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31. 12. 2018

Klassiker: FlatOut II

Das Rennspiel-Genre war schon immer von Arcade-Racern geprägt. Auch wenn es Mitte der Neunziger eine Tendenz zu ausgeprägtem Realismus in Rennspielen gab (man denke nur an F1 Racing Simulation), so gab es auch seitdem immer wieder Arcade-Titel, die für Furore sorgten. Auch die FlatOut-Serie fällt dank einem ausgeprägtem Hang zu unrealistischem Gameplay in diese Kategorie. Der zweite Teil der Serie erschien im Jahr 2006 und ist immer noch ein spielerisches Genre-Highlight.

Im Großen und Ganzen unterschied sich das Spiel nicht von seinem zwei Jahre älteren Vorgänger: Spielmodi, Gameplay, grafische-Darstellung und musikalische Untermalung sind in beiden Spielen ausgesprochen ähnlich, nur dass all diese Dinge in FlatOut II auf die Spitze getrieben, um nicht zu sagen perfektioniert werden. Das ist zumindest die Meinung des Autors dieser Zeilen, der bereits im Jahr 2006 zum Zeitpunkt des Erscheinens unseres Testberichtes von dem Titel angetan war.

Einige Rennen finden auf typisch ovalen amerikanischen Rennstrecken statt - in diesem Fall auf einem matschigen UntergrundHauptkomponente des Spiels ist der Karriere-Modus, in dem insgesamt drei Rennklassen durchlaufen werden müssen. Hierbei werden verschiedene Rennwagen durch Preisgelder aufgerüstet oder durch schnellere Boliden ersetzt. In den Rennen selbst geht es ordentlich zur Sache, Crashs und absichtliche Rempeleien sind an der Tagesordnung und werden mit Nitro vergütet, das zum starken Beschleunigen des Fahrzeugs eingesetzt werden kann. Die Umgebung wird dabei umfangreich in das Geschehen eingebunden, denn ein Großteil der Objekte, die sich in der Spielwelt befinden, seien es Fässer, Laternen oder ganze Gebäude wie Häuser oder Tankstellen kann umgekippt, zerstört oder verschoben werden. Auch wenn deratige Interaktionen mit der Umwelt bereits im ersten Teil der Serie enthalten waren, weist die Spielwelt von FlatOut II eine wesentlich höhere Anzahl von Objekten auf, mit denen der Spieler interagieren kann.

Nicht nur aufgrund der möglichen Einflussnahme auf die Umwelt gestalten sich die Strecken sehr abwechslungsreich: Die Rennen führen durch Wälder, Wüste, Städte, Rennstrecken oder Felder und die optische Darstellung derselbigen reiht sich nahtlos in die restlichen Grafik-Effekte ein, die 2006 tadellos wirkten und eine Dekade später immer noch nicht altbacken daher kommen. Auch hier wies das Spiel gegenüber seinem Vorgänger, der mit einer eher durchschnittlichen Grafik daher kam, enorme Verbesserungen auf. Von den Menüs, über die grafische Darstellung des Headup-Displays samt Nitro-Stand und Tachometer bis hin zum eigentlichen Geschwindigkeitsgefühl beim Fahren passt einfach alles.

Ein guter Arcade-Rader braucht natürlich auch passende Musik. Bereits der erste FlatOut-Teil konnte mit einem entsprechend rockigen Soundtrack mehr oder weniger bekannter Bands aufwarten, der zweite Teil setzte beim Bekanntsheitsgrad der Bands aber noch eine ganze Schüppe obendrauf: Songs von Nickelback, Papa Roach, Rise Against, Wolfmother, Zebrahead oder Fall Out Boy heizen den Spielern während der Rennen richtig ein. Erwähnenswert ist, dass nicht nur die Namen der Bands, sondern auch die jeweils ausgewählten Stücke absolut stimmig sind.

In der Tuning-Werkstatt lassen sich verschiedenste Bauteile erstehen, die das Fahrzeugverhalten verbessernNeben den eigentlichen Rennen bot FlatOut II auch weitere Events. Hierzu zählen die bereits aus dem Vorgänger bekannten Derbys, bei denen es darum geht in unterschiedlich gestalteten Arenen alle gegnerischen Fahrzeuge zu schrotten, ohne dabei selbst einen Totalschaden zu erleiden. Ein weiteres Highlight waren die bereits aus dem Vorgänger bekannten Stunts. In diesem Spielmodus müssen unterschiedlichste Wettbewerbe wie Pokern, Basketball oder Bowling gemeistert werden. Bei den in einem Stadion stattfindenden Wettbewerben werden zunächst spezielle Stunt-Autos beschleunigt, bevor dann der Fahrer (in den geschnittenen Fassungen eine Dummy-Puppe) aus dem Auto katapultiert wird. Geschwindigkeit und Abschusswinkel müssen dabei so gewählt werden, dass die heraus katapultierte Spielfigur das jeweils erforderliche Ziel wie beispielsweise das Umwerfen von Bowling-Pins erfolgreich bewältigt. Schlussendlich geht es darum, in der jeweiligen Disziplin jeweils mehr Punkte als die computergesteuerten Gegenspieler zu sammeln. Dieser auf den ersten Blick sehr verrückt wirkende Spielmodus ist extrem unterhaltsam, weist gleichzeitig aber auch je nach Disziplin einen relativ hohen Schwierigkeitsgrad auf. Im Vergleich zum ersten Teil relativiert sich dieses Manko allerdings, denn dort waren die Stunts nicht nur grafisch weniger spektakulär, sondern vor allen Dingen noch schwieriger.

Rennen, die im Wald stattfinden finden teils -wie hier- auf asphaltierten Straßen statt, teilweise aber auch auf nicht asphaltierten Feld- oder WaldwegenAuch was das Fahren gegen menschliche Mitspieler angeht, übertrumpfte FlatOut II seinen Vorgänger. Neben reinen Netzwerk-Spielen waren auch Internet-Rennen möglich, bei denen über eine Lobby auch gleich die passenden Mitspieler gefunden werden konnten. Das Spiel bot somit alle gängigen Mehrspieler-Features, sein Erfolg ist aber trotzdem wohl eher in dem überragenden Einzelspieler-Modus begründet, zumal der bereits im Vorgänger verfügbare Derby-Modus bei seinem Erscheinen ebenfalls für abwechslungsreiche Netzwerk-Partien sorgte. Erwähnt werden sollte an dieser Stelle der Party-Modus genannte Hotseat-Modus, bei dem man mit mehreren Spielern an einem PC Stunts durchführen konnte. Wie bereits im Vorgänger wurden die Stunts in diesem Fall nacheinander ausgeführt, so dass der Spielmodus letzten Endes eine Jagd nach dem Highscore in den jeweiligen Disziplinen und der Gesamtwertung ist.

Auf einen richtigen Nachfolger von FlatOut II mussten die Fans ganze 5 Jahre warten. Bei FlatOut 3: Chaos & Destruction versuchten die Entwickler das Patentrezept des Vorgängers zu übernehmen, indem sie einfach eine umfangreichere Version des bewährten Spielprinzips anboten. Dies gelang aber nicht ein weiteres mal, denn FlatOut 3 scheiterte an zahlreichen technischen Mängeln. Zwischen dem zweiten und dritten Teil erschien mit Flatout: Ultimate Carnage eine Aufbereitung von FlatOut II für die Xbox 360. Die gegenüber dem Original leicht abgewandelte Version wurde wenig später auch für den PC veröffentlicht.

Auch heute noch stellt der erste, insbesondere aber der zweite Teil der Reihe einen Meilenstein im Rennspiel-Genre dar. Der Spaßfaktor und das Geschwindigkeitsgefühl sind auch dank der nur bedingt gealterten Grafik nach wie vor vorhanden, so dass sich ein Blick auch für Spieler lohnt, denen die FlatOut-Serie bisher nichts sagt. Beide Spiele sind beispielsweise auf gog.com verfügbar und werden sehr gut von Wine unterstützt, so dass auch Linux-Spieler auf ihre Kosten kommen. Mario Siewert

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