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18. 04. 2011

Testbericht: Moto GP 10/11

Die Formel 1 gilt gemeinhin als der König des Motorsports. Fälschlicherweise, möchte man meinen, denn wer sich einmal mit dem Thema des Motorradsports, insbesondere großer Veranstaltungen, wie der Motorradweltmeisterschaft oder der Superbike-WM auseinandersetzt, wird feststellen, dass aus diesem eine große Faszination ausgeht. Nicht zufällig strömen so zum Teil hunderttausende Zuschauer zu einem einzelnen Rennen, um die einzigartige Atmosphäre eines solchen Events live zu erleben. Auch virtuell fristet dieser Sport eher ein Nischendasein. Ob MotoGP 10/11 das zu ändern vermag?

Screenshot: MotoGP 10/11Für die volle Lizenzpower der mindestens letztjährigen Saison sorgt die offizielle MotoGP-Lizenz, die sich Publisher Capcom erneut sichern konnte. So seid ihr mit Topfahrern und den Stars der Szene, wie Valentino Rossi, Casey Stoner und dem amtierenden Weltmeister Jorge Lorenzo auf allen Strecken der neuen Saison unterwegs. Auch stehen, wie gehabt, die zwei anderen Klassen zur Auswahl: 125ccm und Moto2, ehemals 250 ccm. Zwar versprach Capcom zum Saisonbeginn ein Fahrerupdate der aktuellen Daten, doch bis dato (Stand: 13.04.2011) ist weit und breit nichts von einer Aktualisierung zu sehen. So müsst ihr euch noch in Geduld üben, falls ihr etwa Rossi auf der Ducati oder Stoner im Repsol Honda Team steuern wollt. Ebenfalls nicht wirklich nachvollziehbar ist die Entscheidung, die Anzahl der Fahrer auf maximal 27 zu begrenzen. Zwar ist dies schon ein stattliches Fahrerfeld, doch schaut man sich einmal die Moto2-Klasse mit ihren aktuell 38 Startern an, bleiben Fragen, zumal die Engine nie den Eindruck macht, unter großen Druck zu geraten.

Screenshot: MotoGP 10/11Capcom bzw. Entwickler Monumental Games verspricht nach dem letztjährigen Desaster eine Mischung aus Arcade und Simulation. Leider geht dieses Versprechen nicht gänzlich auf. Der Titel fühlt sich weiterhin extrem arcadelastig an und verlässt im Simulationsteil die Ideallinie deutlich. Stellt ihr nämlich sämtliche Fahrhilfen aus und schraubt die Gegnerschwierigkeit nach oben, wird der Titel quasi unspielbar, Erfolge bleiben aus. Dafür sorgt zum einen die Rumpel-KI, die keinerlei Rücksicht auf Verluste nimmt und zum anderen die schlechte Spielbarkeit: Die Steuerung reagiert extrem empfindlich, was ein wohliges Dosieren des Gases oder der Bremse schlichtweg zum unmöglichen Unterfangen macht. Versteht mich nicht falsch: Ich mag Herausforderungen und schwere Spiele, finde die anspruchsvollen ‚Superbike‘-Spiele hervorragend, doch dieses hier ist schlichtweg nicht anspruchsvoll. Es ist unfair. Für die KI scheinen die Kräfte der Physik nicht existent zu sein. Während sie früh aus Kurven herausbeschleunigen und extrem spät auf der Bremse sein kann, bricht das Heck eurer Motorrads direkt aus, was nicht selten zum Sturz führt, da euer Bike auch einfach kaum Feedback an euch gibt. Zu keiner Zeit wird das Gefühl vermittelt, auf einer Rennmaschine zu sitzen. Einfacher zu beherrschen und durch die geringere Leistung deutlich nachvollziehbarer zu kontrollieren, sind die Klassen der 125er und Moto2. Wie sich gute Spielbarkeit auf einem virtuellen Motorrad anfühlen kann, zeigte zuletzt SBK X: Superbike World Championship, welches ich mit einer hervorragenden 9/10 bewertet habe. Der Nachfolger steht ebenfalls schon in den Startlöchern.

Screenshot: MotoGP 10/11Wenigstens in der Auswahl der Modi stürzt das neue MotoGP-Spiel nicht, bietet es immerhin gewohnte Kost. So ist es möglich, eine Weltmeiserschaft auszutragen, auch kooperativ an einer Konsole, Einzel- und Zeitrennen zu bestreiten und eine Karriere zu starten. Die Individualisierungsmöglichkeiten eures eigenen Fahrers sind jedoch extrem beschränkt und Atmosphäre entsteht kaum. Zu Beginn startet ihr in der niedrigsten Klasse, um irgendwann auf den großen, mächtigen Maschinen der MotoGP Platz zu nehmen. Die Inszenierung und Aufmachung ist jedoch dermaßen billig gemacht, was atmosphärisch der reinste Killer ist. Ihr bestreitet ein Rennen nach dem anderen, um Ruf zu erlangen und so in der Gunst anderer Teams aufzusteigen und verdient euch Geld dazu, um dieses beispielsweise in Personal, wie PR-Manager zu investieren, die sich ebenfalls um euer Ansehen kümmern. Bei erfolgreichem Abschneiden winken gute Angebote und entsprechende Klassenaufstiege.

Online dürft ihr mit insgesamt 19 anderen Fahrern um Sieg und Ehre düsen, wobei das Geschehen jederzeit flüssig läuft. Leider sind keine gesamten Meisterschaften, sondern ausschließlich Einzelrennen, möglich. Durch die lächerlich geringen Einstellungsmöglichkeiten werdet ihr außerdem regelrecht gezwungen, sämtliche Fahrhilfen einzuschalten, um nicht hinterherzufahren, denn differenziert zwischen Arcade und Simulation wird online nicht. Etwas ältere Spiele der MotoGP-Reihe, damals auf der ersten Xbox populär geworden, waren regelrechte Multiplayergranaten. Was hier passiert, ist fernab jeglicher Ernsthaftigkeit.

Screenshot: MotoGP 10/11Technisch läuft der Titel sauber, aber unspektakulär. Die Engine läuft jederzeit flüssig, bietet aber auch keine Höhepunkte, jedenfalls keine positiven. Negativ fällt der überzogene Blur-Effekt auf, der das Bild bei hohen Geschwindigkeiten verzerren lässt. Auch das Drumherum, wie Publikum und Boxengasse, gleichen einer Farce: In der Boxengasse herrscht Totenstille, während das Publikum sich noch nicht einmal von einer anständig animierten Seite zeigt. Wer schon einmal bei einem Rennen live dabei war, wird sich zudem über die lächerlichen Motorensounds der Maschinen kaputtlachen, die das Spiel bietet. Schließt die Augen und genießt ein Rennen der Rollerprolls. Öffnet eure Augen erneut und ihr findet euch in einer vollkommen desillusionierten Welt wieder.

Fazit

Das war nichts! MotoGP 10/11 "besticht" mit einem Gameplay, das bestenfalls noch Arcade-Puristen überzeugen könnte. Aus der versprochenen Simulation ist auf Grund der schlechten Spielbarkeit nichts geworden. Die Atmosphäre gleicht einem Ausflug auf´s Ländle, nicht aber einer dröhnenden, lauten und mit gigantischem Publikum beeindruckenden Motorradrennveranstaltung. Hier wirkt alles einige Nummern unprofessioneller als noch im hervorragenden Superbike-Pendant von Milestone und Blackbean. Mein Tipp: Spart euch das Geld und besucht lieber eine Veranstaltung live oder wartet auf den bald erscheinenden neusten Teil der Superbike-Reihe, denn MotoGP 10/11 ist der virtuelle Absturz einer faszinierenden Sportart. Alexander Börste

Wertung: 3/10

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