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08. 09. 2010

Testbericht: Drakensang - Phileassons Geheimnis

In unserer Vorschau waren wir eigentlich guter Dinge, was Phileassons Geheimnis, das erste und vermutlich einzige AddOn zu Drakensang: Am Fluss der Zeit, anging. Was hat sich in den letzten Wochen der Entwicklung also noch alles getan?

Drakensang - Phileassons GeheimnisDie Vorschaufassung, das müssen wir schon vorab sagen, hat uns leider getäuscht. Manches Mal, da kommt es vor, wenn man eine Serie nur allzu gut kennt, dass man sich vielleicht zu sehr auf ein Produkt freut. Und wenn man dann nur einen Teil daraus präsentiert bekommt, dann ist die Hoffnung auf weitere Inhalte natürlich groß. Dumm nur, wenn es die Entwickler am Ende nicht schaffen, sie in irgendeiner Weise zu erfülle. Und genau das ist jetzt bei Phileassons Geheimnis eingetreten.

Gut. Ganz so tragisch ist es nicht. Doch man merkt, dass die Entwickler nicht mehr so ganz bei der Sache waren, nachdem sie Insolvenz anmelden mussten und durch Bigpoint schließlich aufgekauft wurden. An der Geschichte merkt man dies noch nicht, denn die ist vor den Geldnöten geschrieben worden: Die Erweiterung dreht sich um Asleif Phileasson, einen legendären Thorwaler, welcher Lesern und Spielern von Das Schwarze Auge durchaus ein Begriff sein sollte. Er ist im Spiel in Tie'Shianna, einer geheimen Welt der Elfen unterwegs, in die seit ewigen Zeiten kein Mensch mehr einen Fuß gesetzt hat. Doch über einen Riss in den Sphären gelangt auch der Spieler dorthin. Und sieht sich sogleich einer großen Bedrohung gegenüber: Die mystische Welt ist dem Untergang geweiht, eine dunkle Armee eines namenlosen Schreckens droht alles zu vernichten.

Die Geschichte ist also für packende Abenteuer gemacht. Sie ist gut durchdacht und hält theoretisch genügend Stoff bereit, um Spieler für lange Zeit zu versorgen. Das Problem ist nur: Die Geschichte mag zwar stimmen, doch es mangelt Phileassons Geheimnis einfach an Inhalten. Die Quests lassen Kreativität vermissen, welche im ersten Teil der Reihe und auch im folgenden Prequel noch vorhanden waren. Die Gegnerhorden gleichen sich nach einer Weile wie ein Ei dem Anderen und besser sieht es mit den verschiedenen Dungeons leider auch nicht aus.

Drakensang - Phileassons GeheimnisWo die Vorläufer der Serie Abwechslung und interessante Aufgaben und Rätsel bereithielten, glänzt die Erweiterung mit Trostlosigkeit, Monotonie und dem Fokus auf Action. Zwar werkelt im Hintergrund noch immer das altbekannte Würfelsystem, welches über den Ausgang eines jeden Kampfes entscheidet, doch auf Dauer macht sich Ernüchterung breit. Fast hat man das Gefühl, eher ein Diablo oder gar ein anderes Hack & Slay vor den Augen zu haben und kein waschechtes Rollenspiel mehr.

Doch auch ein vollwertiges Actionrollenspiel ist das Geheimnis des Thorwalers leider nicht geworden. Zwar gibt es neue Rüstungen, neue Waffen und andere nette Items, doch ist die Anzahl der Neuerungen eher marginal ausgefallen. Somit entsteht leider auch kaum ein Sammeltrieb, was wiederum dazu führt, dass es kaum einen Grund gibt, die immer gleichen Dungeons abzugrasen. Auch die Orte, an welchen es zu keinen Kämpfen kommt, bieten kaum Raum für echte Entdecker. Die erste Stadt in Tie'Shianna besteht aus kaum mehr, als aus einigen kleinen Unterkünften und einem Tempelplatz. Viel mehr gibt es nicht zu sehen. Dummerweise auch nicht im restlichen Verlauf der Geschichte. Da nützt es am Ende wenig, dass irgendwann auch Asleif Phileasson sich der Gruppe anschließt. Der sagenumwobene Charakter mit seinen tollen Schwertkampfwerten bringt leider auch nur den Kampf und sonst kaum Neuerungen mit sich.

Drakensang - Phileassons GeheimnisImmerhin: Technisch ist Phileassons Geheimnis das beste Drakensang, welches es bis zum heutigen Tage jemals gab. Das Wüstensetting bringt endlich einmal Abwechslung in den grünen Alltag und die neuen Waffen und Rüstungen, sofern man denn tatsächlich welche vorgesetzt bekommt, sind an den ägyptischen Stil wunderbar angepasst worden. Malerische Kulissen und schicke Effekte sorgen für den Rest. Bei der Grafik kann man wirklich nicht meckern. Ähnliches gilt für die Sprachausgabe, welche erneut mehr als nur gelungen ist. Bei der Musik sieht es nicht anders aus. Nur reicht eine gute Technik eben nicht immer für ein gutes Spiel, welches am Ende auch nur sechs Stunden für sich beanspruchen kann. Und mehr werden Kenner der Spiele kaum benötigen. Ihre Spielzeit dürfte sogar noch darunter angesiedelt sein.

Fazit:
Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein großer Fan der Drakensang-Spiele. Deshalb habe ich mich bei der Vorschauversion auch schon wie ein paniertes Schnitzel auf den Titel gefreut und gebetet, dass da noch mehr kommen möge. Doch hatte ich schon befürchtet, dass die Geldsorgen von RadonLabs einer Entwicklung nicht unbedingt positiv entgegenkommen würden. Und leider haben sich meine Befürchtungen bestätigt. Die Spielzeit ist kurz, die Rätsel nur bedingt vorhanden. Der Fokus liegt nur noch auf der Action und dem Kampf, wobei der so schlecht ja nicht einmal ist. Es mangelt überall an Inhalten, sodass ich das AddOn nur beinharten Fans der beiden Hauptspiele empfehlen kann. Möge die Serie in Frieden ruhen, denn ich wage zu bezweifeln, dass ein dritter Tel kommen wird – nach dem Verkauf von RadonLabs sieht es ja nicht so rosig um die Zukunft der Reihe aus. Michael Hoss

Wertung: 6 / 10

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