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09. 04. 2011

Testbericht: Rango

Dass ein Spiel zum Film nicht immer gut sein muss, zeigte EA erst vor kurzem mit dem neuesten Ableger der Harry Potter Reihe. Bei Rango, das ebenfalls von Electronic Arts vertrieben wird, soll nun alles anders werden. Aber macht der Chamäleon-Sheriff abseits der großen Leinwand tatsächlich eine gute Figur? Wir haben uns Rango für euch einmal genauer angeguckt.

Screenshot: RangoHoch und Tief liegen bei Rango sehr nah beieinander. Erfreut man sich direkt nach dem Start des Spiels noch daran, dass die Grafik sich keinesfalls hinter der Darstellung des Originals verstecken muss, so folgt kurz danach der erste Dämpfer. So schön es ist, dass insbesondere die Charaktere optisch nur wenig Differenz zur Leinwand-Version aufweisen, so ärgerlich ist es, im nächsten Moment zu realisieren, dass es in diesem Fall die Stimmen sind, die einer perfekten Umsetzung des Films im Wege stehen. Es mag unter ökonomischen Gesichtspunkten verständlich sein, dass sich die Originalstimmen aus dem Kino nicht im Spiel wiederfinden, ärgerlich ist es aber allemal, nicht zuletzt da die optische Aufmachung sich wie bereits gesagt sehr stark an der Leinwand orientiert.

Sieht man einmal von dem Manko der Synchronstimmen ab, ist Rango eigentlich ein ganz ordentliches Spiel, das sich als eine Mischung aus Jump'n'Run und Action-Spiel präsentiert. Die Story, bei der es sich übrigens nicht um die Story des Films handelt, wird von Rango selbst in einem Saloon erzählt. Die einzelnen Abschnitte der Geschichte sind zwar durch kurze Zwischensequenzen getrennt, der meiste Teil des Spiels besteht aber aus den eigentlichen Spielszenen, in denen ihr Rango steuert, während dieser nur hin und wieder einen Kommentar einwirft, um die Geschichte weiter zu erzählen.

Screenshot: RangoGesteuert wird der Echsen-Sheriff aus der Third-Person Perspektive. Die Steuerung orientiert sich an typischen Genre-Vertretern und ist bei Vorhandensein von etwas Videospiel-Erfahrung daher schnell verinnerlicht. Auch das Leveldesign bietet keine wirklichen Innovationen, kann aber immerhin durch teilweise recht weitläufige Landschaften und einige rasante Passagen wie der Verfolgung eines Zuges auf einem Pferd durch einen Canyon glänzen. Die Kämpfe mit den zahlreichen Gegnern stellen ebenfalls Standardkost dar, machen aber trotzdem Spaß: Oft finden sowohl Schusswechsel als auch Nahkämpfe in direkter Abfolge oder sogar parallel statt. In letzteren dürft ihr die Gegner per Faustschlag oder Stampfattacke mitsamt Umgebungsschaden besiegen. Wirklich hektisch werden die Kampfszenen trotz der zahlreichen Gegner dank Autozielfunktion aber selten. Will man die Waffe manuell benutzen, so zoomt die Kamera in eine Quasi-Egoperspektive. Praktisch ist die Nutzung dieser Funktion aber nur möglich, wenn man sich nicht inmitten eines Kampfes befindet, da ansonsten meist keine Zeit zum Zielen bleibt.

Rango besitzt zwar nur eine einzige Waffe, Bonus-Items, die gegen eine virtuelle Währung erworben werden können, sorgen aber dennoch für etwas Abwechslung während des Spielens. Die Sheriff-Sterne, die zum Bezahlen der Upgrades beim an einigen Punkten des Spiels anzutreffenden Händler genutzt werden können, werden von jedem erledigten Gegner hinterlassen, finden sich aber auch in zahlreichen Gegenständen und vergrabenen Schätzen wieder. Das Finden dieser Schätze wird zudem mit separaten Trophäen belohnt, wodurch zumindest ein kleiner Wiederspielwert entsteht. Die Upgrades selber haben einen deutlich merkbaren Einfluss auf das Spielgeschehen. Nicht nur die Nachladezeit und Feuerrate eurer Waffe kann verbessert werden, sondern es können auch Gesundheitsupgrades erworben werden. Andere Bonus-Items führen dazu, dass ihr beim Kämpfen oder Ausgraben von Schätzen effektiver neue Sheriff-Sterne generiert und so schneller weiteres Geld sammelt. Das ist nötig, weil es von allen Upgrades drei Ausbaustufen gibt und die Preise für die jeweils nächsthöheren Stufen oft um ein Vielfaches höher sind als die zu Beginn vom Händler veranschlagten Preise.

Screenshot: RangoNeben den Upgrades sorgen noch einige weitere Spielelemente für Abwechslung. Am originellsten und gleichzeitig auch am lustigsten sind die immer wieder auftretenden Golf- und Schießeinlagen. Beim "Goldenen Schuss" ladet ihr eure Waffe mit einer besonderen Kugel auf, die nach dem Abschuss aus der Egoperspektive gesteuert werden kann. Entlang der Flugbahn befinden sich mehrere Zielscheiben, auf die ihr das Projektil lenken müsst. Gelingt euch das, gibt es nicht nur Extra-Punkte falls ihr das "Bull's Eye" trefft, sondern die Kugel prallt auch ab und kann in Richtung des nächsten Ziels gelenkt werden. Am Ende des Fluges löst das Projektil zumeist eine größere Kettenreaktion aus, bei der ganz im Stil des Films nicht selten Dynamit oder andere explosive Materialien eine Rolle spielen. Nicht weniger originell als der "Goldene Schuss" sind die angesprochenen Golfeinlagen. So kann es euch passieren, dass ihr euch mitten in einer Schießerei plötzlich nicht mehr nur um das Bekämpfen der Gegner in eurer nächsten Umgebung kümmern müsst, sondern auch einen besonders mächtigen und auf konventionellem Weg nicht verwundbaren Gegner erledigen müsst, indem ihr per Golfball eine über ihm angebrachte riesige Kirchenglocke zum Läuten bringt. Das Schlagen der Bälle erfordert nicht nur einiges an Geschick, sondern wirkt inmitten einer Kampfszene natürlich sehr surreal. Weitere Spielelemente, die erwähnt werden sollten sind die immer wieder auftretenden Rutschpartien entlang vorgefertigter Bahnen, die dem Spiel etwas Schwung verleihen sowie die Power-Ups, die den Schaden, den eure Waffe verursacht, für kurze Zeit erhöhen.

Wie bereits angesprochen braucht sich Rango was die Grafik angeht nicht hinter anderen Spielen zu verstecken. Die Darstellung der Charaktere könnte direkt dem Film entsprungen sein und auch die Umgebungsgrafiken geben keinen Anlass zur Kritik. Eher durchschnittlich, aber keinesfalls schlecht schneidet -mal abgesehen vom bereits erläuterten Problem der im Vergleich zum Film ausgetauschten Synchronsprecher- der Sound ab. Sowohl die Effekte als auch die Hintergrundmusik sind einerseits grundsolide, können sich aber auch nicht wirklich von dem, was man als Standardkost bezeichnet, abheben. Immerhin orientieren sich die Melodien am Film, das aber kann das Manko der Synchronisation leider nicht wett machen.

Fazit:
Wäre da nicht das leidige Thema mit den Synchronstimmen, hätte Rango ein richtig gutes Spiel werden können. Die Grafik macht etwas her, das Gameplay ist zwar kurzweilig, aber nicht abgedroschen und die witzigen Ideen wie der "Goldene Schuss" oder das Golfen inmitten eines Kampfes sprechen einfach für sich. Leider aber geht durch die ausgetauschten Synchronstimmen dann doch einiges vom Flair des Kinofilms verloren, so dass sich Rango nicht wirklich von anderen Genre-Vertretern abheben kann. Mario Siewert

Gesamt: 7/10

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