleichen und die ungeheure Detailfverliebtheit, mit welcher die Macher zu Werke gegangen sind, beeindruckt bis, nun ja, eben bis auf das letzte Detail. Lediglich Geralt selbst wirkt etwas dicklicher, doch steht ihm der neue Look. Beim Sound gibt es einmal mehr eine reichlich düstere Klangatmosphäre. Egal ob Musik oder Stimmen: Hier werden in erster Linie erwachsene Ohren beansprucht.

Das gilt auch für den Rest des Spiels. Sex, Drogen, Gewalt, Rassenhass – all das, was The Witcher so sehr aus der Masse ohne Klasse hat hervorstehen lassen, all das ist auch wieder mit dabei. Kinder müssen draußen bleiben und das ist auch gut so. Denn nur so ist es möglich, eine glaubhafte Welt, die unfreundlicher kaum sein könnte, zu schaffen. In dieser neuen Welt ist es dieses Mal sogar möglich, sich seine eigenen Waffen zu schmieden. Und der Chemiebaukasten ist natürlich auch wieder mit dabei. Es stehen als alle Zeichen auf ein episches Rollenspiel.

Ersteindruck:
Wir sind begeistert! The Witcher II ist genau das, was wir uns erhofft hatten. Ein würdiger Nachfolger, ein erwachsenes Spiel und eigenständig zugleich. Einmal mehr grenzt es sich vom Rest des Genres ab und zeichnet eine traurige und verkommene Welt, in der allein das Ego siegt. Wer Mitgefühl zeigt, der liegt schneller am Boden, als er es sich anders überlegen kann. Jetzt sind wir noch auf das Kampfsystem gespannt, denn das war in der uns gezeigten Fassung leider nur rudimentär integriert. -Michael Hoss

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