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02. 12. 2010

Kommentar: Der Entwicklerpreis macht's besser

Im April sorgte der deutsche Computerspielpreis für einen kleinen Skandal innerhalb der Branche. Die Jury war so grenzdebil zusammengesetzt, dass sie es nicht schaffte, auf einen gemeinsamen Nenner in Sachen Preisvergabe zu gelangen. Gerade die Kategorie "Bestes internationales Spiel" war eine Farce. Da wurde einfach mal Anno 1404 ein weiteres Mal ausgezeichnet. Allerdings unter dem dem internationalen Namen Dawn of Discovery. Dabei war der Titel nicht einmal nominiert gewesen.

Das lag an der Jury. Die wollte nämlich kein Spiel für Erwachsene Auszeichnen. Uncharted 2 und Grand Theft Auto gingen leer aus. Obwohl sie den Preis verdient gehabt hätten. Der Abend geriet zu einer Lachnummer. Es gab böse Kritiken. Auch von uns. Und das mit Recht. Der deutsche Computerspielpreis hatte sich blamiert. Der Abend zeigte, wie sehr die Branche in Deutschland doch noch immer in den Kinderschuhen steckt und wie peinlichst genau man darauf achten möchte, bloß keinem Politiker oder der breiten Masse auf den Schlips zu treten.

Nun fand am gestrigen Abend der deutsche Entwicklerpreis statt. Und siehe da: Dort scheint man aus den Fehlern gelernt zu haben. Anno 1404: Venedig wurde mit der besten Grafik und dem besten Gamedesign ausgezeichnet. Die Siedler 7 gilt nun als bestes deutsches Spiel und A New Beginning darf sich jetzt rühmen, das beste Jugendspiel zu sein.

Eine Überraschung gab es dann aber doch. Als man schon dachte, auch hier würde wieder kein einziger Titel ausgezeichnet werden, der ein wenig Blut beinhalte. Und dann wurde der Preis für das beste Actionspiel vergeben. Sieger in dieser Kategorie ist das am 16. Dezember erscheinende Trapped Dead aus dem Hause HeadUp Games. Das brutale Zombie-Taktikspiel gewann den begehrten Preis. Ob es am Ende im Handel erfolgreich wird, das muss sich noch zeigen. Doch für eine kleine Sensation hat es schon jetzt gesorgt.

Hoffen wir nur, dass sich, sofern er denn noch einmal stattfindet, der deutsche Computerspielpreis am Entwicklerpreis orientiert und sich endlich dazu durchringt, zu akzeptieren, dass wir in einer erwachsenen Gesellschaft angekommen sind, in der es völlig legitim ist auch Produkte für Erwachsene zu loben. Denn nur wenn das geschieht, wird die Branche irgendwann auch in jeder Hinsicht für voll genommen. Der deutsche Entwicklerpreis jedenfalls hat eine richtige Entscheidung getroffen und sich eben nicht hinter dem Deckmantel der Kinderspiele versteckt.

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