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18. 03. 2010

Testbericht: Sonic & SEGA All-Stars Racing

Nachdem Sonic und Mario erst vor kurzem bei den Olympischen Spielen gemeinsame Sache gemacht haben, geht Publisher SEGA wieder auf Konfrontationskurs: Sonic & SEGA All-Stars Racing möchte ein Stück vom Kartracer-Kuchen abhaben und bedient sich dabei kräftig bei Mario Kart. Nur ein weiterer Klon oder kann Sonic das Genre mit eigenen Ideen bereichern?

Das Prinzip ist genauso simpel wie erfolgversprechend: Mario Kart, gewürzt mit einer kräftigen Portion F-Zero (für das Geschwindigkeitsgefühl), trifft auf die bekannten SEGA-Charaktere und einen gewaltigen Umfang. Heraus kommt ein todsicherer Hit, der auch Besitzer einer Xbox 360 oder Playstation 3 begeistern soll, die bislang nur neidisch auf Nintendos Wii schielen durften.

Die Strecken sind sehr abwechslungsreich geratenDas Gameplay ähnelt Nintendos Verkaufsschlager auf den ersten Blick tatsächlich wie ein Ei dem anderen. Fährt man über ein Fragezeichen, erhält man zufällig eines von verschiedenen Items, die euren Gegner den Spaß am Rennen verderben sollen: Ein Boxhandschuh oder eine zielsuchende Rakete lassen sich hervorragend auf eure Konkurrenten schießen, ein Pylon dient als Miene. Wer Sonics Schuhe ergattert, kann kurzzeitig einen Boost aktivieren, der auf der Zielgeraden immer wieder zwischen Sieg und Niederlage entscheiden kann. Andere Items wie ein Regenbogen, der euren Mitspielern die Sicht vernebelt, oder ein Stern, der die Sicht des Getroffenen auf den Kopf stellt, runden das Repertoire ab.

Tatsächlich macht Sonic & SEGA All-Stars Racing vieles sogar besser als Mario Kart: Der Zufallsgenerator nach dem Überfahren eines Fragezeichens kommt schneller zu einem Ergebnis, auch das Zurücksetzen eures Fahrzeugs nach einem Ausflug in den Abgrund dauert nicht so quälend lange wie bei der Konkurrenz. Außerdem dürft ihr eure Items behalten, falls ihr von der Fahrbahn abkommt oder abgeschossen werdet. Jeder der Fahrer verfügt zudem über einen speziellen „All-Star“-Move. Meist erhaltet ihr diesen durch den Zufallsgenerator, wenn das Rennen für euch nicht gut läuft. Dann dürft ihr auf Knopfdruck das Fahrerfeld von hinten aufräumen: Amy bahnt sich dabei zum Beispiel den Weg mit einem überdimensionalen Holzhammer, Eggman behakt die anderen Fahrer mit Raketen oder Sonic schießt wie der buchstäbliche geölte Blitz über die Fahrbahn.

Die All-Star Moves können so manches Rennen herumreißenEine zusätzliche Komponente wird besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden zum zentralen Spielelement: das Driften. Slidet ihr per Knopfdruck durch die Kurven, lädt sich in drei Stufen euer Boost auf. Lasst ihr dann los, könnt ihr euch quasi aus der Kurve katapultieren. In Sprüngen dürft ihr mit dem gleichen Knopf Lufttricks vollführen, die dann bei der Landung durch einen kurzen Boost belohnt werden. Das sorgt für zusätzliches Tempo und verlangt euch beim Spielen einiges an Geschicklichkeit ab.

Ebenfalls ein Plus für die Langzeitmotivation: Der große Umfang von Sonic & SEGA All-Stars Racing. Neben den verschiedensten Grand Prix-Ereignissen im Singleplayer gibt es außerdem noch Missionen zu bestehen. Hier müsst ihr beispielsweise auf der Strecke Zielscheiben abschießen, einen Kontrahenten in einer vorgegebenen Zeit überholen oder einen Slalomparcours absolvieren. Euer Abschneiden wird mit einem Rang belohnt: Erreicht ihr mindestens ein „A“, schaltet ihr die nächste der insgesamt 64 Missionen frei. Zusätzlich könnt ihr jederzeit Einzel- oder Zeitrennen auf einer beliebigen Strecke absolvieren, bei letzteren dürft ihr gegen Geister der Entwickler oder anderer Fahrer antreten, auf deren Fahrleistungen ihr dank Online-Anbindung Zugriff habt.

Im Mehrspielermodus dreht der Titel erst richtig aufWie es sich für ein Partyspiel gehört, dreht auch Sonic & SEGA All-Stars Racing erst im Multiplayer richtig auf: Entweder dürft ihr an einer Konsole mit bis zu vier Fahrern per geteiltem Bildschirm antreten, oder ihr messt euch online mit bis zu sieben weiteren Spielern. Neben den normalen Rennen gibt es auch einen Arena-Modus, in dem ihr euch in abgesteckten Arealen verschiedenste Duelle liefert und beispielsweise eine bestimmte Anzahl Abschüsse erreichen oder „King of the Hill“-mäßig einen wechselnden Bereich verteidigen müsst. Kenner von Mario Kart kennen diesen Duell-Modus bereits, der in Sonic & SEGA All-Stars Racing noch um einige Spielarten erweitert wurde. Gegen die Dynamik und den Spielspaß der Rennen kann die Arena allerdings nicht viel ausrichten und bleibt somit nicht viel mehr als ein netter Bonus.

Bekannte Charaktere aus der gesamten SEGA-Geschichte fahren mitMit jedem Rennen, jeder Mission und jedem Arena-Kampf verdient ihr euch so genannte „SEGA Meilen“, die ihr im internen Shop des Spiels gegen neue Inhalte eintauschen könnt. Insegsamt 22 Fahrer aus der gesamten SEGA-Geschichte warten darauf, auf diese Weise freigeschaltet zu werden: Darunter Beat aus Jet Set Radio Future, Ryo aus Shenmue oder sogar Alex Kidd. Jeder Charakter bringt dabei ein zu ihm passendes Gefährt und einen All-Star Move mit, was für regelrechte Sammelwut und einen damit verbundenen hohen Wiederspielwert sorgt. Auf der Xbox 360 und der Wii dürft ihr sogar mit eurem Avatar bzw. eurem Mii antreten, Besitzer einer Xbox 360 erhalten außerdem das Team Banjo und Kazooie aus den gleichnamigen Spielen als Bonus. Auch neue Strecken lassen sich im Shop kaufen und sind ebenfalls jeweils in einer Themenwelt des Publishers angesiedelt, sogar inklusive der markanten Musik des jeweiligen Titels. So geht es auf den insgesamt 24 Abschnitten durch Tokyo-To aus Jet Set Radio Future, die knallig bunte Karnevalswelt von Samba de Amigo oder das Curien-Anwesen aus House of the Dead.

Die Entwickler haben viel Liebe zum Detail bei der Atmosphäre der Strecken bewiesen, auch wenn leider immer wieder die Nachteile einer so großen Menge an Inhalten durchscheinen: Oftmals fehlt es einfach an Feinschliff und einzigartigen Merkmalen. So bleibt man nicht nur zwischendurch an unglücklich positionierten Objekten hängen, auch die Streckenverläufe haben nur wenig Abwechslung zu bieten. Soll heißen: Die Strecken fahren sich allesamt sehr ähnlich, auch wenn sie grundverschieden aussehen. Etwas mehr Ideenreichtum bei der Interaktion mit der Umgebung oder mehr alternative Routen wären hier wünschenswert gewesen.

Das Spieltempo ist sehr hochGrafik und Sound liegen ohne Zweifel deutlich über dem Standard des Kartracer-Genres: Die Fahrer sind liebevoll animiert, viele Details am Streckenrand und buntes Geblinke an allen Ecken und Enden sorgen für eine fröhliche, dichte Party-Atmosphäre. Selbst bei den Wasser-Animationen haben sich die Entwickler mächtig ins Zeug gelegt. Leider trüben immer wieder auftauchende Ruckler den Gesamteindruck und nehmen Schwung aus dem temporeichen Spielgeschehen. Insgesamt treten diese zum Glück relativ selten in Erscheinung, auch wenn sie leider nicht zu übersehen sind. Hier merkt man wie beim Gameplay, dass den ambitionierten Vorstellungen der Entwickler offenbar ein strammer Zeitplan im Weg stand, mit etwas mehr Feinschliff wären diese rauen Kanten des Titels sicher vermeidbar gewesen.

Fazit:

Auf den ersten Blick wirkt Sonic & SEGA All-Stars Racing wie eine Sonic-Version von Mario Kart. Schnell wird aber klar, dass SEGA sich von Nintendos Hit zwar hat inspirieren lassen, aber auch zahlreiche eigene Ideen beigesteuert hat. Das Drifting und das hohe Tempo liefern ein gänzlich anderes Spielgefühl als bei Mario und Co., der schiere Umfang und die atmosphärischen „Themenwelten“ aus der gesamten SEGA-Geschichte sorgen für viel Abwechslung und einen hohen Wiederspielwert. Lediglich ein etwas ideenloses Streckendesign – hier hat man bei Nintendo deutlich mehr Fantasie bewiesen - sowie die immer wieder auftretenden Ruckler trüben den Gesamteindruck. Dennoch ist Sonic & SEGA All-Stars Racing alles andere als nur ein Lückenfüller oder Abklatsch und auch für Wii-Besitzer eine Anschaffung wert. Simon Weiß

Wertung: 8/10

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