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06. 09. 2010

Spielend glauben

Kaum zu glauben aber wahr: Auch die Religionen machen vor Spielen nicht halt. Schon unzählige Male wurde der Glauben in Videospielen verwurstet. Mal gelungen, mal weniger gelungen. Sogar in verdammt vielen Spielen ist der Glaube ein Thema. Mal dient er als Gestaltungsmittel, mal als Hintergrund. Und in letzter Zeit auch immer wieder auch als Werbemittel.

Religiöse Entwicklerstudios nehmen immer mehr zu - und jetzt hat ein Spiel das Licht der Welt erblickt, welches die Bibel, das Buch der Bücher für gläubige Christen darstellt, zum Hintergrund hat. Als historischen Hintergrund wohlgemerkt. Und es ist von überall spielbar, denn The Bible Online ist ein reines Browserspiel. Spieler sollen hier ihre eigenen Gruppierungen bilden und das Volk Gottes zum Wohlstand geleiten. Die Quests orientieren sich dabei an der Bibel. Zudem ist der Titel zeitlich in eben jener Epoche angesiedelt. Geht es nach den Entwicklern, so soll The Bible Online den christlichen Glauben spielend vermitteln. Interessierte haben jetzt die Möglichkeit, an der offenen Beta teilzunehmen.

Wer jetzt denkt, das sei ein schlechter Scherz, der irrt übrigens. Spielend den Glauben zu vermitteln, das wurde schon oft versucht. In Adam's Venture aus dem Hause Vertigo Games ist es zum Beispiel die Aufgabe des Spielers, den Garten Eden zu finden. Mit Catechumen erschien sogar einmal ein Egoshooter mit christlichem Hintergrund: Der Spieler schlüpfte in die Rolle eines Gläubigen und vernichtete Dämonen mit einem heiligen Schwert. Das Strategiespiel Left Behind: Eternal Forces löste sogar heftige Debatten aus: Hier konnten nur die Christen gewinnen. Moslems waren durchgehend böse Taliban. Die konnte man zwar auch spielen, aber nie gewinnen. Sogar ein Spiel finanziert durch islamistische Gruppen wurde einst verbreitet. Das Ziel: Hass zu schüren gegen das jüdische Volk. Namen nennen wir an dieser Stelle nicht.

Fakt ist: Die Weltreligionen haben die Branche schon längst für sich entdeckt. Das größte Problem, was sie zur Zeit noch haben, das hört auf den Namen Qualität. Denn spielerisch und technisch sind die meisten der Glaubensspiele eher unterdurchschnittlich und sie erregen in der Regel nur auf Grund ihres Inhaltes die Aufmerksamkeit der Massen.

Die Frage die sich aufdrängt: Ist dies eine positive oder eine negative Entwicklung? Politische Themen sind in Spielen schon immer ein heikles Thema. Allein die oftmals heldenhafte Darstellung der vereinigten Staaten löst bei vielen Spielern schon Krämpfe aus. Wie wird es dann erst werden, wenn Titel mit religiösem Hintergrund auch eine umfangreiche Nutzerbasis haben? Werden sie das überhaupt? Ist ein solcher Markt vorhanden? Angeblich schon. Der erwähnte Egoshooter Catechumen soll sich weltweit immerhin rund 80.000 Mal verkauft haben.

Kein Vergleich zu einem God of War oder Dante's Inferno, welche ebenfalls auf religiöse Themen anspielen, jedoch auf eine gänzlich andere Art und Weise. Doch immerhin: Ein Undying verkaufte sich zu seiner Zeit nicht unbedingt viel besser.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt. Es bleibt auch abzuwarten, wann Spiele, die ausschließlich ein religiöses Ziel verfolgen, ja grundsätzlich darauf aufbauen und versuchen Gläubige zu gewinnen oder als Kunden zu bedienen und die Religion als Solche nicht nur zum Thema haben, bei der Qualität Sprünge machen werden.

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